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Durchs Selbstpflücken der Frauenberatung helfen: Biohof Meyer zu Theenhausen will Erlös aus Wertheraner Blumenfeld an „Wildwasser“ spenden

Wie Blumensträuße Gewaltopfern helfen

Werther-Theenhausen

Was für eine Blütenpracht, so weit das Auge reicht! Und die macht sich nicht nur auf der Wiese in Theenhausen und in der heimischen Blumenvase gut – sie ermöglicht obendrein, ein sinnvolles Hilfsprojekt für Frauen zu unterstützen.

In Theenhausen sollte man ruhig ein paar Blumen mehr schneiden als sonst – denn der Erlös kommt der Frauenberatungsstelle „Wildwasser“ zugute. Foto: Volker Hagemann

Die Pächterin des Biohofes Meyer zu Theenhausen, Tina Esser, und ihr Team haben auch in diesem Sommer zwei gemischte Blumenfelder angelegt und liebevoll gepflegt. Wer sich hier selbst geschnittene Blumen kauft, tut mit dem Erlös etwas Gutes.

Auf dem Weg von Werther nach Borgholzhausen an der Borgholzhausener Straße (auf Höhe der Hausnummer 113) und an der Theenhausener Straße sind die bunten Felder nicht zu übersehen und eine wahre Augenweide. Farbenfrohe Sommerblüher direkt neben dem Straßenrand locken zum Selbstpflücken, um sich oder anderen eine Freude zu bereiten.

Alle Pflanzen werden von der Aussaat bis zur Blüte ohne chemische Mittel und ressourcenschonend nach ökologischen Standards herangezogen und gepflegt. Zudem ist es der Pächterin und ihren Kolleginnen und Kollegen wichtig, soziales Engagement zu zeigen und aktiv zu sein. Deshalb fließt nun, bereits zum sechsten Mal, der Erlös aus den selbst gepflückten Sträußen an den Verein „Wildwasser“ Bielefeld e.V., eine Beratungsstelle für Frauen, die in ihrer Kindheit und Jugend sexualisierte Gewalt erfahren haben. „Die bisherige Rekordsumme des komplett gespendeten Erlöses lag vor zwei Jahren bei gut 4000 Euro“, erinnert sich Tina Esser. „Wir freuen uns sehr über diese verbindliche Unterstützung und Wertschätzung unserer Arbeit“, sagt Anke Lesner, Geschäftsführerin der Beratungsstelle.

Von der Online-Beratung bis zu Selbsthilfegruppen

Insbesondere, da 2021 ein ganz besonderes Jahr für die Mitarbeiterinnen von „Wildwasser“ ist: Vor 30 Jahren wurde der Verein aus einer Selbsthilfegruppe heraus gegründet. Die damaligen Teilnehmerinnen wollten ihre Erfahrungen für die Unterstützung anderer betroffener Frauen nutzen und sie stärken, über sexualisierte Gewalt aufklären und gezielte Hilfe anbieten. Haltung und Überzeugungen der Gründerinnen prägen das Angebot von „Wildwasser“ Bielefeld bis heute: nah an den Bedürfnissen der Frauen und wachsam gegenüber gesellschaftlichen Veränderungen zu sein – sei es beim Thema Alter und Trauma, bei Gewalt in der Familie und in Institutionen oder im Internet.

Seit 1991 beobachtet das „Wildwasser“-Team, wie und in welchen Kontexten sexualisierte Gewalt entsteht, organisiert den fachlichen Wissenstransfer mit vielen Institutionen und passt das eigene Beratungsangebot immer wieder an. Es umfasst Selbsthilfegruppen, therapeutisch angeleitete Gruppen, telefonische, persönliche und Online-Beratung sowie einen offenen Kontakt- und Treffpunkt, das „Wildwasser-Café“.

„Kriminalstatistik zeigt: Der Bedarf ist groß“

Auch Angehörige, Beschäftigte aus anderen Einrichtungen und alle weiteren Interessierten können sich an die Beratungsstelle wenden. Darüber hinaus führt der Verein Informationsveranstaltungen, Schulungen und Fortbildungen durch, um für das Thema „Sexualisierte Gewalt in der Kindheit und Jugend“ zu sensibilisieren. „Die Kriminalstatistik verdeutlicht, dass der Bedarf in dem Bereich sehr groß ist“, erläutert Anke Lesner und nennt erschreckende Zahlen. „So ist die Zahl der aufgedeckten Fälle von Kindesmissbrauch in den letzten fünf Jahren um 44 Prozent gestiegen. Kinderpornografie hat sich mehr als vervierfacht!“

Der wichtigen Arbeit von „Wildwasser“ stehen jedoch enge finanzielle Ressourcen gegenüber. Die originäre Arbeit des gemeinnützigen Vereins wird durch kommunale Mittel gesichert, doch es gibt jedes Jahr einen nicht unerheblichen Eigenanteil, der über Spenden und Stiftungsgelder abgedeckt werden muss. „Einen Geburtstagsstrauß zu bekommen, ist ja schon schön“, freut sich Anke Lesner, „aber gleich ein ganzes Blumenfeld ist überwältigend! Die Spende des Biohofs Meyer zu Theenhausen und seiner Kunden trägt dazu bei, dass Frauen weiterhin kostenlos Unterstützung erhalten. Sie kommt zu 100 Prozent bei den Betroffenen an.“

www.wildwasser-bielefeld.de

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