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Mit dem 29-Jährigen holte sich der SC Paderborn 07 auch mehr Erfahrung in den Kader

Robert Leipertz, Vorbereiter und Vollstrecker

Paderborn/Madison

Als sich Robert Leipertz zum ersten Mal die Kaderliste des SC Paderborn 07 genauer angeschaut hat, bekam er einen Schrecken.

Von Matthias Reichstein

Ein tiefer Schluck: Von Robert Leipertz wird beim SC Paderborn viel erwartet. Foto: Jörn Hannemann

„Ich bin mit 29 schon die Nummer zwei unter den Senioren im Aufgebot. Da komme ich mir noch viel älter vor, als ich ohnehin schon bin.“

Doch genau das war beim SC Paderborn gefragt. Der Verein suchte ausnahmsweise mal keinen blutjungen Spieler mit viel Entwicklungspotenzial. Der Neue sollte vielmehr ein erfahrener Stürmer sein, der weiß, wie die 2. Liga funktioniert. „Wir wollten einen, der nicht nur die Bälle auflegt, sondern auch trifft“, sagt Manager Fabian Wohlgemuth. Die Wahl fiel sehr schnell auf Leipertz, denn der Vorbereiter und Vollstrecker erfüllte noch ein anderes Kriterium: Der Offensivspieler war trotz seiner Fähigkeiten ablösefrei zu haben.

Leipertz war einer der Publikumslieblinge auf der Ostalb. Nach insgesamt fünfeinhalb Jahren ließ „Leipi“ seinen Vertrag beim 1. FC Heidenheim aber dennoch auslaufen, weil er wieder „heimatnah“ Fußball spielen wollte. Das klappte für den gebürtigen Jülicher, der im August zum ersten Mal Vater wird, nicht so ganz. Er ist aber trotzdem nicht unzufrieden: „Zumindest habe ich die Strecke halbiert.“

„Heimat“ ist für den Linksfuß das Dreieck Aachen-Köln-Mönchengladbach – sein Arbeitsplatz ist zumindest bis 2024 der SC Paderborn. Von Leipertz, der eher leise wirkt, wird erwartet, dass er Führungsaufgaben übernimmt. Der erfahrene Stürmer (187 Zweitligaspiele, 40 Tore, 27 Assists) ist dazu auch bereit. „Ich bin nicht der Typ, der rumschreit. Aber ich sehe mich hier ein Stück weit in der Pflicht, Verantwortung zu übernehmen.“ Auch im Wissen, dass nur ein funktionierendes Team der Grundstein für den Erfolg sein kann: „Das Mannschaftsgefüge ist wichtiger als die Qualität der Spieler. Ein intakter Kader garantiert immer den sicheren Klassenerhalt. Manchmal kann man sogar oben reinschnuppern.“

Robert Leipertz während des Trainingsauftakt des SC Paderborn . Foto: Thomas F. Starke

Leipertz hat beide Seiten erlebt. 2019 verlor er mit dem FC Ingolstadt in der Relegation gegen den SV Wehen Wiesbaden und stieg in die 3. Liga ab. „Vor der Saison zählten wir zu den Aufstiegskandidaten. Aber im Kader hat es nicht gepasst.“ Vor zwei Jahren qualifizierte er sich als Tabellendritter mit dem 1. FC Heidenheim für die Bundesliga-Relegation gegen Werder Bremen. „Wir waren fußballerisch kein Top-Klub der 2. Liga, aber unsere Elf war eine Einheit.“ Das Ergebnis war aber ähnlich. Der FCH blieb zwar ungeschlagen (0:0, 2:2), am Ende entschied die Auswärtstorregel für Werder.

Ein wichtiger Grundstein für eine erfolgreiche Saison wird aktuell in den USA gelegt. Leipertz war zwar anfangs skeptisch, ordnet das Trainingslager in den Staaten aber mittlerweile zwischen „beeindruckend“ und „verrückt“ ein: „Dieser Trip lässt das Team noch einmal mehr zusammenrücken. Das schweißt zusammen. Normalerweise fällt nach dem Training alles auseinander. Hier bleiben wir zehn Tage in einer unglaublich offenen Atmosphäre zusammen.“

Durch Teambuilding fallen allerdings noch keine Tore. Ziele mag sich Leipertz auch nicht setzen, er sagt aber: „Platz sieben sollte drin sein.“ Das wäre im Ergebnis die Wiederholung der vergangenen Serie, Leipertz will aber noch etwas mehr erreichen: „Wir müssen zuhause konstanter werden. Wenn wir dann noch mal die Auswärtsbilanz des Vorjahres bestätigen könnten, wäre das das i-Tüpfelchen.“

Das setzt aktuell auch Uwe Hünemeier. Mit 36 Jahren ist er weiter ein fester Bestandteil des SCP-Kaders. Der Delbrücker war übrigens mit 29 noch nach England gewechselt, trug das Trikot von Brighton & Hove Albion und stieg zwei Jahre später in die Premier League auf. Daran sollte Robert Leipertz das nächste Mal denken, wenn er über sein Alter grübelt.

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