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Paderborns Stürmer über den Tod seiner Nichte und die Zwangspause

Streli Mamba: „Ich habe versucht, stark zu sein“

Paderborn (WB). Schwer verletzt und tief getroffen: Den 21. Februar 2020 wird Streli Mamba nie vergessen. Als der 25-Jährige beim 2:3 gegen Bayern München für den SC Paderborn stürmte, kollabierte seine kleine Nichte auf der Tribüne und starb später im Krankenhaus. Mamba verletzte sich in der Partie schwer und zog sich einen Teilriss der Bizepssehne im hinteren Oberschenkel zu. Nach sieben Wochen Pause nahm er am Dienstag das Training wieder auf. Mit ihm sprach Matthias Reichstein.

Endlich wieder am Ball: Streli Mamba nahm nach mehr als sieben Wochen Pause am Dienstagvormittag das Training auf. Foto: Simon Zengerling/SC Paderborn

Streli Mamba trainiert wieder in Paderborn – wie fühlt sich nach der langen Verletzungspause so eine Rückkehr an?

Streli Mamba: Sehr gut. Am Dienstagmorgen wieder den Rasen zu betreten, war für mich schon ein besonderes Gefühl. Wenn man dann die ersten Runden absolviert, die Jungs, die Trainer und den ganzen Staff zumindest aus der Entfernung wieder sieht, ist das toll. Ich bin dankbar, dass ich wieder dabei bin.

Mit dem Trainingsstart verbinden nicht wenige SCP-Fans auch die Hoffnung, den Torjäger in dieser Saison noch einmal spielen zu sehen. Wie realistisch ist das?

Mamba: Ich fühle mich gut, aber ich stehe auch noch vor einem sehr weiten Weg. Im Moment denke ich nur von einem Tag zum nächsten. Die Belastung wird schrittweise erhöht, dann muss ich immer abwarten, wie mein Knie reagiert.

Haben Sie in München die Schwere der Verletzung sofort gespürt?

Mamba: Ich habe einen Knall gehört und hatte sofort ein ungutes Gefühl. Zunächst habe ich an einen Muskelfaserriss gedacht, den hatte ich schon mal und da waren die Anzeichen ähnlich. Doch als ich vom Strafraum noch nicht einmal zurücktraben konnte, wusste ich, da ist mehr kaputt.

Die Diagnose lautete Teilriss der Bizepssehne im hinteren rechten Oberschenkel.

Mamba: Eine schwere Verletzung ohne Einwirkung des Gegners. Ich mache einen langen Schritt, erwische aber nicht mehr den Ball und dann kommt der Knall. Aber es gibt sehr viel Schlimmeres im Leben.

Sie deuten es schon an: Am gleichen Abend kollabierte auf der Tribüne Ihre 14 Monate alte Nichte und starb später in einem Münchner Krankenhaus. Was hat dieser Schicksalsschlag mit dem Menschen Streli Mamba gemacht?

Mamba: Ich war in den ersten Tagen doppelt angeschlagen. Auf der einen Seite war da diese Verletzung, auf der anderen Seite die Familie, und ganz speziell meine Schwester, die dringend meine Hilfe brauchte. Ich habe versucht, stark zu sein und allem, was auf einen so einprasselt, Stand zu halten. Das heißt nicht, dass ich meine Gefühle unterdrückt habe. Aber die schweren Wochen haben mich nachdenklicher gemacht.

Rückt man in diesen Wochen als Familie zusammen?

Mamba: Wir sind seitdem noch mehr zu einer Einheit geworden. Ich habe versucht, immer für meine Schwester da zu sein. Ich kann ihr die Tochter nicht zurückgeben. Niemand kann das. Und für mich persönlich war es auch ein unglaublich herber Schlag. Mein Sohn Lyonel ist im gleichen Alter, deshalb hat sich dieser Tod so angefühlt, als wenn meine eigene Tochter gestorben wäre. Daher war es für mich sehr schwer, mit dieser Situation richtig umzugehen. Aber mich haben diese Wochen auch stärker gemacht.

Die Welt kennt im Moment nur ein Thema: Covid-19. Hat Sie die Wucht der Corona-Krise gerade auch in Deutschland überrascht?

Mamba: Definitiv. Mit diesen Folgen hätte ich nie gerechnet. Aber vielleicht hat diese Pandemie auch etwas Gutes. Es tut mal ganz gut, zuhause zu bleiben und über das Leben und andere Dinge abseits des Fußballs nachzudenken. Ich persönlich habe mich immer sehr schnell über gewisse Dinge aufgeregt. Diese Art der Entschleunigung tut mir gut.

Die Mannschaft hat in der Corona-Krise auch einem Gehaltsverzicht zugestimmt. Gab es da im Vorfeld viele Diskussionen?

Mamba: Nein, gar nicht. Wir sind als SC Paderborn nur ein kleiner Verein und deshalb so ähnlich wie eine Familie aufgestellt. Da steht man sich in Krisenzeiten immer zur Seite, egal was passiert. Deshalb war es für mich auch eine Selbstverständlichkeit zu helfen. So haben aber alle beim SCP reagiert. Mitspieler, Trainer, Mitarbeiter – die Solidarität ist hier groß. Dieser Club hat auch mir von Beginn an das Gefühl gegeben, immer für mich da zu sein.

Wie muss man sich diese Hilfe vorstellen?

Mamba: Als in den vergangenen Wochen bei meiner Familie in Stuttgart war, riss der Kontakt nie ab. Täglich konnte ich mich mit Mitspielern oder Trainern austauschen. Ich habe in dieser Zeit gemerkt, dass ich für den SCP wichtig bin. Das tat mir gut.

Wichtig scheint Streli Mamba auch für andere Vereine zu sein. Im Winter gab es Meldungen aus England, West Ham United würde sich für Sie interessieren.

Mamba: Ich habe darüber nur gelesen. Aber ich bin ein Typ, der sich damit nicht weiter beschäftigt. Ich stehe beim SCP bis 2022 unter Vertrag und solange ich das blau-schwarze Trikot trage, werde ich mich nicht über andere Vereine äußern.

Es gibt schlechtere Schlagzeilen...

Mamba: Wenn es Interessenten gibt, egal ob aus der Bundesliga oder aus der Premier League, ist es auf jeden Fall ein weiterer Beleg dafür, dass man als Profi irgendetwas richtig gemacht hat.

Glauben Sie noch daran, dass die unterbrochene Bundesliga-Saison zu Ende gespielt wird?

Mamba: Ich hoffe es. Ich glaube fest daran, dass es unserem Land gut tun würde, wenn der Ball wieder rollt. Die Kontaktsperre schränkt das Leben doch sehr ein, da könnten Bundesligaspiele helfen, zur Normalität zurückzufinden. Wobei ich überzeugt davon bin, dass sich in den Köpfen der Menschen einiges verändern wird.

Was meinen Sie da konkret?

Mamba:  Ich hoffe, dass einige demütiger werden. Aber jeder sollte zunächst bei sich anfangen. Ich will niemanden etwas vorschreiben, aber die Welt wird nach der Krise eine andere sein.

Haben Sie schon selbst etwas verändert?

Mamba: Ja. Aber ich behalte diese Dinge für mich. Die Menschen in meinem näheren Umfeld werden aber schnell sehen, dass sich bei Streli etwas getan hat.

Eine sportliche Frage zum Abschluss: Schafft der SCP noch den Klassenerhalt?

Mamba: Ich habe noch nie daran gezweifelt. Wir sind Letzter und es wird sehr schwer, aber die Saison fängt nach der langen Pause irgendwie wieder bei Null an. Die Mannschaften, die Anfang März noch einen Lauf hatten, werden fast acht Wochen später vielleicht Probleme haben. Deshalb ist für mich auch die Meisterschaft noch nicht entschieden.

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