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Zweitligist SC Paderborn nutzte die tiefste Krise für einen Neuanfang

Abstieg, Absturz, Aufstieg

Paderborn (WB). 26 Monate und 21 Tage – so lange hat sie gedauert, die Rückkehr des SC Paderborn in die 2. Liga. Mit einer 0:1-Heimniederlage am 15. Mai 2016 gegen den 1. FC Nürnberg hatte sich der SCP verabschiedet, mit dem Auswärtsspiel am Sonntag beim SV Darmstadt 98 kehren die Ostwestfalen zurück.

Matthias Reichstein

Daniel Heuer-Fernandes heult, der Blick von Khaled Narey geht ins Leere: So war es beim Zweitligaabstieg am 15. Mai 2016. Bereits am Sonntag gibt es ein Wiedersehen: Paderborns ehemaliger Schlussmann steht jetzt beim SV Darmstadt 98 im Tor. Foto: Oliver Schwabe

Dazwischen liegen nicht nur etwas mehr als zwei Jahre, die Paderborner taumelten sportlich wie wirtschaftlich auch in ihre größte Krise. Am Tiefpunkt angelangt, stand der Verein kurz vor dem Absturz in die Regionalliga und war praktisch pleite. Aber der Reihe nach.

Vier Millionen Euro an Soforthilfe retten Verein vor der Insolvenz

Der Tag der Abstiegs am Pfingstsonntag 2017 war für den Präsidenten Wilfried Finke auch der Tag des Ausstiegs: Er trat, wie seine Vizepräsidenten Josef Ellebracht und Dr. Rudolf Christa, mit sofortiger Wirkung zurück. »Die vergangenen 20 Jahre haben mir viel Freude bereitet, aber auch viel Kraft gekostet. Der Verein konnte sich durch das Bundesligajahr entschulden und hat, trotz des Abstiegs, so gute Bedingungen wie noch nie«, erklärte Finke. Sein Nachfolger wurde mit Geschäftsführer Martin Hornberger der erste hauptamtliche SCP-Präsident. Er war auf vielen Ebenen ein Einzelkämpfer und konnte so die Talfahrt auch nicht stoppen.

Sieben Monate später kehrte Finke mit seiner alten Führungsmannschaft zurück und stellte fest: »Der Verfall in der Kürze der Zeit hat mich tief erschreckt. Darunter leide ich persönlich.« Mit knapp vier Millionen Euro an Soforthilfe retteten die Paderborner Stadiongesellschaft (PSG), Finke und die gleichnamige Unternehmensgruppe den Verein vor der Insolvenz. Das Geld war (überlebens)wichtig, die folgenden personellen Entscheidungen auch. Finke holte Rekordspieler Markus Krösche als Manager zurück, der verpflichtete wenig später Steffen Baumgart als Trainer. Das Trio führte den SCP schließlich am 21. April 2018 in die 2. Liga zurück.

Ausgliederung macht Tür für Investoren auf

Finke geht diesen Weg nicht mehr weiter. Diesmal verabschiedete sich der Unternehmer mit der Rückkehr in die 2. Liga. Der 67-Jährige sieht den Verein gut aufgestellt. Das mag sportlich stimmen, wirtschaftlich muss man sich um den SCP aber auch in Zukunft Sorgen machen. 4393 verkaufte Dauerkarten sind zwar für den SCP das zweitbeste Zweitligaergebnis (5536 waren es in der Serie 15/16) und ein feiner Vertrauensbeweis, das auf etwa acht Millionen Euro gestiegene TV-Geld bildet zudem einen sehr soliden Grundstock.

Die Ausgliederung der Profiabteilung in eine Kapitalgesellschaft macht die Tür für mögliche Investoren weit auf. Doch einen Satz von Finke, gesagt bei seiner Rückkehr im Dezember 2016, sollten alle im Hinterkopf behalten: »Ich habe in 18 Jahren beim SCP nur einmal keine Bürgschaft unterschrieben müssen, das war in der 1. Liga.«

Deshalb kann eines nicht überraschen: Der SCP geht mit einem Etat in Höhe von 17 Millionen Euro in die Saison und ist damit schlechter aufgestellt als der SV Sandhausen. Krösche formuliert es krass: »Ich kenne keinen Zweitligaklub, der weniger Geld hat.« Aber Krösche ist, wie einst auf dem Feld, auch Kämpfer: »Wir lagen auch vor einem Jahr nicht im oberen Drittel und sind trotzdem aufgestiegen.« Die Mannschaft scheint tatsächlich gut zusammengestellt zu sein. Nicht wenige trauen dem Rückkehrer einen einstelligen Platz zu. Zweitliga-Ikone Willi Landgraf (siehe Kasten) glaubt nach dem Absturz sogar an eine Top-Platzierung.

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