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Verwaltung stellt für Wiedereröffnung Kosten von gut 80.000 Euro in Aussicht – Politik verärgert

Zukunft der Nebenstelle Elsen ungewiss

Paderborn-Elsen

Die Frage, ob und wann die Verwaltungsnebenstelle in Elsen wieder geöffnet wird, ist auch nach langer intensiver Debatte im Bezirksausschuss weiter offen. Möglich ist die Wiedereröffnung nach Angaben von Heribert Zelder, Leiter des Einwohner- und Standesamtes, durchaus, allerdings beziffert er die damit verbundenen Kosten auf mehr als 80.000 Euro.

Von Maike Stahl

Die Zukunft der Verwaltungsnebenstelle in Elsen ist unklar. Foto: Oliver Schwabe

Wie mehrfach berichtet, waren die Verwaltungsnebenstellen in Schloß Neuhaus und Elsen im Zuge der Corona-Pandemie zunächst geschlossen worden. Nachdem Schloß Neuhaus dann im vergangenen Jahr wieder geöffnet wurde, kam im Bezirksausschuss die Frage auf, wann das denn für Elsen vorgesehen sei. Erst auf diese Nachfrage hin erklärte Zelder im August zur Überraschung der Ausschussmitglieder, dass die Wiedereröffnung nicht an der Pandemie hapere, sondern an fehlenden Fluchtwegen und einer nicht ausreichenden Datenanbindung.

Die daraufhin von der Politik angeforderte Information, unter welchen Voraussetzungen kurzfristig doch wieder geöffnet werden könne, stellte er am Mittwoch vor. Laut Zelder gibt es drei Möglichkeiten: Die Verwaltungsnebenstelle fit für den weiteren Betrieb zu machen, alternative Räume in Elsen zu suchen oder so genannte Bürgerkoffer anzuschaffen, die ein autarkes mobiles Arbeiten des Einwohner- und Standesamtes ermöglichen.

„Die äußere Struktur des Gebäudes ist nach Auskunft des Gebäudemanagements in gutem Zustand. Um innen die Vorgaben der Arbeitsstättenverordnung für zwei Arbeitsplätze zu erfüllen, müssten ein Fluchtweg und ein Wanddruchbruch geschaffen werden“, erläuterte Zelder. Beides sei problemlos möglich. Kostenpunkt: 24.000 Euro. Um das Online-Terminreservierungssystem auch in Elsen einführen zu können, sei allerdings eine Aufwertung der Datenanbindung unverzichtbar. Die von der hauseigenen IT ermittelten Kosten bezifferte Zelder für drei Jahre auf 58.000 Euro, was bei vielen Ausschussmitgliedern ungläubiges Kopfschütteln verursachte. „Ich arbeite auch bei der Verwaltung im Gesundheitsamt mit großen Mengen sensibler Daten, aber das geht ganz bequem von mir zu Hause in Elsen per VPN-Tunnel. Wie kann es sein, dass das für die Nebenstelle so aufwendig wäre“, fragte die frisch verpflichtete sachkundige Bürgerin für die CDU, Kathrin Krause. Alexander Senn (FDP) mutmaßte, dass hier der teuerste Internetanschluss der Welt geschaffen werden solle und stellte spontan sein Büro inklusive Internet zur Verfügung.

Vorschlag zwei, die Suche nach alternativen Räumen, habe zu keinem Ergebnis geführt, berichtete Zelder weiter. Die Anschaffung der Bürgerkoffer scheitere daran, dass die Bundesdruckerei im ersten Quartal keine liefern könne und diese erst getestet werden müssten.

Ringo Grenz (SPD) appellierte an Zelder, die Suche nach alternativen Standorten zu intensivieren. Raimund Bredenbals (CDU), forderte auf, den Auftrag aus der Politik im Sinne der Bürger ernst zu nehmen, und Christian Rörig (CDU) mutmaßte, dass die Verwaltung möglicherweise nicht genug Herzblut für die Nebenstelle habe, zumal die Schulverwaltung offen zugegeben habe, dass sie bereits auf diese Fläche schiele (weiterer Bericht auf dieser Seite). Das Thema soll nun in den Fraktionen beraten und im kommenden Bezirksausschuss erneut aufgegriffen werden.

Kommentar

Wer im August schon den Eindruck hatte, dass das Interesse der Verwaltung, die Nebenstelle in Elsen wieder zu öffnen, eher gering ist, wurde am Mittwoch bestätigt. 24.000 Euro für den nötigen Umbau und 58.000 Euro in drei Jahren für eine bessere Datenanbindung sind allerdings nicht nur geeignet, diese Auffassung zu untermauern – sie wecken auch Argwohn. Kaum vorstellbar, dass es keine günstigere Lösung gibt. Und sei es, die beiden Arbeitsplätze mit dem offenbar völlig autark mobil einsetzbaren Bürgerkoffer für je 2500 Euro auszustatten, statt ein Vermögen in Datenleitungen zu investieren. Es mag ja sein, dass eine Erweiterung der Schule an dieser Stelle sinnvoll wäre, aber dann muss mit offenen Karten gespielt und eine echte Alternative für die Nebenstelle vorgestellt werden. Denn der politische Wille, diese in Elsen zu erhalten, ist bereits mehr als einmal mehr als deutlich gemacht worden.

Maike Stahl

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