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Mobiel-Fahrpersonal erhält spezielle Schulungen

Wasserstoff-Busse kurz vor dem Start

Bielefeld

Ende April ist es soweit, dann gehen die vier Wasserstoffbusse von Mobiel in den Probebetrieb. Die neue Technologie wird auf der Linie 29 zwischen Baderbach und Schildhof eingesetzt.

Mobiel-Fahrer Niklas Kitschke (Mitte) und Projektleiter Gerhardt Sawatzky (rechts) lassen sich von Fahrlehrer Axel Storck zeigen, wie man einen Wasserstoffbus betankt. Foto: Mobiel

Auf der 7,6 Kilometer langen Strecke werden die Busse den ganzen Tag fahren. Bis dahin ist jedoch noch einiges zu tun. Wer auf Bielefelds Straßen aufmerksam hinschaut, wird die Wasserstoffbusse in den nächsten Tagen schon entdecken können, denn die Fahrerinnen und Fahrer werden aktuell geschult.

Insgesamt 30 Männer und Frauen werden die Wasserstoffbusse im Probebetrieb fahren. Sie konnten sich freiwillig melden und haben besonderes Interesse an neuer Technologie und Weiterbildung gezeigt. Sie alle erhalten vor dem Einsatz eine etwa dreistündige Theorie-Unterweisung durch die Mobiel-eigene Fahrschule. Außerdem gibt es genügend Raum zum Ausprobieren, Probefahren und Fragen stellen.

Die Fahrerinnen und Fahrer lernen unter anderem alles über die allgemeine Technik des Busses. Dabei geht es darum zu verstehen, wie der Bus Energie umwandelt und wo die einzelnen Komponenten verbaut sind. In den Diesel-Fahrzeugen von Mobiel befindet sich die meiste Technik noch im Bus, bei den H2-Bussen ist die entscheidende Technik auf dem Dach verbaut.

Wasserstoff-Busse müssen wie ein Computer erst einmal hochfahren

Fahrer Niklas Kitschke hat die Schulung bereits mitgemacht und erzählt: „Die technischen und chemischen Abläufe sind besonders interessant. Wir haben zum Beispiel gelernt, dass der Strom, der mit dem Wasserstoff in der Brennstoffzelle produziert wird, nicht direkt in den Motor übergeht, sondern in der Batterie zwischengepuffert wird. Diese logischen Zusammenhänge muss man verstehen, um den Bus betriebsbereit zu machen und auch ordentlich fahren zu können“.

Die Wasserstoff-Busse werden nicht wie ein Diesel gestartet und sind sofort einsatzbereit, sondern müssen wie ein Computer erst einmal hochfahren. Dieser Vorgang dauert ungefähr eineinhalb Minuten. Außerdem ist das Fahrverhalten, ähnlich wie bei E-Autos, deutlich zügiger als bei Verbrennern. Die neuen Busse haben statt Außenspiegeln Kameras, deren Bilder den Fahrerinnen und Fahrern auf einem Monitor angezeigt werden. Vorteil: So wird der tote Winkel fast komplett ausgeleuchtet.

Mobiel-Fahrlehrer Axel Storck: „Natürlich ist der Fahrerplatz gegenüber anderen Bussen nicht völlig anders. Es gibt aber doch einige Monitore und digitale Anzeigen, die neu sind. Die Fahrerinnen und Fahrer müssen unter anderem erkennen können, wie weit die Batterie geladen ist und ob die Brennstoffzelle genug Energie produziert. Außerdem funktioniert auch das Tanken etwas anders als beim Diesel. Unter dem Strich gibt es einfach eine Menge zu lernen.“

Auf dem Dach der Busse befinden sich die Brennstoffzellen

Gerhard Sawatzky ist für das Projekt bei Mobiel verantwortlich: „Wenn die Fahrzeuge Ende April auf die Straße gehen, sprechen wir explizit von einem Probebetrieb. Die Technik, die verbaut ist, funktioniert hervorragend in anderen Fahrzeugen und wir gehen davon aus, dass alles gut läuft. Kinderkrankheiten kann man bei neuen Technologien aber nie ausschließen.“

Bei den Bussen handelt es sich um vier 12-Meter-Busse vom portugiesischen Hersteller Caetano, Typ H2 City Gold. Diese werden seit gut einem Jahr in Norddeutschland erprobt. Zeitgleich zu Bielefeld werden die Fahrzeuge nun auch in Barcelona und Wiesbaden eingesetzt. Auf dem Dach der Busse befinden sich Brennstoffzellen von Toyota, die bereits tausende Male im Auto-Modell „Mirai“ verbaut wurden.

Den Elektrobus nur mit Batterie als Energiequelle gibt es schon seit einiger Zeit. Sawatzky ist gespannt: „Die Herausforderung besteht darin, dass diese Komponenten nun in einem Fahrzeug zusammengefügt sind. Es wird sich zeigen, wie gut die Technik im Zusammenspiel funktioniert.“

Im Probebetrieb soll sich außerdem zeigen, wie weit die Busse mit einer Tankladung von 37,5 Kilogramm Wasserstoff kommen.

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