Am Sonntag sitzt Paderborns Trainer zum letzten Mal in der Benteler-Arena auf der SCP-Bank

Baumgarts Abschiedsspiel

Paderborn (WB/MR)

Der SC Paderborn 07 und der Fürther Sportpark am Ronhof: Das wird im Profifußball keine ostwestfälische Erfolgsgeschichte mehr. Vor fast 40 Jahren gewann dort mal der Vorgängerverein TuS Schloß Neuhaus.

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So war es im Hinspiel: Sven Michel (links) bereitete vor, Chris Führich traf in Fürth zum 1:1-Ausgleich. Foto:

In der Hinrunde dieser Saison gab es bei der SpVgg Greuther Fürth mit dem 1:1 zumindest einen Teilerfolg. Am Sonntag (15.30 Uhr, Sky) kommt es zum Rückspiel.

Sportlich hat die Begegnung nur noch für die Gäste Bedeutung. Der SCP bleibt Zweitligist, die Fürther kämpfen dagegen noch um den Aufstieg in die 1. Liga. Und doch sind es auch für Steffen Baumgart 90 ganz besondere Minuten: Der Trainer steht nach vier Jahren Amtszeit vor seinem letzten Heimspiel. Eine Abschiedsparty mit 15.000 zahlenden Gästen wird es trotzdem nicht geben können. Pandemiebedingt sind erneut keine Zuschauer zugelassen.

In seiner letzten Saison beim SCP wäre für Baumgart mehr möglich gewesen. Mindestens zehn Punkte verschenkten die Paderborner, keinen einzigen in Fürth. Das Remis am 15. Januar bei den Franken war sogar schmeichelhaft. „Wir hatten Anlaufschwierigkeiten, haben dann aber besser in die Partie gefunden. Das ist ein ganz wichtiger Auswärtspunkt, allerdings waren wir heute sicher nicht vom Pech verfolgt“, gab auch Manager Fabian Wohlgemuth damals zu.

Die Partie hatte hohes Niveau, das Remis ging am Ende mit etwas Wohlwollen auch in Ordnung. Aber wenn einer dem Sieg näher war, dann war es tatsächlich die Mannschaft von Fürths Coach Stefan Leitl. Der zog dann auch dieses Fazit: „Beide Teams haben mit offenem Visier gespielt. Wir waren einen Tick besser und hätten aufgrund der klareren Möglichkeiten den Sieg verdient gehabt. Paderborn ist richtig gut, hätte sich aber über eine Niederlage nicht beschweren dürfen.“

Das Duell begann mit überlegenen Gastgebern, die sich schon nach acht Minuten belohnten. Sebastian Ernst köpfte eine Flanke von David Raum unhaltbar für Leopold Zingerle zur Führung ein.

Das war ein denkbar schlechter Auftakt, der nichts Gutes versprach. Denn in der Hinrunde hatte Paderborn nach Rückstand immer verloren. Diesmal aber nicht. In Baumgarts 50. Zweitligaspiel als SCP-Trainer stand es nur eine gute Viertelstunde später 1:1. Nach einem Einwurf steckte Sven Michel zu Chris Führich durch und der traf mit links zum 1:1 (24.) ins rechte Eck. Jetzt war der SCP endlich drin in dieser Zweitligapartie, war ebenbürtig und hätte das Geschehen nach 35 Minuten fast komplett gedreht. Doch Sven Michel scheiterte nach Zuspiel von Dennis Srbeny an Sascha Burchert. Zwei Minuten vor der Pause hatten die Gäste dann bei einem Lattenkracher von Paul Seguin noch einmal Glück.

Nach dem Wechsel waren Dennis Srbeny (51.), Branimir Hrgota (52.), Havard Nielsen (57., Pfosten) und Ernst (65.) dem 2:1 für ihr Team ganz nah. Die Franken fanden aber immer wieder ihren Meister in Zingerle, den besten Paderborner an diesem Spieltag.

Fünf Minuten vor dem Ende hatte der zur Pause für Julian Justvan eingewechselte Svante Ingelsson die Riesenchance zum Sieg, der Schwede konnte Burchert aber freistehend aus kurzer Distanz nicht überwinden. „Wenn Svante den Ball reinmacht, gehen wir hier als glücklicher Sieger vom Platz“, kommentierte Baumgart die finale Szene am Ronhof. Der konnte aber dennoch entspannt auf die fast abgeschlossene erste Halbserie blicken: „Ich bin sehr zufrieden. Die Mannschaft befindet sich in einem Lernprozess und wir haben den nächsten Schritt gemacht.“

Bereits vor vier Monaten schien Baumgart zu ahnen, dass der fränkische Traditionsklub (Deutscher Meister 1914, 1926 und 1929) nach 2012 erneut ein Aufstiegskandidat ist. „Man hat heute beim Gegner gesehen, was uns noch fehlt. Das ist auch eine junge Mannschaft, die aber über Jahre aufgebaut wurde und entsprechend gewachsen ist.“

Übrigens feierte der TuS Schloß Neuhaus am 14. Mai 1983 den ersten und bis heute letzten Paderborner Sieg am Ronhof. Und der war auch noch sehr glücklich. Ein Eigentor zwölf Minuten vor Schluss öffnete die Tür zum Sieg, Pedro Aguilar legte noch nach und machte mit dem 2:0 in der Schlussminute endgültig alles klar.

Ein Erfolg, der am Ende nicht nur aus Paderborner Sicht wertlos war. Der TuS stieg als abgeschlagenes Schlusslicht nach nur einem Jahr in Liga zwei trotzdem ab. Die Fürther am Ende auch. Nur denen fehlte lediglich ein einziger Zähler.

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