1. www.westfalen-blatt.de
  2. >
  3. Owl
  4. >
  5. „Wichtig ist es, zuhören zu können“

  6. >

Erzbischof Hans-Josef Becker hat Pastor Jürgen Drüker mit dem Dienst der geistlichen Begleitung beauftragt

„Wichtig ist es, zuhören zu können“

Delbrück/Hövelhof

Als Pastor ist Jürgen Drüker seit November 2018 mitverantwortlich für die pastorale Arbeit im pastoralen Raum Delbrück-Hövelhof. Da ein Schwerpunkt seiner Arbeit die Einzelbegleitung von Menschen ist, hat Erzbischof Hans-Josef Becker ihn nun aufgrund seiner Zusatzqualifikationen offiziell mit dem Dienst der geistlichen Begleitung beauftragt – zusammen mit 32 weiteren Personen aus dem Erzbistum Paderborn.

Für das Gespräch mit Gott und den Menschen bereit: Jürgen Drüker, der die geistliche Begleitung Einzelner anbietet. Foto: Thoering

Supervisionsausbildung

Geistliche Begleitung? Was bedeutet das eigentlich? Jürgen Drüker erklärt das so: „Geistlicher Begleiter zu sein, heißt für mich, Menschen auf ihrem Glaubensweg zu begleiten. Aus meiner Sicht will Gott mit jedem Menschen seinen eigenen Weg gehen. Eine geistliche Begleitung hat für mich dabei den Auftrag, dem Menschen, der zu mir kommt, hilfreich zu sein, für sich diesen Weg Gottes mit ihm erkennen zu können und für sich auch die Frage zu klären: ,Möchte ich diesen Weg gehen? Und wenn ja: Was brauche ich, um diesen Weg gehen zu können?“

Für den Geistlichen heißt Begleitung – etwas konkreter ausgedrückt – erst einmal, zuhören zu können. Und nicht sofort den Eindruck, den dieser Mensch – sei es durch sein Äußeres oder durch sein Erzählen – hervorruft, zu analysieren und zu bewerten, sondern herauszuhören, was das Anliegen des jeweiligen Menschen ist. Drüker: „Was sind seine Fragen und wie ist sein Weg mit Gott bisher verlaufen? Um dafür eine geschärfte Wahrnehmung zu bekommen, war für mich sowohl die Supervisionsausbildung von 2008 bis 2011 als auch die augenblickliche Zusatzausbildung in Logotherapie und Existenzanalytischer Begleitung und Beratung sehr hilfreich. Ebenso gewinnbringend sind für meine Tätigkeit als geistlicher Begleiter natürlich sowohl mein Theologiestudium als auch die Fortbildungen im kontemplativen Gebet.“

Grundlage für jedes Gespräch ist aber aus Sicht des Pastors, dass es sich bei jedem Treffen nie um ein Zweiergespräch handelt, „sondern dass Gott bei jedem Gespräch anwesend ist“, so Drüker. Daher beginne jedes Gespräch mit einem Gebet zum heiligen Geist, dass er dieses Gespräch führen und leiten möge.

Anliegen und Fragen

Die Anliegen und Fragen, mit denen Menschen ins Gespräch mit Jürgen Drüker kommen, sind sehr unterschiedlich. „Einige Menschen kommen zu mir, um die Frage nach Ehe, Diakonen- beziehungsweise Priesteramt als Berufung abzuklären beziehungsweise das Leben dieser Berufung. Andere Menschen kommen mit der Frage nach dem Gottesbild oder mit dem Anliegen, ins Gebet hineinzuwachsen und damit in die Vertiefung der Beziehung zu Gott. Ebenso fragen viele Menschen nach sich selbst als Geschöpf Gottes mit seinen Talenten und Charismen. Je nach Klärungsbedarf kann ein Prozess von mehreren Monaten bis zu mehreren Jahren dauern“, erläutert der Geistliche.

Dies hänge letztlich immer individuell von dem Menschen ab, der zum Priester kommt.

Selbst dazulernen

Es könne natürlich auch passieren, dass man im Gespräch feststellt, „dass vielleicht eine andere Person ein geeigneterer Geistlicher Begleiter oder eine Geistliche Begleiterin für diesen Menschen wäre“, räumt Drüker ein.

Für ihn bedeutet die Aufgabe, Geistlicher Begleiter zu sein, auch selbst dabei zu lernen: „Das gehört natürlich dazu! Manche Menschen hätte ich so vor zehn Jahren in ihrer Komplexität nicht begleiten können. Von jedem Menschen, der zu mir kommt, lerne ich auch etwas! Ebenso wichtig ist, dass ich einen eigenen geistlichen Begleiter habe und mich in diesem Bereich kontinuierlich fortbilde, auch im eigenen geistlichen Leben.“

Lebensgeschichten

Stellt sich die Frage, welches Alter die Menschen haben, die das Gespräch mit Jürgen Drüker suchen. Welcher Generation gehören sie vorwiegend an? Gibt es da besondere Auffälligkeiten? Drüker: „Nein, diese Menschen sind von Mitte 20 bis Mitte 80, Frauen und Männer, verheiratet, ehelos, alleinerziehend, partnersuchend oder sich auf die Ehe vorbereitend. Dies ist ja das Wunderschöne an dieser Aufgabe: Sie ist nie auf eine Art bestimmten Menschen festgelegt und jeder Mensch, der neu zu mir kommt, ist eine neue Herausforderung und ein neuer Gewinn mit seiner je eigenen Lebensgeschichte und mit seinen je eigenen Fragen.“

Startseite