Der gebürtige Paderborner Antonio Di Salvo wird mit dem DFB zum dritten Mal Europameister

Nach der EM ist vor Olympia

München/Paderborn

Bei einer Joggingrunde durch München lief sich Antonio Di Salvo am Tag nach der Rückkehr aus Slowenien die Müdigkeit aus den Beinen. Die U21-Europameisterschaft hatte auch beim Co-Trainer der Deutschen Nationalmannschaft seine Spuren hinterlassen – inklusive der Feier danach.

Von Peter Klute

So sieht ein Europameister aus. Mit der deutschen U21-Nationalmannschaft gewann Antonio Di Salvo am Sonntag in Slowenien seinen dritten EM-Titel. Foto:

„Den einen oder anderen Gin Tonic gab es schon“, räumt er ein, „aber dabei ist es auch geblieben.“

Grund zum mehrfachen Anstoßen gab es für die Mannschaft und den Stab drumherum definitiv. Es war eine traumhafte Woche, die die deutsche Auswahl mit Siegen im Viertelfinale gegen Dänemark und im Halbfinale gegen die Niederlande im ungarischen Székesfehérvár sowie dem 1:0-Finalerfolg am Sonntag gegen Portugal in Ljubljana mit dem Titel krönte.

Di Salvo fügte seiner Erfolgsgeschichte beim Deutschen Fußball-Bund den dritten EM-Pokal hinzu, nach 2014 mit der U19 und dem ersten U21-Sieg vor vier Jahren. „Jeder Titel ist schön und hat seine besondere Geschichte. Daher tue ich mich schwer zu sagen, einer ist mehr wert als der andere“, sagt der gebürtige Paderborner. Den aktuellen Coup ordnet er deshalb sehr bedeutend ein, „weil die Mannschaft und die einzelnen Spieler zu Beginn nicht so stark eingeschätzt wurden. So gesehen kam der Titel schon unerwartet. Aber ich hatte schon bei der Vorrunde im März das Gefühl, dass da eine ganz andere Mannschaft auf dem Platz stand als bei der Qualifikation im vergangenen Jahr. Das hat mir Hoffnung gegeben, dass wir uns weiter steigern können“.

Fast zehn Jahre beim SCP

So kam es, für Di Salvo war der Siegtreffer von Lukas Nmecha im Endspiel gleichzeitig ein „sehr schönes nachträgliches Geschenk“ zu seinem 42. Geburtstag am Samstag. „Wir alle zusammen sind eine eingeschworene Gemeinschaft“, sagt er, dessen Karriere einst beim BV Bad Lippspringe begann und der fast zehn Jahre für den SC Paderborn spielte, bevor er im Jahr 2000 zum FC Bayern München wechselte. FC Hansa Rostock, TSV 1860 München und der Kapfenberger SV in Österreich hießen seine weiteren Stationen, bevor er Jugendtrainer bei den Bayern wurde und 2013 von seinem einstigen Münchner Weggefährten Marcus Sorg zum DFB geholt wurde.

Seine Zeit dort scheint noch lange nicht vorbei, erst im Frühjahr hat der Fußballlehrer (seit 2018) seinen Vertrag bis 2023 verlängert. Man weiß nie, was im Fußball passiert, aber ich fühle mich sehr wohl. Zurzeit ist es gut so, wie es ist, weil ich häufig bei meiner Frau und meinen Kindern sein kann. Für die Zukunft habe ich viele Gedanken und Optionen im Kopf“, sagt der zweifache Vater. Bis dahin würde er gerne weiter an der Seite von Stefan Kuntz weitermachen, um den es Abschiedsgerüchte gibt. „Wir verstehen uns super und tauschen uns auch privat aus. Stefan und ich arbeiten sehr gut zusammen und sind befreundet. Wir haben noch nie darüber gesprochen, dass er den DFB verlässt und ich gehe fest davon aus, dass er weitermacht“, sagt der Deutsch-Italiener über seinen Chefcoach.

Nächstes Highlight ist Tokio

Groß genießen können sie den EM-Gewinn nicht, denn es wartet schon das nächste Highlight. Am 12. Juli trifft sich die Olympia-Auswahl in Frankfurt und bereitet sich auf die Spiele in Tokio (23. Juli bis 8. August)) vor. „Wir sind dabei, den Kader zusammenzustellen“, sagt Di Salvo. Einer wird auch dann wohl fehlen, der vor einem Jahr noch fest eingeplant war. Vor seiner Verletzung und Corona-Erkrankung war Luca Kilian vom SC Paderborn bei der U21 gesetzt. Dann wechselte der Innenverteidiger zum FSV Mainz 05 und geriet aufs Abstellgleis: „Das hat uns leid getan, aber wenn ein Spieler bei seinem Verein nicht zum Einsatz kommt, hat er kaum Chancen, in der deutschen U21 berücksichtigt zu werden.“ Zu Kilians Zeiten beim SCP war Di Salvo häufiger in der Benteler-Arena und es würde ihn freuen, wenn sich mal wieder ein Paderborner für höhere Aufgaben anbietet. Schließlich lebt ein Teil seiner Familie nach wie vor hier.

Er selbst ist mit Ehefrau Kerstin, Tochter Laetitia (15) und Sohn Elia (12) in München zuhause und glücklich, dass die deutsche A-Nationalmannschaft ihre Vorrundenspiele bei der EM gegen Frankreich, Portugal und Ungarn allesamt in der Allianz-Arena austrägt. „Ich werde vor Ort sein“, sagt Di Salvo und drückt dem Team von Joachim Löw natürlich die Daumen: „Die Mannschaft ist gut und hat Potenzial, auch wenn sie zuletzt häufiger mal schlecht weggekommen ist. Wenn die Euphorie dazukommt, ist mit Deutschland immer zu rechnen.“

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