Paderborns Ex-Trainer Markus Gellhaus steht mit Tabellenführer VfL Bochum vor seinem sechsten Aufstieg

Der zweite Mann

Paderborn/Bochum

Drei Erstliga-Aufstiege stehen bereits im Lebenslauf von Co-Trainer Markus Gellhaus. Den vierten steuert er mit dem VfL Bochum an.

Matthias Reichstein

Bochums Trainer-Duo Markus Gellhaus (rechts) und Thomas Reis: Sie wollen den VfL nach elf Jahren zurück in die 1. Liga führen. Foto: imago

. Nächster Zwischenstopp auf dem Weg in die 1. Liga ist Paderborn. Am Samstag (13 Uhr, Sky) trifft der 50-Jährige dort auf seinen Ex-Klub.

Borussia Mönchengladbach, FC Augsburg und schließlich Hertha BSC Berlin – die Vereine sprechen für viel Tradition. Mit allen ging es für das Trainer-Duo Jos Luhukay/Markus Gellhaus rauf in Liga eins. Wobei die Rollenverteilung immer klar war: Der Holländer war der Chef, Gellhaus der zweite Mann. „Ich bin Co-Trainer. Das kann ich, da habe ich für ein Team den größten Wert und das macht mir Spaß.“

Wie jetzt in Bochum. Und doch wäre es anders. Sollte Gellhaus auch mit dem VfL den Sprung schaffen, würde er zum ersten Mal eben nicht Luhukay zur Seite stehen, sondern Thomas Reis. Und es gibt noch einen Unterschied. Gellhaus blickt auf mehr als 20 Jahre Erfahrung im Profibereich zurück, für den drei Jahre jüngeren Reis ist es der erste Posten als Cheftrainer.

Aber auch diese Kombination passt. Obgleich der immer näher rückende Aufstieg so nicht geplant war. „Wir wollen eine sorgenfreie Saison spielen“, antwortete Gellhaus noch im Dezember auf Fragen nach den Saisonzielen und wollte von einer Bochumer Bundesliga-Rückkehr nach elf Jahren nichts wissen: „Wir haben eine gute Mannschaft, aber mit Blick auf die vergangenen Jahre sollten wir in Bochum alle auch demütig bleiben.“ Zumindest wenn es um die 1. Liga geht, legt Gellhaus diese „Demut“ nun ab und geht in die Offensive: „Wir wollen schon das Maximale herausholen“, sagt der Fußballlehrer und fügt hinzu: „Wir stehen ganz oben. Da wäre es der Wahnsinn, wenn ich jetzt sagen würde: Ich bin mit Rang vier zufrieden.“

Wobei jeder große Erfolg auch seine Kehrseite hat und gerade die Haltbarkeit von Trainern in der Folge oft sehr begrenzt ist. In Gladbach durfte der gebürtige Detmolder mit Luhukay nach dem Aufstieg im Mai 2008 nur noch bis Oktober arbeiten, bei der Berliner Hertha (Aufstieg 2013) trennten sich die Wege immerhin erst im Februar 2015. Nur beim FC Augsburg (Aufstieg 2011) ließ Gellhaus seinen Vertrag auslaufen, weil er im Anschluss zur Hertha wechselte.

Stichwort Augsburg: Beim FCA sieht der Bad Lippspringer sogar Parallelen zum VfL. Auch in Bochum sei etwas zusammengewachsen, besonders imponiere ihm die Stabilität des Revierklubs: „Wir verlieren zwischendurch auch mal wieder ein Spiel, aber die Mannschaft findet sofort wieder in die Spur und lässt sich nicht ablenken. Auch das ist ein Zeichen von Qualität.“

Hohes Niveau schreibt Gellhaus auch dem SC Paderborn zu. Anlaufen, pressen, umschalten und immer wieder tiefe Laufwege – das würde den SCP noch immer zu einer Mannschaft machen, die an einem guten Tag jeden Gegner schlagen kann. Oder, wie zuletzt beim 1:2 gegen abstiegsbedrohte Nürnberger, auch gegen jeden Gegner verlieren kann. „Diese Leistung werden die Spieler nicht auf sich sitzen lassen wollen“, ist Gellhaus überzeugt, schränkt aber auch ein: „In Paderborn war es noch nie leicht. Aber am Ende liegt es immer auch an uns, was wir vom Gegner zu erwarten haben.“

Ein Sieg am Samstag wäre ein weiterer Schritt in Richtung Bundesliga. Sollte der gelingen, würde Markus Gellhaus bereits das halbe Dutzend voll machen: Mit dem SC Paderborn ging es zu Beginn seiner Karriere auch schon zweimal rauf. 2001 an der Seite von Günther Rybarczyk in die damals drittklassige Regionalliga Nord, 2005 als Co-Coach von Pavel Dotchevin die 2. Liga. Ein Aufstieg, der aber nur einen vollkommen glücklich machte: Der Bulgare musste damals gehen, Gellhaus betreute den SC Paderborn auch eine Klasse höher und lernte einen Chefcoach kennen, der seine Trainer-Laufbahn nachhaltig verändern sollte: Jos Luhukay.

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