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Sonderausstellung „Grenzüberschreitung am Limes“ im Lippischen Landesmuseum

Wie lebten eigentlich die alten Germanen?

Detmold

Wie lebten die Menschen in Nordrhein-Westfalen während des Römischen Reichs? Eine Frage, die mehrere archäologische Museen des Landes versuchen zu beantworten. Sie begeben sich dazu in diesem Herbst in einer Verbundausstellung auf römische Spurensuche.

Eindrucksvolle Bilder des renommierten Illustrators Samson Götze (hier die Rheinüberquerung) visualisieren das damalige Leben am Limes. Foto: Samson Götze

Unter der Überschrift „Roms fließende Grenzen“ geht es in Köln, Bonn, Detmold, Xanten und Haltern am See um das Leben zur Römerzeit und die noch heute spürbaren Einflüsse auf Stadtentwicklung oder Straßenführung.

Den Anfang macht vom 24. September an das Lippische Landesmuseum Detmold. In seiner Sonderausstellung „Grenzüberschreitung am Limes“ geht es bis zum 27. Februar 2022 vor allem um germanisch-römisches Grenzleben – das Leben am Limes aus germanischer Sicht. Im Juli 2021 wurde der niedergermanische Limes zum Unesco-Weltkulturerbe gekürt. Der Limes war eine der wichtigsten Grenzabschnitte im Römischen Reich und hat das Leben der indigenen Bevölkerung in den anliegenden Provinzen nachhaltig beeinflusst.

Besucherinnen und Besucher erkunden den Alltag dort aus Sicht der indigenen Einwohner, die von den Römern als „Germanen“ bezeichnet wurden – eine Fremdbezeichnung, da die Einheimischen sich weder selbst so nannten, noch sich als einheitliches Volk sahen.

Eine gut erhaltene Terra-Sigillata-Schüssel ist eins von 400 Exponaten. Foto: M. Grunert/LWL-Archäologie

In sorgfältiger Arbeit hat das Lippische Landesmuseum aus ganz Nordrhein-Westfalen 400 Exponate zusammengetragen, die in dieser Konstellation noch nie zuvor zu sehen waren. Die archäologischen Funde stammen aus der späten Eisenzeit (ca. 150-50 v. Chr.) bis in die späte Völkerwanderungszeit um 500. n. Chr.

Die Sonderausstellung präsentiert ein realistisches Bild der landwirtschaftlich geprägten Gesellschaft ab 1 n. Chr. Obwohl der Limes die römischen Provinzen Germania inferior und Germania magna voneinander trennte, pflegten die Menschen dieser beiden Regionen eine ähnliche Lebensweise. Beide unterhielten grenzüberschreitende Kontakte mit den Römern. Im 2. und 3. Jahrhundert n. Chr. fand ein reger interkultureller Austausch statt. Viele römische Güter wechselten über in westfälischen Besitz.

Hirsch-Zierbeschlag mit vergoldetem Pressblech aus Kamen-Westick - zu sehen im Lippischen Landesmuseum Detmold Foto: Hermann Menne

Eindrucksvolle Bilder des renommierten Illustrators Samson Götze visualisieren das damalige Leben. Götze ist besonders für seine Art, Fotorealismus mit Cartoons zu verschmelzen bekannt und arbeitete bereits für den Spiegel und National Geographic.

Im Archäologischen Park Xanten steht vom 30. September an das Leben römischer Legionäre und das Alltagsleben der „Anwohner“ im Schatten des römischen Militärs im Mittelpukt einer Ausstellung, die mit Nachbauten römischer Schiffe bis zum 16. Oktober zu sehen ist.

Im Bonner LVR-Landesmuseum geht es ab 25. November um 2000 Jahre „Schmelztiegel Rheinland“. Die vielfältige Gesellschaft mit Menschen verschiedener germanischer Stämme, mit römischen Soldaten, Städtern und Dorfbewohnern steht bis zum 29. Mai 2022 im Zentrum der Ausstellung.

Im Römermuseum in Haltern am See können Besucher im kommenden Jahr römisches Leben mit Mitteln der digitalen Neuzeit erleben. Ab 25. März geht es bis 30. Oktober 2022 um Militärbastionen entlang der Lippe und um römisches Leben in Haltern mit dem Nachbau eines Wachhauses.

In Köln zeigen gleich zwei Museen die politische Bedeutung Kölns für das „Imperium“. Das Römisch-Germanische Museum stellt vom 29. April an im Kulturzentrum am Neumarkt mit digitalen Rekonstruktionen und bedeutenden Grabungsfunden Kölns Rolle für Niedergermanien mit Statthalterpalast, Tempeln und Prachtstraßen vor. Auch die „MiQua“ des LVR-Jüdischen Museums im Archäologischen Quartier zeigt einstige Handelswaren.

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