Die Zweitliga-Trainer des SC Paderborn 07: André Breitenreiter und Roger Schmidt sind die Punktbesten

Tops und Flops

Paderborn

Wenn am Sonntag die Zweitliga-Partie zwischen dem SC Paderborn 07 und der SpVgg Greuther Fürth abgepfiffen wird, ist für Steffen Baumgart Schluss. Zumindest in Paderborn.

Matthias Reichstein

So war es 2014: Marvin Bakalorz verpasst kurz nach Schlusspfiff Aufstiegstrainer André Breitenreiter die erste Bierdusche. Kapitän Uwe Hünemeier (links) hat schon genug. Foto: Stefan Hörttrich

Mit dem letzten Heimspiel endet die vierjährige Amtszeit des erfolgreichsten Trainers in der 114-jährigen Clubgeschichte. Der Durchmarsch mit zwei Aufstiegen bis in die Bundesliga ist beispiellos. Etwas überraschend: Punktbester ist Steffen Baumgartdamit nicht. Weder in der 1. noch in der 2. Liga.

Die 2. Bundesliga ist mittlerweile fast schon zur „Heimat“ des Vereins geworden. Seit 2005 und damit dem zweiten Zweitligaaufstieg nach Vorgängerverein TuS Schloß Neuhaus kämpft der SCP bereits elf Jahre dort um Punkte. Doch wer war hier der erfolgreichste Coach am Rasen-Rand? Die Auswahl mit 17 Trainern in diesem relativ kleinen Zeitfenster ist sehr groß. Ganz vorn liegen mit 1,8 Zählern pro Partie Aufstiegstrainer André Breitenreiter(2013/2014) und Roger Schmidt (2011/2012). Baumgart belegt in diesem Ranking mit einem Punkteschnitt von 1,56 auf Platz drei.

Roger Schmidt hatte in Paderborn – wie André Breitenreiter – einen Punkteschnitt von 1,8 vorzuweisen. Derzeit trainiert er die PSV Eindhoven. Foto: dpa/Oliver Krato

Wobei diese Statistiken nichts über die Qualität der einzelnen Fußballlehrer aussagen. Dafür sind die Bedingungen viel zu unterschiedlich. Als Jos Luhukay 2005 übernahm, hatte der SCP weder Stadion noch Trainingszentrum. Mit der Einweihung der Arena 2008 wurden die Bedingungen immer professioneller. Der letzte Schritt war die Eröffnung des Trainingszentrums 2016. Trotzdem sind Quervergleiche beim SC Paderborn auch nicht völlig abwegig. Denn ob die Fußballlehrer nun Jos Luhukay, Holger Fach, Pavel Dotchev, Roger Schmidt, André Breitenreiter, Stefan Effenberg oder Steffen Baumgart hießen – zwei Leitplanken blieben immer gleich: ein bescheidenes Budget und das Minimalziel Klassenverbleib.

Der TuS Schloß Neuhaus verschliss gleich drei Trainer

Das galt auch schon für Paderborns Zweitligadebüt: Das war in der Saison 1982/83. Damals hieß der Verein noch TuS Schloß Neuhaus und blieb nur ein Jahr. Dafür verschliss der TuS mit Fritz Grösche, Jan Liberda und Norbert Wagner gleich drei Trainer. Wobei der Pole Liberda mit zwei Spielen und null Punkten die schlechteste Bilanz hat. Und eine, die den verstorbenen Ehrenpräsidenten Bernhard Temming lange ärgerte. Dem WESTFALEN-BLATT sagte er einmal: „Jan war ein Toptrainer. Aber damals hatten in Polen noch die Kommunisten das Sagen und Liberda bekam keine Arbeitserlaubnis.“

Drei Trainer in einer Saison verbrauchte auch der SCP. Luhukays Rücktritt nach nur einer Saison löste 2006 eine Welle aus, die den Klub fast überrollt hätte. Auf den Holländer folgte Interimslösung Markus Gellhaus, dann kam der überforderte Roland Seitz. Erst Ex-Nationalspieler Holger Fach brachte die schlingernde Mannschaft wieder auf Kurs und führte den Klub noch zum Ligaerhalt.

Die Bilanz der Zweitliga-Trainer des SC Paderborn 07 Foto: WB/Thomas Lunk

Sieben unterschiedliche Trainer waren an Bord, als der SCP zwischen 2015 und 2017 von der 1. bis in die Regionalliga durchgereicht wurde. André Breitenreiter stieg aus der 1. Liga ab, in der 2. Liga durften dann nacheinander Markus Gellhaus, Stefan Effenberg und René Müllerihr Glück versuchen. Noch eine Klasse tiefer stand ganz kurz Florian Fullandin der Verantwortung, ehe Stefan Emmerlingkam. Die Wende schaffte aber erst Steffen Baumgart.

Erwähnenswert sind noch einige andere Namen in Paderborns Trainer-Historie. Pavel Dotchev, von den Fans 2007 zum Jahrhundert-Trainer gewählt, führte den SCP 2005 in Liga zwei, durfte aber nicht bleiben und wurde durch Luhukay ersetzt. Ähnlich erging es ihm 2009, als er sogar schon kurz vor Saisonende von André Schubertabgelöst wurde und damit nicht mehr im Amt war, als der SCP erneut aufstieg. Schubert war auch der Trainer mit der größten Machtfülle. Der Fußballlehrer löste in der Saison 2008/2009 erst Christian Schreier als Manager ab, verdrängte dann Dotchev und fungierte als Teammanager.

Bemerkenswert ist ebenso die Bilanz von Roger Schmidt. Der blieb (2011/2012) nur zwölf Monate, sammelte aber wie Breitenreiter im Aufstiegsjahr 1,8 Punkte pro Partie und verspielte erst am letzten Spieltag alle Chancen.

Die dicksten Schlagzeilen schrieb Stefan Effenberg. Mit zwei Siegen startete der Weltpokalsieger im Oktober 2015 spektakulär, doch danach kam nicht mehr viel. „Effes“ erste und bis heute letzte Trainerstation, begleitet von einem für Paderborner Verhältnisse nie gekannten medialen Brimborium, war nach fünf Monaten Geschichte.

Stefan Effenberg hatte ein erfolgloses Intermezzo beim SC Paderborn 07. Foto: dpa/Friso Gentsch

Mit Breitenreiter und Baumgart gelang es bislang zwei Trainern, den SCP sogar bis in die 1. Liga zu führen. Beide belegten nach 34 Spieltagen den 18. Platz und stiegen sofort wieder ab. Allerdings mit unterschiedlichen Punkte-Bilanzen. Baumgarts Fußball war in der Saison 2019/2020 sicher spektakulärer, zu den mageren zwölf Punkten in der Hinrunde kamen in der Rückrunde aber nur noch acht dazu. Breitenreiter schloss fünf Jahre zuvor die Hinrunde mit 19 Zählern als Zehnter ab, doch die zwölf Punkte in der Rückrunde waren am Ende ebenfalls zu wenig.

Eine Liga-Bestmarke hält aber auch Steffen Baumgart: Kein anderer Paderborner Trainer schloss eine Drittliga-Saison mit 83 Punkten ab. Das reichte 2018 zur Vizemeisterschaft und zur Rückkehr in die 2. Liga.

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