Für Trainer Baumgart liegt es an fehlender Cleverness, zu wenig Erfahrung und daran, dass das frühe Tor nicht fällt

Der SCP trifft nicht mehr so oft

Paderborn (WB)

Es gibt kaum eine Spieltagsvorschau, in der Steffen Baumgart diesen Satz nicht sagt: „Wir wollen unseren Fußball spielen.“

Peter Klute

Die Abgänge von Philipp Klement (Mitte) und Bernard Tekpetey (rechts) taten den SCP toremäßig sehr weh, auch Klaus Gjasula ist nicht mehr da. Foto: Armin Weigel/dpa

Der ist beim SC Paderborn seit seinem Amtsantritt vor knapp vier Jahren immer gleich, ein Blick auf die Statistik zeigt aber, dass sich das Verhältnis zwischen den erzielten Toren und Gegentreffern verschoben hat.

Der Paderborner Durchmarsch von der 3. Liga in die Bundesliga war gekennzeichnet von einem Offensivspektakel. 90 Tore bedeuteten einen Drittligarekord, in der 2. Liga folgten 76 Treffer. Dass es in der ersten Saison 33 Gegentore gab und danach sogar 50, wurde durch die herausragende Qualität im Spiel nach vorne wettgemacht.

Die haben die Ostwestfalen eingebüßt. In Liga eins waren es nur noch 37 Tore bei 74 Gegentreffern, obwohl dieser Vergleich etwas hinkt. Die aktuelle Spielzeit eine Etage tiefer ist da schon eher aussagekräftig. Nach dem 21. Spieltag (der SCP hat noch die Partie gegen Heidenheim in der Hinterhand) belegt der Tabellenzehnte bei den erzielten Toren (24) nur Rang 14, bei den kassierten Treffern (23) Platz vier.

Wie es sich für einen positiv denkenden Menschen gehört, beschäftigt sich Baumgart zunächst mit der erfreulichen Entwicklung in der Defensive. Siebenmal stand hinten schon die Null. „Wir spielen defensiv sehr gut und sind aus dem Spiel heraus nicht mehr so anfällig. Wenn wir aktuell zu knacken sind, dann bei Standards“, sagt er. So war es gegen Kiel und im Pokal in Dortmund und so war es gleich zweimal in Hamburg.

Und vorne? In dieser Saison ging Paderborn offensiv sechsmal leer aus. „Mit Bernard Tekpetey und Philipp Klement haben wir im Sommer 2019 40 Tore verkauft. So etwas kann man nicht ersetzen. Dazu kommt, dass wir mit den beiden auch in der Breite mehr getroffen haben. Momentan haben wir mit Chris Führich und Dennis Srbeny nur zwei, die regelmäßig erfolgreich sind“, gibt Baumgart zu Bedenken und zieht einen Vergleich zu Leipzig: „Durch den Abgang von Timo Werner fehlen ihnen 30 Tore.“ Bestätigt wird diese Aussage dadurch, dass Leipzig aktuell 16 Treffer weniger erzielt hat als zum selben Zeitpunkt der Vorsaison.

Entscheidend für die gesunkene SCP-Quote ist für den Coach dieses: „Dass wir nicht mehr so viele Torchancen haben wie vor zwei oder drei Jahren, liegt auch daran, dass es uns schwer fällt, uns mit einem frühen Führungstor zu belohnen. Wenn Dennis am Freitag in Hannover nach zehn Minuten das 1:0 macht, muss 96 öffnen und uns Räume geben. Was dann möglich ist, haben wir im Pokal vor Weihnachten bei Union Berlin gesehen.“ Läuft seine Mannschaft dagegen einem Rückstand hinterher, hat sie Probleme und punktete in dieser Saison noch gar nicht.

Baumgart spricht vom I-Punkt und sucht nach Gründen, warum seine Mannschaft die Tür zu selten geöffnet bekommt: „Zum einen fehlt die Cleverness, zum anderen sind wir vielleicht auch noch nicht so weit.“ Am körperlichen Zustand könne es trotz der Englischen Wochen nicht liegen. „Die Jungs können bis zur letzten Minute hohes Tempo gehen. Da ist Zug drin, und da waren wir in Hannover und sogar in Dortmund im Vorteil. Da merkst du, dass die Gegner viel Respekt vor uns haben.“ Auch ohne viele Tore.

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