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Die Schalke-Gerüchte um Paderborns Trainer Steffen Baumgart nehmen an Fahrt auf

Fluch der guten Arbeit

Paderborn

Seit 2000 saßen beim FC Schalke 04 bereits 18 Chef- und acht Interimstrainer auf der Bank. Die Liste ist lang und reicht von Huub Stevens bis Christian Gross. Ob sich hier ab dem 1. Juli auch Paderborns Coach Steffen Baumgart einreiht? Die Gerüchte um den 49-Jährigen nehmen jedenfalls weiter Fahrt auf.

Matthias Reichstein

Ein Trainer mit Pfiff: In der vergangenen Bundesliga-Saison holte Steffen Baumgart mit dem SC Paderborn 07 „auf Schalke“ einen Punkt. Foto: imago

Für den Coach selbst ist das keine Überraschung: „Mein Vertrag läuft aus und ich habe hier in Paderborn über vier Jahre relativ vernünftige Arbeit abgeliefert. Dass da Angebote kommen, ist normal. Was daraus medial gemacht wird, habe ich nicht in der Hand.“

Durchmarsch von der 3.  Liga bis in die Bundesliga und im DFB-Pokal zweimal erst im Viertelfinale gestoppt – so sieht Baumgarts sportliche Bilanz aus. Wirtschaftlich konnten sich die Ostwestfalen dadurch entschulden. Bis zum Erstliga-Abstieg im Sommer führten Baumgart und der SC Paderborn 07 damit ein Leben auf der Überholspur. Aktuell werden Verein und Trainer, so scheint es jedenfalls, eingeholt. Die Erfolge locken die Konkurrenz an. Allen voran müht sich gerade das abgeschlagene Bundesliga-Schlusslicht FC Schalke 04 um einen sportlichen Neuanfang mit Steffen Baumgart in der zentralen Rolle.

Aus SCP-Sicht könnte man das als „Fluch der guten Arbeit“ bezeichnen. Zumindest muss Manager Fabian Wohlgemuth in den kommenden Wochen sehr hart um seinen Erfolgstrainer kämpfen – und ist offenbar auch bereit, finanziell an neue Grenzen zu gehen: Gegenüber dem WESTFALEN-BLATT äußerte er sich am Mittwoch so: „Ich glaube, wir haben in den vergangenen Wochen nach außen und innen deutlich gemacht, welche Wertschätzung wir dem Engagement von Steffen Baumgart hier in Paderborn beimessen. Das betrifft die fachliche und persönliche Dimension unserer Zusammenarbeit. Und natürlich sind wir bereit, dies auch vertraglich in entsprechende Zahlen zu gießen. Es bleibt dann letztlich die Entscheidung des Trainers; anketten können wir niemanden.“

Schon gar nicht, wenn die Schalker tatsächlich ernst machen. Der Verein ist zwar mit 220 Millionen Euro verschuldet, mit seinen 160.000 Mitgliedern, der Arena und der Tradition würden die Gelsenkirchener aber auch nach einem Abstieg in die 2. Liga weiter zu den erstklassigen Adressen in Fußball-Deutschland zählen.

Doch Baumgart lassen noch alle Spekulationen kalt: „Von mir aus könnte der Prinz aus Zamunda vor der Tür stehen, ich halte mich an meinen Fahrplan“, bekräftigte er gestern noch einmal gegenüber dem WESTFALEN-BLATT. Bis zum 15. März will sich Baumgart ausschließlich aufs Sportliche konzentrieren, erst danach möchte sich der Fußballlehrer mit seiner Zukunft beschäftigen: „Im Moment stecken wir in der wichtigsten Phase der Saison. Die Sicherheit nach unten ist für uns noch nicht da, die Klubs ganz oben sind auch noch nicht zu 100 Prozent weg“, sagte Baumgart und ergänzte: „Ich will mit meiner Mannschaft noch so weit wie möglich nach oben klettern.“

Wie schwer das ist, zeigte sich erst am Dienstagabend. Beim 2:2 im Heimspiel gegen einen überraschend defensiv eingestellten 1. FC Heidenheim lag der SCP nach zwei individuellen Fehlern (Leopold Zingerle beim 0:1, Frederic Ananou beim 1:2) zweimal zurück: „Wir haben im Moment das Pech, dass wir kein Matchglück haben. Sonst hätten wir locker sechs Punkte mehr auf unserem Konto“, sagte Baumgart. Der gebürtige Rostocker fühlte sich deshalb auch an einen alten DDR-Handwerksspruch erinnert: „Wir bauen auf, wir reißen nieder, so gibt es Arbeit immer wieder.“

Wie groß die Chancen sind, dass Baumgarts Arbeitgeber auch über den 30. Juni hinaus noch SC Paderborn heißt, will Wohlgemuth nicht beziffern. Der 41-Jährige wird sich aber trotz des größer werdenden Drucks an der vereinbarten Frist halten. Bedenken, dass auf der Zielgeraden die Zeit knapp werden könnte, hat er nicht: „Ich bin mit dem Trainer im täglichen Austausch. Da bleibt nichts liegen und nichts unausgesprochen.“ Die Gespräche bestätigte auch Baumgart und gab diesen Einblick: „Ich weiß genau, was ich zur neuen Saison an Spielern bekommen kann und was nicht gehen wird. Ich glaube, dass wir uns wieder sehr gut aufstellen werden.“

Auch wenn das „Wir“ schon fast wie ein kleines Bekenntnis klingt, dürfte Wohlgemuth bereits an einem Plan B arbeiten. Dazu wollte er sich konkret zwar nicht äußern, ließ aber durchblicken: „Unsere zeitliche Regelung stellt sicher, dass dem Verein im Zweifelsfall ausreichend Zeit und Handlungsoptionen zur Verfügung stehen.“

Wird Baumgart bald ein Schalker? Wenn der ehemalige Bundesliga-Profi den Weg geht, würde er übrigens nicht nur seinem ehemaligen Teamkollegen André Breitenreiter folgen. Der wechselte 2015 vom SCP zu S04. Paderborns Trainer-Talentschmiede war aber auch schon für Jos Luhukay, Roger Schmidt, Andre Schubert oder Drittliga-Rekordhalter Pavel Dotchev der Einstieg zum Aufstieg.

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