1. www.westfalen-blatt.de
  2. >
  3. OWL
  4. >
  5. Wo „Dornröschen“ entstanden sein muss

  6. >

Der Tierpark Sababurg besteht seit 450 Jahren und feiert das Jubiläum mit Aktionen und Gewinnspielen

Wo „Dornröschen“ entstanden sein muss

Hofgeismar

Noch bis zum 5. September wird unterhalb der Sababurg ein ganz besonderes Jubiläum gefeiert. Denn in diesem Jahr besteht der 1571 von Landgraf Wilhelm IV. am Fuße seines Jagdschlosses Sababurg errichtete Tierpark seit 450 Jahren. Damit ist er der älteste, bis heute in seinem ursprünglichen Areal erhaltene, Tiergarten Deutschlands.

Bartkauz Henry in Aktion. Ein Tag mit Falkner Rainer Cremer ist einer der möglichen Gewinne im Jubiläumsjahr. Foto: Ulrich Friedrich

Noch bis zum 5. September wird unterhalb der Sababurg ein ganz besonderes Jubiläum gefeiert. Denn in diesem Jahr besteht der 1571 von Landgraf Wilhelm IV. am Fuße seines Jagdschlosses Sababurg errichtete Tierpark seit 450 Jahren. Damit ist er der älteste, bis heute in seinem ursprünglichen Areal erhaltene, Tiergarten Deutschlands.

Die Sababurg

Um 1300 legte der Erzbischof von Mainz auf einem Basaltkegel die „Zapfenburg“ an. Sie diente als Grenzbefestigung gegen Braunschweig und Hessen. Um 1330 wurde die Burg erneut befestigt, um die Wallfahrten nach Gottsbüren zu schützen. 1354 musste der Erzbischof die Hälfte der Burg an die Landgrafen von Hessen abtreten. 1429 gelangte sie vollständig in hessischen Besitz und verfiel anschließend, da sie ihre Schutzfunktion verloren hatte. Ab 1490 wurde die Burg unter den Landgrafen Wilhelm II. und Philipp dem Großmütigen zu einem Jagdschloss ausgebaut. Wilhelm IV. errichtete dann den 132 Hektar großen Tierpark dazu.

Der Tierpark

1571 war der Tierpark eine Waldfläche, die von einer Dornenhecke umrahmt war. Diese Dornenhecke hat dem Volksmund nach die Brüder Grimm zu ihrem „Dornröschenmärchen“ inspiriert und die Sababurg so zum „Dornröschenschloss“ werden lassen. In seinem Jagdrevier unterhalb seines Jagdschlosses hielt sich der Landgraf für Forschungszwecke bereits damals schon Ure, weiße Hirsche, Damwild, Gämsen, Elche und Rentiere.

Den Europäischen Luchs bringt das Jubiläum seines Zuhauses nicht aus der Ruhe. Foto: Reinhard Sudhoff

Die Mauer um den Park wurde 1589 bis 1591 aus den Steinen der Ruine Schöneburg errichtet. In dieser Form bestand der Tierpark mehr als 200 Jahre. Erst mit dem ausgehenden Absolutismus wurde der Tiergarten barock umgestaltet: Friedrich II. ließ um 1770 herum mitten im Park eine Jagdsternanlage für die Parforcejagd errichten.

Der Dornröschenschlaf

Ab etwa 1790 wird im Tierpark mit der Abholzung der Wälder begonnen, nur einzelne Bäume lässt man als Hutebäume auf den Weideflächen stehen. Das Tierparkgelände wird vom Gestüt Beberbeck nun in zunehmendem Maße für die Pferdezucht genutzt. Wild wird in immer geringerem Umfang gehalten. Die Pferdezucht gewinnt zunehmend an Bedeutung. Nach der Auflösung des Gestüts Beberbeck fällt das Tierparkgelände schließlich der Domäne Beberbeck zu.

Die Wiederbelebung

Anfang der 1970er Jahre begann der Landkreis damit, wieder einen Tierpark auf dem Gelände einzurichten, 1971 wurde der erste Spatenstich für den Ausbau getätigt und die ersten Gehege durch den damaligen Kreis Hofgeismar eingerichtet. 1973 wurde der Tierpark schließlich endgültig offiziell eröffnet und seither ständig ausgebaut. Der Entwicklung des Tierparks lagen bereits damals drei konzeptionelle Schwerpunkte zugrunde: der Urwildpark, der Haustier-Garten und der Kinderzoo.

Der Urwildpark

Hier finden sich vom Aussterben bedrohte, heimische Wildtierarten wie Wölfe, Luchse, Fischotter, Wisente und Urwildpferde sowie Rückzüchtungen von bereits ausgestorbenen Tierarten (Ure und Tarpan-Pferde).

In Anlehnung an die historische Tradition des Tierparks werden auf dem Gelände auch heute verschiedene Hirsche, darunter weiße Hirsche wie zu Zeiten des Landgrafen, gehalten. Und an die Tradition der Pferdezucht für die Kavallerie des Gestüts Beberbeck anknüpfend, werden auch Pferde gehalten, und zwar Przewalskipferde, Tarpane und Exmoorponys.

Der Haustier-Garten

Hier finden sich alte Haus- und Nutztierrassen, die auszusterben drohen, da sie für die Landwirtschaft wirtschaftlich unbedeutend geworden sind. Es werden verschiedene Ziegen-, Schaf-, Schweine-, Esels- und Hühnerrassen gehalten.

Der Esel gehört zu den alten Nutztierrassen, die im Tierpark zuhause und bei Besuchern extrem beliebt sind. Foto: David Selbert

Der Kinderzoo

Abweichend vom Konzept des Tierparks werden hier auch einige exotische Arten gehalten, da diese Tierarten zum einen für Besucher attraktiv sind und zum anderen für den Biologieunterricht didaktische Bedeutung haben. Dazu zählen Pinguine, Kängurus, Kattas, Erdmännchen, Kaninchen und Waschbären.

Erweitert wurde der Tierpark um ein Museum, die Greifvogelstation und die Bienen-Welt sind ebenfalls dazu gekommen.

Touristische Attraktion

Der Tierpark Sababurg hat sich im Laufe der fünf Jahrzehnte seit seiner Wiedereinrichtung zu einem attraktiven Tierpark mit touristisch und regionalwirtschaftlich hoher Bedeutung für den Landkreis Kassel und darüber hinaus entwickelt. Jedes Jahr kommen mehr als 300.000 Besucher.

Ab Mitte September wird mit der Erweiterung des Luchsgeheges eine neue Attraktion des Tierparks fertiggestellt sein.

Das Jubiläumsjahr

Die Einweihung der Anlage für die Beberbecker Pferde war der Startschuss von besonderen Terminen und Aktionen im Jubiläumsjahr. Des weiteren gilt bis zum 5. September: Kinder und Jugendliche bis 15 Jahre haben jeden Mittwoch freien Eintritt. Am Imbiss gibt es den Sababurger und ein Getränk zum Jubiläumspreis von 450 Cent (anstatt acht Euro), im Tierpark-Shop gibt es regelmäßig das Produkt der Woche und bei verschiedenen Gewinnspielen locken attraktive Preise. Dazu zählen ein Tag mit dem Falkner, ein Tag mit dem Tierpfleger oder ein Nachmittag unter Rentierleuten.

„Der Tierpark Sababurg und seine vielfältigen Attraktionen im Wandel der Zeit jetzt und heute“ ist das Thema der kommentierten Führungen im Jubiläumsjahr. Jeweils mittwochs und freitags um 17.30 Uhr geht es los, Treffpunkt ist das Infozentrum des Tierparks, Anmeldungen sind erforderlich. Weitere Informationen auf der Homepage www.tierpark-sababurg.de.

Startseite