1. www.westfalen-blatt.de
  2. >
  3. OWL
  4. >
  5. Wenn alte Möbel reden könnten

  6. >

Mitglieder der Arbeitsgruppe für Familienforschung im Kreis Herford auf Spurensuche im Löhner Heimatmuseum

Wenn alte Möbel reden könnten

Löhne

Tulpen ranken in breiten Mustern um die Türen des Schrankes im Heimatmuseum auf dem Bischofshagen. Sie finden sich auch auf dem Himmelbett und weiteren Möbeln, dazu weitere Zierelemente in den Schnitzereien und immer wieder Namen und Jahreszahlen. Aber was bedeuten die Verzierungen eigentlich? Museumsleiterin Sonja Voss arbeitet derzeit in einer Kooperation mit der Arbeitsgruppe für Familienforschung im Kreis Herford an der Übersetzung.

Auf Spurensuche im Museum Löhne: die Ahnenforscher Thomas Kriete, Christine Honermeyer und Ulrich Klaus. Foto: Heimatmuseum Löhne

Für viele Zierformen ist die Bedeutung durch regionale und überregionale Forschungen nachvollziehbar geworden. So stehen etwa die Tulpen in der durch die Erweckungsbewegung stark geprägten Minden-Ravensberger Region für die Überzeugung, dass der Lohn für die Mühen auf Erden im himmlischen Paradies folgt.

So, wie die Blumenzwiebeln im Herbst mit Mühe in den Boden gelangen und dann den ganzen Winter über nichts von der Arbeit zu sehen ist, entschädigen die prächtigen Blüten im Frühjahr für alle Mühen und alles Warten.

Eine Station im Museum stellt einen Teil dieser Bildsprache als Übersetzungshilfe auf den Weg durch die Räume bereit. Es bleiben die Namen und Daten: Über die hinter den Stücken liegenden Familienbeziehungen gab es bisher nur zu wenigen Möbeln die ganze Geschichte im Museum nachzulesen.

Eine Kooperation mit der Arbeitsgruppe Familienforschung im Kreis Herford hilft nun, diesen Geschichten genauer auf den Grund zu gehen. Die Ahnenforscher um Thomas Kriete haben zu den ersten Stücken die zugehörigen Personen und damit zum Teil auch den genauen Entstehungsort der Möbel ermitteln können.

Teil eines Brautschatzes

Ein Stück, das als Leihgabe der Kirchengemeinde Mennighüffen seit vielen Jahren im Museum steht, konnte so zum Beispiel einer geborenen Schnathorsterin als Teil des Brautschatzes zugeordnet werden. Mit viel ehrenamtlichem Engagement sind die Forscher dafür Hinweisen nachgegangen, haben Namen und Daten verglichen und sich mit Kollegen aus den Nachbarkreisen ausgetauscht. So kam auch Christine Honermeyer, Leiterin der Ahnenforschergruppe aus Hüllhorst, mit in das Löhner Museum.

Nach und nach sollen alle mit einem Namen versehenen Exponate aus dem Museum einmal unter den prüfenden Blick der Ahnenforscher gelangen. Begonnen wurde zunächst mit Andenkenbildern aus der ersten Sonderausstellung in diesem Jahr. Jetzt kamen die ersten Möbel aus der Dauerausstellung hinzu.

Ergänzung für Ortsfamilienbuch

Und tatsächlich konnte mit Hilfe der Stücke aus dem Museum auch schon das Ortsfamilienbuch Löhne ergänzt werden: Ulrich Klaus, Spezialist für die alten Höfe zwischen Wiehengebirge und Teutoburger Wald, interessierte besonders der im Museum verbaute historische Torbogen vom Hof Nagel.

Dieser trug eine Inschrift, die auf eine noch nicht in das Ortsfamilienbuch aufgenommene zweite Hochzeit in der Familie hinwies. Ulrich Klaus kannte das Museum schon vor der Kooperation. In einem der Räume hängt ein Andenkenbild, das von seinen Vorfahren stammt.

Freude über gelungene Kooperation

Das Museum und die Ahnenforscher freuen sich über die gelungene Kooperation und sind schon auf die nächsten Ergebnisse gespannt. Die ersten kurzen Möbelgeschichten können bereits zu den Öffnungszeiten im Museum nachgelesen werden. Weitere Infos gibt es unter www.heimatmuseum-loehne.de.

Die spannende Arbeit der Ahnenforscher können Interessierte nicht nur im Museum entdecken. Regelmäßig gibt es Treffen. Dazu werden Vorträge und Workshops zum Thema „Ahnenforschung“ angeboten, zum Teil in Kooperation mit der Volkshochschule. Infos gibt es unter https://hf-gen.de.

Startseite