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Paderborns Sven Michel steigt seit sechs Jahren auf und ab

Traum oder Albtraum

Paderborn (WB). Gekommen, um zu bleiben – dieses Versprechen gab sich Sven Michel vor zehn Monaten und stürmte als Aufsteiger in die Fußball-Bundesliga. Am Samstag (15.30 Uhr, Sky) kann damit schon wieder Schluss sein. Der SC Paderborn steht vor dem Heimspiel gegen Werder Bremen am Abgrund. Und mit ihm der Angreifer aus dem Siegerland.

Matthias Reichstein

Ein jubelnder Sven Michel: Paderborns Stürmer schoss im Hinspiel das Siegtor. Foto: Thomas F. Starke

Entweder rauf oder gleich wieder runter: Sven Michel ist Paderborns „Fahrstuhl-Experte“. Der 29-Jährige ist seit sechs Jahren ununterbrochen auf- oder abgestiegen und erlebt damit den Sport zwischen Traum und Albtraum. Erst Energie Cottbus, dann SC Paderborn – niemand kennt sich besser mit diesen Extremsituationen aus und deshalb hat sein Urteil Gewicht.

Auch wenn es wenig Hoffnung macht: „Rechnerisch ist natürlich noch alles möglich, aber realistisch gesehen müssen wir ehrlich zu uns sein und sagen: Der Klassenerhalt ist nahezu unmöglich.“

Vielversprechender Start

Dabei begann alles perfekt. Erstes Spiel in der 1. Liga und gleich ein Tor von Sven Michel – am Ende verlor der SCP zum Ligastart bei Bayer Leverkusen zwar mit 2:3, doch Lob gab es von allen Seiten. Schneller als gedacht, so schien es, war der SCP in der Elite-Liga angekommen. Was damals aber noch niemand wusste: Gute Spiele, nette Komplimente aber wenig bis keine Punkte – das sollte sich wie ein roter Faden durch die gesamte Saison ziehen.

Den Bogen kann man deshalb leicht von Leverkusen bis Leipzig spannen. Wobei beim 1:1 vor einer Woche in Sachsen dem SCP zumindest ein Punkt blieb. „Aber auch da kam Schiri Deniz Aytekin nach dem Spiel zu mir, gratulierte uns zu Mut, Moral sowie Leidenschaft und meinte: ‚Ich ziehe vor euch alle Hüte.‘ Aber dafür können wir uns nichts kaufen. Am Ende war auch dieser eine Zähler zu wenig“, erzählt Michel.

Zu selten aufgestellt

Zu wenig waren ihm auch seine Einsatzzeiten. Wobei Michel selbst von einer persönlichen Berg- und Talfahrt spricht. Er sei nach gutem Auftakt in ein Tief gerutscht und zurecht aus der ersten Elf gefallen. Dass er als eine der Säulen des Paderborner Doppelaufstiegs 2018 /2019 (29 Tore und 19 Assists) bislang aber nur zehnmal in der Startelf stand, ist ihm am Ende doch zu wenig: „Ich glaube, ich hatte mir ein paar mehr Spiele verdient. Aber alles ist gut. Der Trainer hat so entschieden und das gilt es zu akzeptieren.“

Was Steffen Baumgart noch nicht entschieden hat, ist, wer den gesperrten Streli Mamba am Samstag gegen Bremen ersetzt. „Sven ist einer, der mit seiner Power immer liefert. Sein Stellenwert innerhalb der Mannschaft ist entsprechend hoch, seine Chancen stehen gut“, sagt Baumgart, macht aber eine Einschränkung: „Mir fehlen drei Innenverteidiger, deshalb werde ich taktisch etwas umstellen müssen. Vielleicht beginnen wir gegen Bremen nur mit einer Spitze.“ Und die heißt dann wohl Dennis Srbeny.

Vertragsverlängerung ungeklärt

Der Wintereinkauf war noch nicht dabei, als Sven Michel an der Weser den SCP zum ersten Auswärtssieg schoss. An diesem regnerischen 8. Dezember saß Michel lange auf der Bank, kam erst sechs Minuten vor dem Ende und war dann ein Joker, der stach und traf: „Ein schönes Erlebnis, das sich am Samstag wiederholen darf.“

Das wäre gleichzeitig eine weitere Visitenkarte für die anstehenden Verhandlungen. Sein Vertrag läuft 2021 aus. Ob er verlängert wird, ist offen. Ein erstes Kennenlern-Gespräch mit Neu-Manager Fabian Wohlgemuth gab es, mehr aber auch noch nicht. „Ich bin für alles offen. Ich weiß aber nicht, was sich der Verein vorstellt“, sagt Michel, der am 15. Juli 30 Jahre alt wird und damit auf die Zielgerade einer Profilaufbahn auf Bundesliganiveau einbiegt.

Wie es für den Verein weitergeht, kann sich im Abstiegsfall bereits gegen Werder entscheiden. „Ich denke, der Klub hat aus den Fehlern der Vergangenheit gelernt. Die Mannschaft würde nicht wieder auseinanderfallen, ein Gerüst bleibt.“ Davon ist Michel überzeugt, der dann auch gerne ein Teil davon wäre. Gekommen 2016 in der 3. Liga, zumindest in der 2. Liga bleiben – nach sechs Jahren zwischen Traum und Albtraum wäre das auch mal ein Ziel.

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