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Vor dem Heimspiel gegen den VfL Osnabrück: In der Hinrunde siegt der SCP 1:0

Michel macht den Unterschied

Paderborn (WB/MR)

Zwei Platzverweise, ein Tor und der erste Dreier nach zuvor vier sieglosen Paderborner Spielen: Das waren aufregende 90 Minuten beim 1:0-Erfolg am 19. Dezember 2020 an der Bremer Brücke in Osnabrück.

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Sven Michel im Duell mit Osnabrücks Torhüter Philipp Kühn. Einmal gewann der Paderbornerv und traf zum 1:0. Foto: dpa

Genau an dem Ort, an dem Trainer Steffen Baumgart 2017 seine vielleicht bittersten Stunden in seiner Paderborner Amtszeit erlebt hatte. Am Mittwoch (18.30 Uhr, Sky) kommt es zum Rückspiel. Allerdings unter völlig anderen Vorzeichen: Nach gutem Saisonstart stehen die Niedersachsen unter Abstiegs-Druck. Der SCP ist dagegen vom Minimalziel „Ligaerhalt“ höchstens noch ein paar Millimeter entfernt.

Der SC Paderborn präsentierte sich nach enttäuschenden Wochen am letzten Punktspieltag des Jahres 2020 hellwach. Auffälligster Akteur war zunächst die BVB-Leihgabe Chris Führich (der mittlerweile in der Liga auf elf Treffer kommt), der aber gleich dreimal an Osnabrücks Torwart Philipp Kühn (24., 35., 45.) scheiterte. In der 34. Minute ging Sven Michel kurz vor dem Strafraum nach einem Zweikampf mit Maurice Trapp zu Boden und der VfL-Kapitän sah Rot. „Diese Szene hat dem Spiel eine Richtung gegeben“, urteilte Osnabrücks damaliger Coach (wurde am 15. Februar entlassen) Marco Grote. Eine Richtung die seinem Trainerkollegen half, auf die er aber gerne verzichtet hätte. „Ich hätte Maurice am liebsten weiter auf dem Platz gehabt. Ich mag ihn und das weiß er auch“, sagte Baumgart, der mit Trapp eine gemeinsame Zeit beim Berliner AK hatte.

Paderborns Druck wurde in der Folgezeit immer größer, doch es blieb bis zur Pause torlos. „Wir hatten hochkarätige Chancen, aber die wurden überragend gehalten“, urteilte Baumgart.

Doch in der 56. Minute war auch der starke VfL-Schlussmann Kühn machtlos. Johannes Dörfler nahm zunächst Timo Beermann den Ball ab und Sven Michel vollendete wenige Sekunden später. „Das 1:0 hat nicht alles gelöst, aber heute spreche ich nur über das, was wir gut gemacht haben. Und das war eine Menge“, sagte Baumgart.

Der SCP war klar auf der Siegerstraße, nahm sich dann aber den Überzahl-Vorteil selbst weg. Ron Schallenberg sah innerhalb von drei Minuten zweimal Gelb und musste mit der Ampelkarte vom Platz (69.). Das war in der Kürze der Zeit ziemlich dämlich, sein Trainer Steffen Baumgart zeigte sich aber hinterher gnädig: „Für mich ist entscheidend, wie Ron für die Mannschaft arbeitet. So etwas gehört zu seiner Entwicklung dazu.“ Am Ende war es eine Karte ohne Konsequenz. Der SCP siegte und schloss das Erstliga-Abstiegsjahr 2020 nach 13 Spieltagen noch versöhnlich ab: fünf Siege, fünf Niederlagen, Platz elf.

Warum die Bremer Brücke für Baumgart ein ganz besonderer Ort in seiner bald endenden Paderborner Zeit bleiben wird? Vier Wochen nach seiner Amtsübernahme in Paderborn kam er mit seinem Team nach einer Aufholjagd (elf Punkte aus fünf Spielen) am 20. Mai 2015 beim VfL über ein 0:0 nicht hinaus. Das war gleichbedeutend mit dem Abstieg in die Regionalliga, verbunden mit viel Hohn und Spott vom Gegner. Die Enttäuschung war damals riesig, bis einige Tage später die Nachricht vom TSV 1860 München kam: Investor Hasan Ismaik verweigerte eine Zahlung in Höhe von 11 Millionen Euro. Damit konnten die Sechziger die Lizenzauflagen des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) für die 3. Liga nicht erfüllen und den freien Platz durften die Ostwestfalen einnehmen. Was dann begann, ist jedem SCP-Fan noch in allerbester Erinnerung: Paderborns Durchmarsch bis in die Bundesliga.

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