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Das „Café Pause“ der Haller Gesamtschule hat ein tolles Angebot und freut sich über Riesen-Andrang

Wo Schüler mit Freude mitarbeiten

Halle

Zu einem tollen und beliebten Projekt hat sich das „Café Pause“ an der Gesamtschule Halle entwickelt. Es lebt vor allem vom Engagement der Schüler.

Von Malte Krammenschneider

Adrian (l.) und Hasan aus der 7a haben jeden Mittwoch Dienst im Schul-Kiosk. Die Jungen haben Freude daran, Verantwortung zu übernehmen und bieten Herzhaftes sowie Gesundes an. Foto: Krammenschneider

Als es an der Gesamtschule um 9.20 Uhr am Mittwochmorgen zur ersten großen Pause klingelt, stehen Adrian und Hasan aus der 7a schon im Kiosk der Gesamtschule parat. Sie kontrollieren im „Café Pause“ noch einmal das Wechselgeld, positionieren die Backwaren und wissen scheinbar genau, dass es in den nächsten Minuten recht stressig wird. Viele der insgesamt 700 Schülerinnen und Schüler haben nämlich große Lust darauf, sich bei den beiden ein leckeres Frühstück zu sichern – sei es ein Käsebrötchen, ein belegtes Baguette, ein Milchhörnchen oder frisches Obst.

„Unser Kiosk, der von einer lokalen Bäckerei beliefert wird, läuft super. Die Schüler sind mit Herzblut dabei und haben große Lust, Verantwortung zu übernehmen“, sagt Lehrerin Feyza Girgin, die gemeinsam mit ihrem Kollegen Philip Wedegärtner und der Sozialarbeiterin Dani Fries das Projekt „Café Pause“ begleitet. Ein Projekt, das seit Ende September läuft und an dem inzwischen 20 Schülerinnen und Schüler vorwiegend aus den Stufen sieben und neun beteiligt sind. Allesamt teilen sie sich den Dienst in den großen Pausen und sorgen dafür, dass das Kiosk Montag bis Freitag geöffnet hat. Schon um 7.15 Uhr, sprich vor Unterrichtsbeginn, richtet das jeweilige Tagesteam die angelieferten Brötchen her. „Sie bekommen dafür zwar keine Noten, aber eine positive Bemerkung auf ihrem Zeugnis. Das Engagement muss ja irgendwo auch gewürdigt werden“, erklärt Feyza Girgin.

»Die Schüler sind mit Herzblut dabei und haben große Lust, Verantwortung zu übernehmen«

Adrian und Hasan haben derweil schon einiges zu tun und vor den Ausgabefenstern (aus Hygienegründen gibt es derzeit zwei) haben sich schon kleine Schlangen gebildet. „Mich freut es einfach, dass ich mithelfen kann. Es macht richtig Spaß“, sagt Adrian, bevor Sozialarbeiterin Dani Fries erklärt, dass die Schüler-Teams zur Zeit überlegen, Aktionstage einzuführen wie einen Brezel- oder Waffeltag und weitere gesunde Produkte wie Müsli, Joghurt, Nüsse oder Mandeln anzubieten. Zur Probe seien bereits Brezeln und heißer Punsch verkauft worden. „Damit die Schülerinnen und Schüler nicht so viel Pfandgeld für die Keramikbecher zahlen müssen, prüfen wir gerade, ob sie eigene Becher benutzen können. Denn auf jeden Fall wollen wir Einwegverpackung und weiteren Müll möglichst vermeiden“, sagt Felix aus der 7a, laut dem auch der Umwelt-Aspekt eine wichtige Rolle spiele.

Wie Lehrerin Feyza Girgin erklärt, sei das „Café Pause nicht auf Gewinnerzielung und Überschüsse ausgerichtet. „Es ist vielmehr ein pädagogisches Projekt, das die Selbstwirksamkeit, die Konfliktfähigkeit und die Übernahme von Verantwortung in unterschiedlichen Teams fördern soll. Darüber hinaus entfalten die Schülerinnen und Schüler beim prüfen der Lieferscheine und dem bedienen der Kasse kaufmännische Fähigkeiten. „Hier merken sie ganz praktisch, dass ihnen Mathe nutzt. Es ist toll mitzuerleben, wie einzelne Schüler mit Förderbedarf plötzlich wieder Spaß und Lust auf Schule bekommen, weil sie im Kiosk mitarbeiten“, sagt Dani Fries, die sichtlich Stolz beobachtet, wie ihre Schützlinge den Kioskbetrieb inzwischen ohne viel Dazutun managen.

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