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Festival Junger Kurzfilm OWL präsentiert in Paderborn beeindruckende Werke junger Filmschaffender aus der Region

„Wer braucht schon Hollywood?“

Paderborn/Schloß Neuhaus

Bei kaum einem Kinobesuch wird eine derartige Vielfalt an Genres und Emotionen geboten wie bei den Vorführungen der Veranstaltung Junger Kurzfilm OWL in Paderborn.

Von Rebecca Borde

Der Marstallinnenhof bot in Schloß Neuhaus am Abend des 8. Juli ein besonderes Ambiente für die Premiere des Festivals Junger Kurzfilm OWL. Foto: Rebecca Borde

Im Marstallinnenhof Schloß Neuhaus wurden zwölf Filme im Rahmen des erstmals stattfindenden Wettbewerbes gezeigt. Die besten Beiträge wurden mit Preisen ausgezeichnet.

Junger Kurzfilm OWL – das ist ein Zusammenschluss der Universität Paderborn, der TH OWL in Lemgo, der FH Bielefeld und des Bib International College in Paderborn. Vertreter dieser Institutionen bildeten am Abend die Jury.

Die drei Drehbuchpreise erhielten jeweils 1000 Euro. Den ersten Platz machte dabei das Werk „Zeilen der Zeit“ von Marvin Albertsmeyer und Julius Herzog. Erzählt wird darin die Geschichte eines Juden während des Aufstiegs der Nationalsozialisten. In tagebuchartigen Briefen hält die Hauptfigur fest, wie er und seine Familie aus der deutschen Gesellschaft ausgegrenzt und schließlich sogar direkt angegriffen wurden.

Auch einschneidende Ereignisse wurden thematisiert

Auch einschneidende Ereignisse wie die Reichspo­gromnacht und der Angriff auf Polen finden Erwähnung. Ausschlaggebend zur Themenfindung sei vor allem eine Reise nach Polen und Lettland gewesen, so die Regisseure. Mit Materialien aus Archiven, die die Geschichte jüdischer Opfer im Dritten Reich festhalten, habe man die Biografie des Protagonisten erschaffen.

„Hinter all den Zahlen stecken Menschen“, sagt Julius Herzog über die vielen Opfer. Neben der ergreifenden Geschichte, die einen Beitrag zur Erinnerungskultur leisten solle, glänzt das Team auch durch präzise Kameraführung und gute technische Ausarbeitungen. Da verwundert es nicht, dass sich die Besucher bei der Wahl des Publikumspreises auch für „Zeilen der Zeit“ entschied.

Tatjana Meyer gewann mit ihrem Kurzfilm „Every breathe you take“ den Jurypreis

Neben diesem und den Drehbuchpreisen wurden Jurypreise verliehen. Der erste Platz sollte mit 1500 Euro belohnt werden und ging an Tatjana Meyer mit ihrem Kurzfilm „Every ­Breathe You Take“.

Wem der Titel durch den gleichnamigen Song von The Police bekannt vorkommt, liegt richtig, denn dieser spielt eine wichtige Rolle im Film. Fast zehn Minuten lang beobachtet die Kamera eine junge Frau, die auf Schritt und Tritt ohne ihr Wissen verfolgt wird. Die Stimme ihres Stalkers untermalt die Bilder und erklärt in den Worten des bekannten Liedes: „Bei jeder Bewegung, die du machst und bei jedem Schritt, den du gehst, beobachte ich dich.“ Die Stimmung bleibt während der gesamten Vorführung zum Reißen gespannt und wird dann von lautem Applaus unterbrochen.

Regisseurin Tatjana Meyer kann es selbst nicht glauben: „Damit habe ich wirklich nicht gerechnet“; verrät sie, als sie den Preis entgegennimmt: „Ein kleiner Traum wird für mich wahr und ich bin sehr stolz.“

Daniel Meiers Film „Bonbon“ erinnert an den Hollywoodfilm „La La Land“

Der zweite Platz des Jurypreises ist gleich doppelt besetzt. Daniel Meiers „Bonbon“ und Simon Tubbesings „Hopo Pongo“ liegen bei der Wertung gleich auf. Bonbon verlor die Abstimmung für den Publikumspreis zudem nur knapp, denn auch dieser Film stieß auf große Beliebtheit.

Ein Jahr arbeitete Daniel Meier mit seinem Team an dem zwanzigminütigen Film: Unzählige Kostüme, Locations sowie Tanz- und Gesangseinlagen und das alles im Flair der 50er Jahre. Der Film ist eine ganz eigene Kreation und erinnert doch stark an den Hollywoodfilm „La La Land“ mit Ryan Gossling und Emma Stone „Während wir gedreht haben, erschien ‚La La Land‘ und wir dachten, na super, jetzt macht Hollywood das schon“, sagt Daniel Meier.

Auch wenn die Motive sich ähneln, bleibt die Geschichte des ostwestfälischen Kurzfilms ein Unikat. Den dritten Platz der Jurypreise bekam „Der Junge und sein Ballon“ von Tom Lienekampf – ein Film über einen einsamen Jungen, der inmitten von Streitgesprächen zu spielen versucht. Der einzige, der ihm ein Lächeln schenkt, ist sein blauer Luftballon mit dem aufgemalten Gesicht.

In Schloß Neuhaus wurden zwölf von 36 eingereichten Filmen gezeigt. Sie zeigten das große filmische Talent der Regisseure und ihrer Teams. Da passte die Frage von Paderborns stellvertretender Bürgermeisterin Sabine Kramm bei ihrer Eröffnungsrede: „Wer braucht schon Hollywood? Wir haben OWL.“

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