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Mutmaßliche Rolex-Räuber: Nur einer der Cousins sagt vor dem Landgericht Paderborn aus

Wichtige Zeugen machen Urlaub

Paderborn

Einer redet, einer schweigt. Und so muss sich das Landgericht Paderborn im Fall der beiden jungen Männer aus Emsdetten, die in Paderborn an einem brutalen Raub beteiligt gewesen sein sollen, weiter um Beweise bemühen.

Von Ulrich Pfaff

Symbolbild. Foto: dpa

Denn der ältere der beiden Cousins ist der einzige, der sagt, dass der Jüngere kräftig mit von der Partie gewesen sein soll.

Es geht, wie berichtet, um einen Überfall, bei dem ein Paderborner schwer verletzt wurde: Er wollte eine Rolex im Wert von 20.000 Euro verkaufen, geriet aber an ein Trio, das die teure Uhr ohne zu bezahlen, dafür unter Einsatz von Gewalt, mitnehmen wollte. Was daneben ging, weil sich die Täter reichlich ungeschickt anstellten, die Ziel-Rolex gar nicht am Tatort war und sie eine andere Rolex am Handgelenk des Opfers übersahen. An Tag drei des Prozesses gegen die Cousins (22 und 21 Jahre alt) wären nach der Planung der 8. Großen Strafkammer Plädoyers und Urteil fällig gewesen – wenn nicht mehrere Zeugen die Corona-Lockerungen für Reisen genutzt hätten und deshalb einer kurzfristigen Ladung nicht nachkommen konnten. Einen dieser Zeugen benötigt die Verteidigung des 21-Jährigen jedoch unbedingt: Er soll dem Angeklagten für den Tattag ein Alibi liefern.

Die Beweislage zur Tatbeteiligung des 21-Jährigen ist derzeit noch recht unklar: Allein der Cousin belastet ihn. Der Jüngere sei derjenige gewesen, der am 29. Juli vergangenen Jahres zusammen mit dem „Patron“, dem Drahtzieher der Geschichte, den Rolex-Sammler zusammengeschlagen, getreten und mit einer Gaspistole bedroht habe, um an die wertvolle Uhr zu kommen.

Weder das Opfer noch andere Zeugen konnten bisher bestätigen, dass der 21-Jährige mit Statur und Kopfputz eines Sumo-Ringers einer der drei Tatbeteiligten war. Ein Mithäftling des 22-Jährigen stand als Zeuge Rede und Antwort darüber, was dieser ihm in der Untersuchungshaft erzählt hatte: nämlich, das, was er auch am ersten Prozesstag bereits gestanden hatte. Dass er beim Fesseln geholfen habe, „dabei eins auf die Fresse“ gekriegt hat und deshalb seine DNA gefunden wurde, und dass die beiden brutalen Komplizen der „Patron“ und der jüngere Cousin gewesen seien.

Bisher hat der 21-Jährige allerdings weder einen Mucks von sich gegeben noch seine Corona-Maske abgenommen. Sein Verteidiger Heiko Urbanzyk hat der Kammer angekündigt, dass am nächsten Prozesstag eine Einlassung erfolgen werde, „darauf können Sie sich verlassen“. Dann soll es auch ein Urteil geben.

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