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Warum Paderborns Trainer Steffen Baumgart nicht mehr auf Ron Schallenberg verzichten möchte

Mister 100 Prozent

Paderborn

Einen besseren Beweis dafür, wie wichtig ein Spieler ist, kann es nicht geben. Vor der Partie vor einer Woche bei Jahn Regensburg hatte Steffen Baumgart überlegt, Ron Schallenberg eine Pause zu gönnen. „Weil er zuletzt alle Spiele gemacht hat“, lauteten die Gedanken des Paderborner Trainers.

Peter Klute

Durchbruch geschafft: Seit dem dritten Spieltag steht Ron Schallenberg ununterbrochen in der Paderborner Startelf. Foto: Wilfried Hiegemann

Schallenberg stand dennoch in der Startelf und nimmt seinem Coach für die Begegnung am Freitag in der Benteler-Arena gegen den SV Darmstadt 98 (18.30 Uhr/Sky) diesbezüglich jeglichen Wind aus den Segeln: „Klar war die Englische Woche anstrengend, aber ich hatte in Regensburg nicht das Gefühl, dass ich nicht frisch bin. Und jetzt hatten wir eine ganze Woche Zeit. Ich bin fit und bereit.“

Baumgart deutete schon an, auch diesmal nicht auf seinen Abräumer im Mittelfeld zu verzichten und gerade gegen die Lilien würde Schallenberg auch nur äußerst ungern zusehen. Denn: Beim 4:0 im Hinspiel am Böllenfalltor erzielte er das 1:0 und gleichzeitig sein allererstes Zweitligator. „Ich wusste gar nicht wohin mit meinem Jubel“, hatte er damals gesagt. Mit Abstand stellt er fest: „Das war das bisher beste Spiel von uns in dieser Saison und auch von mir sicher eines der stärksten. Das Tor schaue ich mir noch heute öfter an. Zur besonderen Motivation oder einfach nur so.“

Warum der 22-Jährige seit dem dritten Spieltag ununterbrochen in der Anfangsformation auftaucht, ist für Baumgart nicht schwer zu erklären: „Ron liefert immer 100 Prozent ab und erfüllt genau das, was wir von ihm erwarten. Er ist mit ein Garant dafür, dass wir wenig Torchancen zulassen und nimmt der Abwehr einiges ab. Es ist Freude pur für jeden Trainer, ihm zuzusehen.“ Mehr Lob geht nicht.

Gelb-Rot in zwei Minuten

Baumgart weiß natürlich, dass auch Ron Schallenberg „nicht alles richtig macht und auch mal Spiele kommen werden, in denen er nicht beginnt“. Aber der Trainer ist sich genauso sicher, „dass Ron danach schnell wieder die nächste Chance bekommen wird“.

Rückschläge werden Schallenberg nicht umwerfen, genauso wenig besteht die Gefahr, dass er abhebt. Dazu ist der Dauerrenner aus Marienloh, der nicht selten die meisten Kilometer im Paderborner Team abspult, viel zu geerdet. Er freut sich über seinen Durchbruch, sieht aber auch seine Schwächen. Die Ampelkarte in Osnabrück innerhalb von nur zwei Minuten beschäftigt ihn noch immer: „Ich hatte noch kurz vorher zu meiner Schwester gesagt, dass ich kein Gelb-Rot-Kandidat sei, weil ich mich immer zurückhalte. Dieser Platzverweis war selten dämlich und ich war sehr erleichtert, dass wir das Spiel trotzdem gewonnen haben“, blickt er zurück.

In Düsseldorf musste er gesperrt passen und als er eine Woche später gegen Aue die vierte Verwarnung der Saison sah, drohte die nächste Zwangspause. Doch er hielt bis heute und nun schon acht Spiele ohne Karte durch. Das meint Baumgart wohl damit, wenn er meint, dass Schallenberg ein „kluger und intelligenter“ Spieler sei.

Vertrag bis 2024 verlängert

Schlau aus Sicht des Paderborner Urgesteins war es auch, seinen Vertrag beim SCP Anfang des Jahres bis 2024 zu verlängern, auch wenn ihn einige nach seiner Rückkehr aus Verl (war zwei Jahre ausgeliehen) schon in Richtung Bundesliga haben durchstarten sehen. „Das war eine wirklich einfache Entscheidung. In der 2. Liga spielt man auch nicht mal so eben, Paderborn ist meine Heimat und für mich der perfekte Ort, mich weiterzuentwickeln“, sagt er.

Ausstiegsklauseln hin oder her, an einen vorzeitigen Abschied denkt Schallenberg nicht: „Ich kann auch in drei Jahren noch woanders hingehen, schließlich bin ich dann noch keine 35.“ Gerne würde er die Zeit über den Sommer hinaus auch mit dem Trainer Steffen Baumgart verbringen: „Er lässt mich spielen und hat offensichtlich eine hohe Meinung von mir. Ohnehin bin ich ein Freund von Kontinuität. Wir würden uns alle freuen, wenn er bleibt.“

Das ist Zukunft, die Ge­genwart heißt Darmstadt. Für Ron Schallenberg eine Mannschaft, die, ähnlich wie der SCP, zu wenig Punkte auf dem Konto hat für das, was sie auf den Rasen bringt. Das Hinspiel habe gezeigt, dass dieser Gegner der Mannschaft liege, sagt er. Gegen eine erneute Gala und einen eigenen Treffer hätte er selbstverständlich nichts einzuwenden. Am besten ohne Gelbe Karte.

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