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Nach drittem Abstieg in Folge stellt Paderborns Präsident Finke alles auf den Prüfstand

Neuaufbau mit Baumgart

Paderborn (WB). Präsident Wilfried Finke setzte den dritten Abstieg des SC Paderborn in Folge einem »Albtraum« gleich. Für Manager Markus Krösche war’s eine »sportliche Katastrophe«. Trainer Steffen Baumgart brachte es so auf den Punkt: »Wir haben versagt.«

Matthias Reichstein und Elmar Neumann

Nicht verloren, aber doch geschlagen (von links): Sebastian Heidinger, Co-Trainer Asif Saric und Chefcoach Steffen Baumgart. Foto: Oliver Schwabe

Der Samstag war noch der Tag für Tränen, bereits am Sonntag begann die Klubführung mit Finke sowie den Vizepräsidenten Dr. Rudolf Christa und Josef Ellbracht damit, den Sturz in die Viertklassigkeit einzuordnen und den Neuaufbau einzuleiten.

Mit Finke und auch Krösche gehen zwei Eckpfeiler des Vereins voran. Sie werden dem SCP treu bleiben, Dritter im Bunde ist Steffen Baumgart. Krösche wollte diese Personalie allerdings noch nicht bestätigen: »Wir haben nur das Pokalendspiel am Donnerstag im Blick. Unsere volle Konzentration gilt Lotte. Erst danach werden wir uns zusammensetzen und personelle Entscheidungen treffen.«

Aus Krösches Sicht eine verständliche Reaktion. Am 25. Mai (Anstoß: 17 Uhr, Benteler-Arena) geht es gegen Lotte um den Einzug in die 1. Runde des DFB-Pokals. Dort liegen 155.000 Euro im Topf, Zuschauereinnahmen noch gar nicht mitgerechnet. Viel Geld für einen Regionalligisten.

Baumgart ist mit dem SCP ungeschlagen

Baumgart selbst hatte sich bereits am Samstag in Stellung gebracht. Auf entsprechende Fragen dieser Zeitung antwortete der 45-Jährige so: »Ich würde es gerne machen, da müssen Sie aber Markus (Manager Krösche, Anmerk. der Red.) fragen. Ich werde das Gespräch suchen, aber ich will dem auch nicht vorgreifen.«

Baumgarts bestes Bewerbungsschreiben ist seine sportliche Bilanz: Der Fußballlehrer ist mit dem SCP ungeschlagen, holte elf Punkte in fünf Spielen und zog ins Pokalfinale ein. »Baumgart hat gepunktet wie ein Aufstiegstrainer«, sagte Finke, will sich in sportliche Belange aber nicht mehr einmischen und machte deutlich: »Das liegt allein im Verantwortungsbereich von Markus Krösche.«

Es wartet noch viel Arbeit

Finke richtet seinen Fokus mehr auf den Gesamtverein. Eine von ihm beauftragte Wirtschaftsprüfungsgesellschaft sowie Fachanwälte für Verwaltungsrecht werden in den kommenden Tagen jeden Stein umdrehen, alle Verträge überprüfen und in wenigen Tagen eine Komplettanalyse vorlegen. »Fast alle Verträge laufen mit dem Abstieg aus, wir bauen deshalb den Verein komplett neu auf. Ich will genau wissen, wie hoch die Fixkosten in der Regionalliga sind. Unsere Sponsoren sollen künftig noch genauer sehen, wohin ihr Geld fließt«, kündigte Finke an. Der will aber auch herausfinden, welche Rechte und Pflichten der SC Paderborn gegenüber der Stadt hat. »Wir sind jetzt ein Amateurverein wie TuRa Elsen oder Suryoye Paderborn. Haben wir Anspruch auf eine Spielstätte? Welche Gebühren müssten wir in diesem Fall zahlen?«, nennt Finke zwei Fragen als Beispiele, auf die er Antworten bekommen möchte.

Parallel dazu ist Vermarkter Infront ab Montag damit beschäftigt, Sponsorenverträge abzuschließen. Unternehmen, die Finke persönlich nahestehen, haben dem 66-Jährigen bereits Zusagen gemacht. Doch es wartet noch viel Arbeit: So läuft der Vertrag mit Hauptsponsor Mediacom aus, auch der Kontrakt mit der Benteler Deutschland GmbH als Namensgeber der Arena (seit 2011) ist noch nicht verlängert worden. Die Verhandlungen führt Johannes Sump als Associate Director von Infront. Allerdings nur noch bis Ende Juni. Sump wechselt als Chefvermarkter zum Erstligisten Werder Bremen.

Das Ziel kann nur Wiederaufsteig heißen

Erst wenn alle Zahlen auf dem Tisch liegen, wird Krösche seinen Etat für den sportlichen Bereich beziffern können. Den Löwenanteil muss er in den Viertliga-Kader investieren. Da gibt es keine Diskussionen, denn nach drei Abstiegen in Folge kann das Ziel nur Wiederaufsteig heißen. Deshalb wird Krösche im Unterbau Abstriche machen müssen. Ein Tabuthema ist die U 19. Die hat den Bundesligaaufstieg geschafft und soll dort auch spielen. Für die U 21 (Oberliga) wird es wohl nicht reichen. »Dass wir nach unserem sportlichen Totalversagen Dinge infrage stellen müssen, bei denen wir gerade die ersten Früchte einer langen Aufbauarbeit ernten, ist die größte Tragik«, sagte Finke.

Personell gibt es auch im Aufsichtsrat eine Veränderung. Prof. Dr. Oliver Pott hat seinen Posten geräumt. Angeblich nach einem Streit mit Finke. Der kommentierte den Abgang des Unternehmers so: »Ich diskutiere immer mit offenem Visier. Wir hatten Meinungsverschiedenheiten, aber wir begegnen uns nach wie vor mit Respekt.«

Das ging ins Auge: Steffen Baumgarts elf Punkte in fünf Spielen reichten nicht. Foto: Oliver Schwabe
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