Sören Gonthers Profikarriere begann vor fast 15 Jahren beim SCP – mit dem Wiedersehen am Sonntag im Erzgebirge schließt sich der Kreis

„Paderborn und Aue haben einige Parallelen“

Paderborn

Sören Gonther kam als 20-Jähriger zum SC Paderborn und schaffte hier den Sprung zum Profi. Beim FC St. Pauli war er Kapitän und landete über Dynamo Dresden vor zwei Jahren beim FC Erzgebirge Aue.

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Das Hinspiel in Paderborn verlor Sören Gonther (rechts, hier im Zweikampf gegen Dennis Srbeny) mit dem FC Erzgebirge Aue mit 1:2. Foto: David Inderlied/dpa

Vor dem Wiedersehen am drittletzten Spieltag dieser Zweitliga-Saison am Sonntag in Aue (13.30 Uhr, Sky) sprach Peter Klute mit dem 34-Jährigen über seine Karriere, den verpassten Erstligatraum, Corona und den anstehenden Zuwachs im Hause Gonther.

Sören, Corona beherrscht das Leben bei uns jetzt schon seit mehr als einem Jahr, an den letzten beiden Spieltagen müssen alle 36 Mannschaften der 1. und 2. Liga in ein Quarantäne-Trainingslager. Was macht das alles mit Ihnen als Profi und Familienvater?

Sören Gonther: Gott sei Dank sind wir alle gesund und ich hoffe, dass das noch lange so bleibt. Aber ich empfinde die Situation als sehr surreal. Du läufst ein in ein leeres Stadion und hast das Gefühl, dass du ein Freundschaftsspiel bestreitest. Aber spätestens beim Anpfiff weißt du, dass es um alles geht. Das ist schon suspekt und ich hoffe, dass es bald wieder anders sein wird. Und was meine Familie betrifft: Der Kleine bekommt es noch nicht so mit, aber meinen beiden Töchtern zu erklären, dass ich wieder zwei Wochen weg bin, ist schon sehr schwierig und keine schöne Situation. Dazu kommt, dass meine Frau hochschwanger ist und wir am 6. Juni unser viertes Kind erwarten.

Sie haben den Familienzuwachs angesprochen. Immerhin hat das dazu geführt, dass Sie in Regensburg ihr erstes Saisontor erzielt haben.

Gonther: Das war wirklich lustig. Es war zum ersten Mal seit Jahren, dass ich Ostern ein Auswärtsspiel hatte und meine Frau sagte vorher zu mir, dass ich doch mal wieder ein Tor schießen müsste, um den Schnullerjubel zu machen. Schließlich käme ja bald unser viertes Kind. Dem Druck habe ich standgehalten und kurz vor Schluss den 1: 1-Ausgleich erzielt (lacht).

Sie werden kurz vor Weihnachten 35 Jahre alt, ihr Vertrag in Aue läuft aus. Wie ist der aktuelle Stand?

Gonther: Wir sind in Gesprächen. Es gab schon im Winter Angebote und das ist auch jetzt der Fall. Aber ich kann mir sehr gut vorstellen zu bleiben. Der Verein und auch die familiäre Situation in Dresden:Das passt. Das vierte Kind kommt, unsere zweitälteste Tochter wird im Sommer eingeschult, daher spricht einiges für eine Verlängerung. Fest steht aber auf jeden Fall, dass ich weiter Fußball spiele.

Das Wichtigste ist aber sicher die sportliche Seite, wie fällt Ihr Saisonfazit aus?

Gonther: Ähnlich wie in der vorherigen Saison, als wir 47 Punkte geholt haben, haben wir eine sorgenfreie Runde gespielt und den Klassenerhalt souverän geschafft. Auch wenn wir in den vergangenen Wochen ein paar Plätze nach unten gerutscht sind, können wir zufrieden sein. Das trifft natürlich auch auf mich persönlich zu. In meinem ersten Jahr in Aue habe ich 31 Spiele gemacht, wenn nichts mehr dazwischen kommt, werden es in dieser Saison 33. So viele Partien in einer Spielzeit habe ich nur in meinem zweiten Jahr beim SC Paderborn geschafft.

Nach zwei Kreuzbandrissen, einem Muskelbündelriss und zahlreichen anderen Verletzungen keine gewöhnliche aktuelle Bilanz?

Gonther: Das stimmt und ich klopfe wirklich auf Holz. Ich habe mal geflachst, dass ich die Zeit, die mich meine Verletzungen gekostet haben, nachhole. Und ich habe Wort gehalten. Ich fühle mich gut und ich denke, ich habe es auch nicht so schlecht gemacht.

Wie erleben Sie den SC Paderborn in dieser Saison?

Gonther: Der Fußball, den der SCP unter Steffen Baumgart spielt, gefällt mir sehr. Ich schaue mir das gerne an, allerdings hat ihnen in dieser Saison ein wenig die Konstanz gefehlt.

Sie haben mehr als 250 Mal in der 2. Liga gespielt. Für die Bundesliga aber hat es nicht gereicht. Trauern Sie diesem verpassten Traum hinterher?

Gonther: Natürlich. Wer 2. Liga spielt, möchte 1. Liga spielen. Und ich war als Vierter oder Fünfter mit Paderborn und St. Pauli häufiger nah dran. Beim SCP hätten wir unter Roger Schmidt den Aufstieg auf jeden Fall verdient gehabt. Unsere 61 Punkte, mit denen wir Fünfter geworden sind, hätten in den Jahren danach immer zum Aufstieg gereicht. Verrückt, aber das ist Fußball. 2012 hatte ich ein Angebot von Eintracht Frankfurt, aber dann kam mein erster Kreuzbandriss. Dass Paderborn später ohne mich zweimal in die Bundesliga aufgestiegen ist, macht es für mich doppelt und dreifach bitter. Aber insgesamt kann ich mit den vergangenen 15 Jahren zufrieden sein.

Beim SC Paderborn begann Sören Gonther seine Profikarriere. Foto: Hörttrich

Sie haben Roger Schmidt angesprochen. André Schubert war am längsten Ihr Trainer, in Paderborn und St. Pauli. Wo ordnen Sie Ihren aktuellen Coach Dirk Schuster ein?

Gonther: Er ist ein richtig guter Trainer und passt perfekt zu Aue. Wir verstehen uns menschlich sehr gut. Er ist ein Trainer der alten Schule, legt viel Wert auf die Defensive und brennt jetzt kein Offensivfeuerwerk ab. Aber allein der Durchmarsch mit Darmstadt von der 3. in die 1. Liga spricht für ihn. Dirk Schuster ist ein Trainer, der genau weiß, was er kann und was seine Mannschaft kann. Und was noch wichtiger ist: Er weiß, was er und seine Mannschaft nicht können. Anders ausgedrückt: Er ist kein Spinner.

Gestartet ist Ihre Karriere in Paderborn und sie endet vielleicht in Aue. Da schließt sich nach den Stationen auf St. Pauli und in Dresden schon ein bisschen der Kreis.

Gonther: Aue und Paderborn haben tatsächlich einige Parallelen, alleine die Größe der Stadien mit einem Fassungsvermögen von jeweils 15.000 Zuschauern. In Hamburg und Dresden passen 30.000 Fans rein. Ich denke schon, dass in Paderborn die Erwartungshaltung durch die zwei Jahre in der Bundesliga gestiegen ist, aber für den SCP und Aue ist die 2. Liga schon eine außergewöhnliche Leistung. Das wird auf St. Pauli, aber vor allem in Dresden anders gesehen. Da gibt es eine riesengroße Erwartungshaltung. Als ich zu Dynamo kam, hieß es, es fehlen noch zwei, dann sind die 100 Spiele im Europapokal voll. Dafür hätte man aufsteigen und dann in der Bundesliga im oberen Drittel landen müssen. Die Realität aber heißt momentan 3. Liga. In Dresden machen sie gerne mal den zweiten Schritt vor dem ersten.

Bleibt Paderborn für Sie als erste Profistation immer etwas Besonderes?

Gonther: Auf jeden Fall. Ich bin dort Profi geworden und habe dicke Freundschaften geschlossen, vor allem mit Sören Brandy. Auch mit Jörg Liebeck und Thomas Bertels bin ich noch heute sehr gut befreundet und tausche mich noch häufig mit Markus Krösche aus. Ich könnte noch einige weitere dazu aufzählen, wir waren damals ein echt verschworener Haufen. In St. Pauli war ich Kapitän, in Hamburg sind meine beiden Töchter geboren. So gesehen war auch diese Zeit für mich bedeutsam, aber Paderborn wird mir immer als eine ganz tolle Zeit in Erinnerung bleiben.

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