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Borchener Titus Grall startete vor fünf Jahren Busstop Gallery

Wartehäuschen sind seine Galerie

Borchen

„Jeder ist ein Künstler, alles eine Galerie.“ Davon ist Titus Grall überzeugt und füllt diese Aussagen seit fünf Jahren in Borchen mit Leben. Seine Galerie sind die Wartehäuschen an Bushaltestellen in Borchen, in denen er kunstvolle Fotodrucke aufhängt, die den Blick auf die Umgebung zeigen.

Von Sonja Möller

An der Haltestelle Eulenberg hängt ein Foto eines Baums, der hinter der Kirche steht. Hier liest Titus Grall am Samstag aus dem Buch „Machen Sie mal bitte zügig die Mitteltüren frei“. Foto: Oliver Schwabe

Den Anfang nahm die Busstop Gallery 2016 an der Bushaltestelle Brücke in Paderborn. Hier wartete Titus Grall inmitten von Zigarettenstummeln, Kaugummis, Kronkorken und Glasscherben auf den Bus. Er sprach mit dem Bauamt, holte sich den Schlüssel für die nicht mehr benötigten Fahrplankästen und platzierte dort große Fotodrucke. „Die Bilder haben immer mit der Umgebung der Haltestelle zu tun, geben ungewöhnliche Einblicke“, erzählt der Fotograf. Verdeckte Sichtachsen aus neuer, anderer Perspektive. Altes neu gesehen. Verweilende Momente auf Unscheinbares.

„Die Wartehäuschen sind mir ans Herz gewachsen.“

Und der Fotograf, der lange in Berlin gelebt hat und dort in den achtziger Jahren Schüler der Berliner Werkstatt für Photographie war, hängt nicht nur seine Bilder auf, sondern kümmert sich auch um seine „Galerie“: Regelmäßig fährt er zu den Haltestellen, fegt Scherben zusammen, entsorgt Müll und hunderte Kippen. „Die Wartehäuschen sind mir ans Herz gewachsen“, sagt der 63-Jährige, der seit diesem Jahr als Sozialpädagoge in der Kinder- und Jugendpsychiatrie der LWL-Klinik in Paderborn arbeitet.

Eigentlich hatte der Kirchborchener geplant, zum Fünfjährigen großformatige Fineart-Drucke aufzuhängen und die Haltestellen bei einem kleinen Rundgang mit Lesung, Gesang und Quiz zu feiern. Doch die aktuelle Corona-Situation lässt dies so nicht zu: „Wir verschieben den Rundgang auf wärmere Tage“, sagt Grall.

Stattdessen plant der Fotograf eine kurzweilige Lesung am Samstag, 27. November, an der Haltestelle „Eulenberg“ in Kirchborchen. Um 18 Uhr will er dann einige kurze Passagen aus dem Buch „Machen Sie mal zügig die Mitteltüren frei“, von Susanne Schmidt vorlesen.

„Damit wird ein Bogen geschlagen zwischen Kreuzberg und Kirchborchen. Ich kenne aus meiner Zeit in Berlin selbst einige Haltestelle, die die Autorin, selbst Busfahrerin, anfährt“, erzählt Titus Grall.

Diese Bank vor der Sparkasse in Nordborchen hat Titus Grall gestaltet. Der goldene Mülleimer stammt aus der Altenau. Foto: Oliver Schwabe

Die Busstop Gallery ist nicht die erste Installation des Kirchborcheners im öffentlichen Raum. 2020 hat er zum Beispiel die Bank an der Sparkasse in Nordborchen farblich gestaltet und einen goldfarbenen Abfallkorb aufgehangen. „Der Korb stammt aus der Altenau. Den hatte dort jemand weggeworfen“, erzählt Grall.

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