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Stadtwerke Löhne, Gärtnerei Ulenburg und WBV Am Wiehen finden einfache Lösung für ein Versorgungsproblem

Wenn der Teich zum Wasserpuffer wird

Löhne/Bad Oeynhausen

Mit einer einfachen Maßnahme haben die Stadtwerke Löhne einen Weg gefunden, bei Trockenheit den akuten Wasserbedarf der Gärtnerei Ulenburg zu bedienen, ohne gleichzeitig die Trinkwasserversorgung der Bevölkerung zu belasten. Es handelt sich um eine simple Freileitung, über die ein 1000-Kubikmeter-Teich der Gärtnerei bei Bedarf immer dann befüllt wird, wenn die Trinkwasserversorgung entspannt ist und das Versorgungsnetz nicht überlastet werden kann.

Guntram Sauermann von der Gärtnerei Ulenburg steht neben einer mobilen Beregnungsanlage. Über eine simple Freileitung wird ein 1000-Kubikmeter-Teich der Gärtnerei bei Bedarf immer dann befüllt, wenn die Trinkwasserversorgung entspannt ist und das Versorgungsnetz nicht überlastet werden kann. Foto: WBV Am Wiehen

Hintergrund dieser Maßnahme ist der Klimawandel, der aus Sicht von Guntram Sauermann von Jahr zu Jahr deutlicher erkennbar wird. Sauermann ist eines der Vorstandsmitglieder der Ulenburg-Genossenschaft. Er sagt: „Das Wetter ist in den vergangenen 30 Jahren immer extremer geworden. Mal ist es viel zu lange trocken, mal regnet es wie verrückt.“

Noch Ende der 80er Jahre sei das Wetter gleichmäßiger gewesen. Im Jahre 2018 ist der Rehmerloher Mühlenbach erstmals nahezu trockengefallen. Das macht die Bewässerung für Gewächshäuser und Freiflächen zunehmend zu einer Herausforderung.

8000 Kubikmeter zugekauft

Folge ist aus Sicht der Gärtnerei Ulenburg mit über 50 Hektar Freilandfläche ein stark verändertes Beregnungsmanagement: In Phasen der Trockenheit werden für die sechs Beregnungsmaschinen entsprechend größere Wassermengen benötigt. Für 2020 kamen rund 8000 Kubikmeter von den Stadtwerken zugekauftes Beregnungswasser zusammen. Zum Vergleich: In eine Badewanne passen etwa 0,25 Kubikmeter Wasser.

Diese großen Wassermengen kann man aber nicht jederzeit aus dem Trinkwassernetz abzapfen, erst recht nicht an trockenen, heißen Spitzentagen im Sommer. Denn dann wollen alle Wasser haben.

Wasservorrat für Trockenzeiten

Guntram Sauermann berichtet: „Im Dialog mit den Stadtwerken haben wir dann die Idee entwickelt, unseren Teich als Wasserpuffer zu nutzen. Im Grunde so ähnlich wie der neue Hochbehälter in Bergkirchen.“ Den neuen Hochbehälter hatte der Wasserbeschaffungsverband (WBV) Am Wiehen kürzlich in Betrieb genommen.

Mit der im vergangenen Sommer gefundenen Lösung ist beiden Seiten gedient. Die Stadtwerke Löhne können weiterhin Wasser an die Gärtnerei abgeben, müssen das aber nicht zu angespannten Zeiten tun; die Gärtnerei kann mit dem Vorrat die Flächen dann bewässern, wenn die Pflanzen Wasser dringend benötigen.

Schnelle pragmatische Lösung

Holger Freymuth von den Stadtwerken Löhne ist auch für den WBV Am Wiehen zuständig: „Auch aus Verbandssicht ist es wichtig, dass die Netze nicht überlastet werden und leistungsfähig bleiben. Um dieses zu gewährleisten, müssen Abgabespitzen vermieden werden. Darum freue ich mich über diese schnelle pragmatische Lösung.“

Für die Zukunft sieht Guntram Sauermann klar: „Das Klima wird sich bis auf Weiteres nicht ändern. Wir müssen Lösungen finden, wenn die Pflanzen wachsen sollen. Dabei brauchen wir gar nicht unbedingt Trinkwasser. Brauchwasser würde uns reichen. Aber wir benötigen auf jeden Fall Wasserspeicher.“

Erstmals Getreide beregnet

Man werde mit den Stadtwerken weiter im Dialog bleiben. Beide Seiten sind an Lösungen interessiert. Zum Beispiel sei zu überlegen, wie das winterliche Regenwasser bis in die Sommersaison verwahrt werden kann.

Guntram Sauermann ist seit fast 30 Jahren in der Ulenburger Gärtnerei. Nachdenklich macht ihn eine Beobachtung in der Nachbarschaft: „Bis jetzt wurden in unserer Gegend nur Sonderkulturen wie Gemüse, Obst und Kartoffeln bewässert. Die Landwirte haben bislang nie ihre Flächen bewässert. Im vergangenen Sommer habe ich zum ersten Mal gesehen, dass ein Nachbarlandwirt seinen Weizen beregnen musste.“

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