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Chris Führich: Paderborner Leihgabe von Borussia Dortmund hat den Sprung in die Startelf auf Anhieb geschafft

Ein schneller nächster Schritt

Paderborn

Für einen Spieler, der aus der Regionalliga kommt, sind diese Fakten bemerkenswert: in der 1. Runde im DFB-Pokal gegen Wiedenbrück und beim Saisonauftakt in Kiel eingewechselt, in den folgenden sieben Meisterschaftsspielen immer in der Startelf gestanden, fünf Treffer (inklusive Pokal) erzielt und zwei Tore vorbereitet.

Peter Klute

So jubelt ein Torjäger: Chris Führich feiert hier sein 2:0 am Samstag gegen St. Pauli und traf in dieser Saison inklusive Pokal insgesamt schon fünfmal. Foto: Wilfried Hiegemann

Die Rede ist von Chris Führich, ausgeliehen von Borussia Dortmund und einer der Garanten für den zurückgekehrten Erfolg bei Zweitligist SC Paderborn.

Sein Doppelpack am zweiten Spieltag gegen den Hamburger SV war am Ende wertlos, Führichs Tore in Darmstadt und am vergangenen Samstag gegen den FC St. Pauli brachten schließlich jeweils drei Punkte und ließen ihn so manchen Schmerz vergessen. Denn auch ein 22-Jähriger spürt die Nachwehen von intensiven 90 Minuten und mehr. „Man merkt die Muskeln, da ist das Alter egal. Die Art und Weise, wie wir spielen, ist schon sehr anstrengend“, blickt er auf den 2:0-Erfolg gegen die Kiez-Kicker zurück, an dem mit einem wunderschönen Tor zum Endstand einen großen Anteil hatte. „St. Pauli hätte die Führung verdient gehabt, aber zum Glück hat Leo (Leopold Zingerle, Anmerkung der Redaktion) den Elfmeter beim Stand von 0:0 gehalten. Nach der Führung waren wir dann obenauf und haben am Ende verdient gewonnen“, sagt Führich, der sich auch bei seinem vierten Saisontreffer auf seine Mitspieler verlassen konnte. Christopher Antwi-Adjei gewann den Ball, legte ab zu Dennis Srbeny und der gab weiter zu Führich, der Schlussmann Robin Himmelmann mit einem platzierten Flachschuss in die rechte Ecke keine Abwehrchance ließ.

Das sah so leicht aus, dahinter aber steckt viel Aufwand, wie Führich verrät: „In Dortmund hatte ich sogar einen privaten Torschusstrainer, in Paderborn hänge ich nach dem Training häufig noch ein paar Abschlüsse dran. Ich habe die Ruhe vor dem Tor aber auch erst gelernt, dazu kommt, dass ich mich hier sehr wohl fühle und das Vertrauen spüre. Dafür bin ich sehr dankbar.“ Und er zahlt mit Leistung zurück: ob auf der linken oder rechten Seite oder, wie in Heidenheim, als zweite Spitze. Leidtragender ist momentan Rechtsaußen Kai Pröger, der nur noch Ersatz ist.

Führich genießt die aktuelle Situation und erklärt: „Ich habe ein bisschen gebraucht, um mich einzugewöhnen, aber wir wussten von Anfang an, welchen Weg wir gehen wollten. Der Trainer hat immer eine klare Richtung vorgegeben. Der Tabellenplatz ist für mich einfach nur Ausdruck von harter Arbeit, die wir Woche für Woche abliefern.“

Als Vorbild diesbezüglich dient ihm ein bisschen Erling Haaland, den er aus gemeinsamen Trainingseinheiten bei Borussias Profis kennt: „Ein total fußballverrückter Typ. So wie er spielt, trainiert er auch, gibt immer Vollgas. Was mir bei ihm besonders aufgefallen ist, ist, dass er jedes Tor zelebriert, auch wenn er den Ball in einem Trainingsspiel ins leere Tor schiebt. Er spielt auf Weltklasse-Niveau.“

So weit ist Führich noch nicht und dahin wird er vermutlich auch nicht kommen. Für den SC Paderborn hat er aber schon jetzt das Prädikat wertvoll, was auch Geschäftsführer Sport Fabian Wohlgemuth unterstreicht: „Chris gehört mit anderen Neuzugängen inzwischen zu einem Mehrwert in dieser Mannschaft.“ Trainer Steffen Baumgart wird noch deutlicher: „In den Schemen, in denen wir suchen, ist es egal, aus welcher Liga jemand kommt. Wir waren überzeugt davon, dass Chris bei uns den nächsten Schritt gehen kann. Dass es so schnell gegangen ist, liegt auch daran, dass es momentan bei uns insgesamt passt.“ Die Geschwindigkeit mit Ball, das Eins gegen Eins und die Schusstechnik beschreibt Baumgart als die größten Stärken seines Außen, in dessen Vita bislang zwei Erstliga-Spiele (für den 1. FC Köln) stehen. Die Leihe nach Paderborn ist für den Jungen aus dem Pott (geboren in Castrop-Rauxel, spielte in der Jugend auch für Schalke 04) keinesfalls ein Rückschritt: „Ich bin stolz, in der 2. Liga spielen zu dürfen.“

An einen Aufstieg mit dem SCP denkt er (noch) nicht, sagt nur: „Wir sind als Mannschaft gewachsen. Wenn wir unser Pensum hochhalten, können wir eine sehr gute Rolle spielen.“ Dass der SCP im kommenden Sommer die Kaufoption für Führich zieht, steht aber wohl außer Frage.

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