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Asif Saric trifft als Co-Trainer mit Hannover 96 auf den SC Paderborn, bei dem er mehr als zehn Jahre tätig war

„Der Aufstieg war die Krönung“

Paderborn (WB)

Erst Derbysieg, dann Horrortrip. Nach dem 2:1 am Samstag in Braunschweig steckte Asif Saric in der Nacht von Montag auf Dienstag auf dem Weg von seinem Wohnort Holzwickede nach Hannover 14 Stunden auf der Autobahn 2 fest.

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Seine schönste Zeit: Als Co-Trainer von André Breitenreiter (rechts) stieg Asif Saric 2014 mit dem SC Paderborn in die 1. Bundesliga auf. Foto: Stefan Hörttrich

Doch jetzt freut sich der 56-Jährige auf das Wiedersehen mit seinem Ex-Verein. Der Co-Trainer empfängt mit Hannover 96 an diesem Freitag (18.30 Uhr/ Sky) den SC Paderborn. Peter Klute sprach mit ihm.

Herr Saric, Sie waren mehr als zehn Jahre für den SCP tätig, schlagen am Freitag zwei Herzen in Ihrer Brust?

Asif Saric: Auf jeden Fall sind Spiele gegen Paderborn für mich immer etwas Besonderes. Ich freue mich sehr auf dieses Spiel, vor allem auf das Wiedersehen mit meinen alten Weggefährten. Das war in all den Jahren eine außergewöhnliche Zusammenarbeit.

Sie sind 2014 mit Paderborn in die Bundesliga aufgestiegen. Wenn Sie an die Zeit an der Pader zurückdenken, was ist noch hängengeblieben?

Saric: Ich kann mich noch sehr gut an den Moment erinnern, als Herr Finke mich als Spieler zum SCP geholt hat. Er sagte mir, jetzt wollen wir sofort aufsteigen. Sein Enthusiasmus und sein Wille sind mir bis heute gegenwärtig. Er hat den Verein als Präsident geprägt, unter ihm hat sich der SC Paderborn rasant entwickelt. Sportlich, aber vor allem auch, was die Infrastruktur betrifft.

2017 holte Sie der ehemalige Paderborner Coach André Breitenreiter nach Hannover. Es folgten Thomas Doll und Mirko Slomka als Cheftrainer, Sie blieben. Seit November 2019 heißt Ihr Chef Kenan Kocak. Wie würden Sie ihn beschreiben?

Saric: Kenan hat die Mannschaft in einer sehr schwierigen Situation übernommen und in die Erfolgsspur zurückgeführt. Er achtet auf Werte wie harte Arbeit, Zusammenhalt, Bescheidenheit und Ehrlichkeit. Kenan steht für mutigen, variablen und offensiven Fußball.

Welche Zeit war für Sie im Rückblick die schönste?

Saric: Als Spieler bei den Sportfreunden Siegen. Das erste Jahr als Co-Trainer in Paderborn mit Pavel Dotchev war sehr schön. Er hat mich geholt und eine Mannschaft zusammengestellt, die in die 2. Liga aufgestiegen ist und dort für Furore gesorgt hat. Meine schönste Zeit aber hatte ich unter André Breitenreiter beim SCP, gekrönt mit dem Aufstieg in die Bundesliga. Diese Momente werde ich nie vergessen.

Wie hat sich das Bild des Co-Trainers im Laufe der Jahre verändert?

Saric: Der Aufgabenbereich ist größer geworden, aber die Hauptmerkmale sind gleich geblieben. Ein Co-Trainer muss das Vertrauen des Cheftrainers haben und loyal sein. Ich bin da, um dem Trainer zu helfen. Ich hatte bisher zu allen Trainern ein gutes Verhältnis. André Schubert, Roger Schmidt, André Breitenreiter, Steffen Baumgart: Sie haben es später alle bis in die Bundesliga geschafft. Das freut mich sehr.

Mit Steffen Baumgart haben Sie in Paderborn nur noch einige Wochen verbracht. Wie haben Sie ihn 2017 erlebt?

Saric: Der Paderborner Abstieg bis in die 3. Liga war kurios. Unter Markus Krösche als Manager und Steffen Baumgart als Trainer ging es dann wieder steil bergauf. Mit geringen finanziellen Mitteln, ähnlich wie damals unter André Breitenreiter. Die Zusammenarbeit mit Steffen war außergewöhnlich. Er ist ein Menschenfänger, ehrlich und authentisch. Er transportiert seine Leidenschaft und Begeisterung auf die ganze Mannschaft.

Hannovers Ziel lautet Aufstieg. Ist die 1. Liga in dieser Saison bei aktuell sieben Punkten Rückstand auf Platz drei realistisch?

Saric: Wir hatten, ähnlich wie Paderborn, einen personellen Umbruch. Da sollte man mit Zielen vorsichtig sein. Als Traditionsverein und ehemaliger Erstligist wird Hannover aber immer als Aufstiegsfavorit genannt. Wir hatten am Anfang Probleme, haben uns aber stabilisiert und wollen oben mitspielen. Dafür werden wir alles tun. Doch wer in dieser Liga rechnet, macht schon einen Fehler. Zu sagen, der steigt auf und der steigt ab, das funktioniert nicht.

Wie lange kann sich Hannover in der 2. Liga halten?

Saric: Unbestritten ist, dass Hannover und 96 ein enormes Potenzial haben. Auch wenn Paderborn sich sehr gut entwickelt hat und mittlerweile in Fußball-Deutschland bekannt ist, handelt es sich hier um eine andere Dimension. Der Verein gehört in die Bundesliga, das habe ich bei unseren Spielen in der 1. Liga in einer ausverkauften Arena gegen die großen Vereine besonders gespürt.

Seit 2017 arbeitet Asif Saric bei Hannover 96. Im November 2019 saß er ein Mal als Cheftrainer auf der Bank. Foto: Stefan Puchner/dpa

Das Hinspiel gewann der SCP mit 1:0 und feierte den ersten Saisonsieg. Welche Erinnerungen haben Sie an den 18. Oktober 2020 und was für eine Partie erwarten Sie im Rückspiel?

Saric: In Paderborn haben wir eine schlechte erste Hälfte gespielt und obwohl wir uns gesteigert haben, hat es nicht gereicht. Eine Prognose für Freitag fällt mir schwer, Fakt ist, Paderborn hat eine starke Mannschaft und ich habe insgesamt den Eindruck, dass die Gegner gegen uns besonders motiviert sind.

Sie kennen Marvin Ducksch noch aus Paderborn. Wie würden Sie die Entwicklung des besten Hannoveraner Torschützen beschreiben?

Saric: In Paderborn war er damals noch sehr jung. Marvin ist gereift und ein sehr intelligenter Spieler, der weiß, wie Fußball funktioniert. Zudem ist er ein super Junge und sehr wertvoll für die Mannschaft.

Wie hat Corona den Menschen Asif Saric verändert?

Saric: Die ganze Welt hat sich verändert, die Lebensqualität ist verlorengegangen. Die Spiele ohne Zuschauer fühlen sich an wie Freundschaftsspiele. Ich freue mich einfach wieder auf Normalität, auf den Fußball bezogen denke ich, dass die Vereine in Zukunft vorsichtiger sein werden beim Geld ausgeben.

Ihr einziges Spiel als Cheftrainer im Profibereich haben Sie im November 2019 mit Hannover 0:4 in Heidenheim verloren. Ihr Vertrag läuft im Sommer aus. Welche sportlichen Pläne haben Sie für die Zukunft? Wird es Sie noch mal als Cheftrainer geben?

Saric: Wir hatten damals einen wirklich schlechten Tag, aber es war trotzdem eine schöne Erfahrung, auf so hohem Niveau an der Linie zu stehen. Insgesamt ist es so, dass es das Schicksal wohl so wollte, dass ich Co-Trainer bin. Die Gelegenheit, Cheftrainer zu werden, hat sich nicht angeboten. Mir macht der Job als Co-Trainer viel Spaß, aber ich würde nie sagen, dass ich nicht mal Cheftrainer sein möchte. Und zu meinem Vertrag: Ich denke nicht langfristig und konzen­triere mich voll auf meine Arbeit mit dem Trainerteam und der Mannschaft. Alles andere kommt von alleine.

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