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Viel Lob für den Ligaletzten von Paderborns Ex-Trainer Roger Schmidt

„Ich bewundere den SCP“

Paderborn (WB). Das Schlusslicht der Fußball-Bundesliga brennt zwar seit Monaten beim SC Paderborn, die Wertschätzung, die der Aufsteiger aus Ostwestfalen bundesweit genießt, ist aber ungebrochen hoch. Vor dem vielleicht schon richtungsweisenden Auswärtsspiel am Mittwoch beim FC Augsburg (20.30 Uhr, Sky) hat sich das WESTFALEN-BLATT bei ehemaligen Paderborner Trainern und Managern umgehört.

Matthias Reichstein

Roger Schmidt, Trainer von Bayer 04 Leverkusen. Foto: dpa

„Ich bewundere den SC Paderborn“, greift Roger Schmidt (53) direkt ins höchste Regal. Beim früheren Spieler und Cheftrainer der Paderborner genießt besonders der Mann an der Seitenlinie höchste Anerkennung: „Steffen Baumgart stand schon vor Saisonstart vor einer Riesenaufgabe und macht es richtig gut. Er hat den Verein durch zwei Aufstiege in die 1. Liga gebracht, er zweifelt nie, strahlt immer Optimismus aus und hat mit seinem Trainerteam schon jetzt Herausragendes geleistet.“

Für Schmidt, der am 20. Juli beim niederländischen Erstligisten PSV Eindhoven mit dem Training beginnt, ist Paderborns Kampf um den Ligaerhalt auch noch längst nicht gelaufen: „Bei dem kleinen Budget kann die individuelle Qualität der einzelnen Spieler gar nicht so groß sein. Aber dieses Team kompensiert das durch eine mannschaftliche Geschlossenheit, die Baumgart vermittelt.“

Doch auch Schmidt, der mit dem SCP 2012 den Zweitligaaufstieg nur knapp verpasste, sieht natürlich, dass es immer weniger Spiele werden und damit die Chancen auf den Klassenerhalt sinken: „Ganz nah am Sieg, wie gegen Hoffenheim, reicht nicht. Der SCP muss jetzt ganz schnell anfangen, die engen Spiele für sich zu entscheiden. Sonst ist es zu spät.“

Krösche sieht gute Möglichkeiten gegen Augsburg

Für Leipzigs Sportdirektor Markus Krösche ist auch noch alles möglich, weil die Paderborner Konkurrenten „nicht stabil genug sind“. Als Beispiele nannte er Fortuna Düsseldorf (2:2 in Köln nach 2:0-Führung), Werder Bremen (erster Dreier in Freiburg nach zuvor sieben sieglosen Auftritten) sowie Mainz 05 (0:5 gegen RB Leipzig).

Der 39-jährige Ex-Manager des SCP urteilt so: „Paderborn muss weiter Gas geben, weil keine Mannschaft da unten auf mich so richtig sattelfest wirkt. Deshalb ist der Relegationsplatz noch möglich.“

Gute Möglichkeiten für seinen Ex-Klub sieht Krösche schon am Mittwochabend: „Der FC Augsburg ist im Moment eine Wundertüte und in beiden Richtungen immer für eine Überraschung gut. Das haben auch die Niederlage gegen Wolfsburg und der Sieg auf Schalke gezeigt. Daher ich sehe den SCP dort nicht chancenlos.“

Born hat den SCP noch nicht abgeschrieben

Dresdens kaufmännischer Geschäftsführer Michael Born (52) sieht in dem Kampf um den Klassenerhalt ebenfalls eine „Riesenherausforderung“, abgeschrieben hat er seinen ehemaligen Arbeitgeber noch nicht: „Der SC Paderborn hat sich bisher fast mit jedem Gegner ein Duell auf Augenhöhe geliefert. Eine kleine Serie, und für den SCP ist wieder alles drin.”

Born, der den SCP von 1996 bis 2008 und von 2011 bis 2016 managte, sieht aber auch das Hauptproblem: „Der SCP investiert viel und spielt sehr zielstrebig, aber leider belohnt sich die Mannschaft viel zu selten für ihren Aufwand.”

Dotchev: „16. Tabellenplatz ist noch realistisch“

Für Pavel Dotchev, der als Spieler und zweimal auch als Cheftrainer (2003 bis 2005 und 2008 bis 2009) bei den Domstädtern arbeitete, hat der SCP viel dazugelernt: „Sie bewahren nach außen die Ruhe und halten zusammen. Das freut mich sehr, war aber leider nicht immer so“, meinte der 54-Jährige, der aktuell den Drittligisten Viktoria Köln trainiert.

Der frühere bulgarische Nationalspieler legt sich aber auch auf die Relegation fest: „Der 16. Tabellenplatz Platz ist noch realistisch, darauf würde ich mich jetzt auch fokussieren. Zumal es absolut realistisch ist, die sechs Punkte Rückstand bei noch sieben Spielen aufzuholen. Ich bin da jedenfalls noch sehr zuversichtlich.“

Rybarczyk zieht den Hut

Trotz des Lobes wird die Luft für die Ostwestfalen auch für Günther Rybarczyk immer dünner. „Ich würde gerne sagen, der SCP schafft es auf jeden Fall. Aber ehrlicherweise muss man schon ein großer Optimist sein, wenn man noch an den Klassenerhalt glauben will“, sagt der 68-Jährige, der heute wieder in seiner bayrischen Heimatstadt Altötting lebt.

Der Ex-Trainer und ehemalige Sportliche Leiter zieht aber auch den Hut vor der Leistung: „Sie sind immer sehr oft ganz nah dran, dreifach zu punkten.“ Richtungsweisend ist für ihn das heutige Gastspiel beim FC Augsburg: „Hier sollte man punkten, auch mit Blick auf die nächsten Aufgaben, die mit Borussia Dortmund und RB Leipzig noch einmal ein völlig anderes Kaliber sind.“

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