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SC Paderborn ist Letzter, der 1. FC Köln fast gerettet

Ungleiche Aufsteiger

Paderborn (WB). Wenn der 1. FC Köln heute Abend (20 Uhr, Dazn) beim SC Paderborn antritt, hat das für Martin Przondziono mit einem „Treffen auf Augenhöhe“ noch nicht einmal annähernd etwas zu tun. „Wir können uns in der Bundesliga mit gar keinem Klub vergleichen“, betont Paderborns Manager. Für ihn ist auch das Aufsteigerduell ein ungleicher Kampf.

Matthias Reichstein

Frust und Freude im Hinspiel: Luca Kilian (links) und Sebastian Schonlau sind bedient, Kölns Bornauw (33) bejubelt das 3:0. Foto: imago

Damit meint der 50-Jährige nicht nur, aber auch das Geld. Während die Gäste vom Rhein im Sommer etwa 20 Millionen Euro in neue Spieler investierten, nahm der SCP fast zeitgleich etwa fünf Millionen Euro für Transfers ein. „Wir sind ein Entwicklungsverein. Das haben wir in unserem Leitbild verankert – auch, weil es am besten zu unserer Stadt passt“, sagt Przondziono und zieht gleich mehrere Parallelen: „Unsere Uni wächst, wir sind in OWL die digitale Leitkommune und wenn hier jemand für Innovation steht, dann der Name Nixdorf.“

Spieler bei Union Berlin deutlich älter

Przondziono versucht damit auch einen Teil der eigenen Vereins-DNA zu bewahren. Doch bei allem Respekt vor dem sportlichen Weg – mit Punkten wird der noch nicht so belohnt, wie sich dass die Verantwortlichen vorstellen. Der 1. FC Köln ist nach zuletzt sieben Siegen in neun Spielen längst enteilt, liegt 13 Punkte vor Paderborn und hat sich nach Lage der Dinge aus dem Abstiegskampf befreit. Sogar einen Zähler mehr hat der dritte Aufsteiger Union Berlin bereits verbucht. Die „Eisernen“ wählten vor Serienbeginn noch einen anderen Ansatz, investierten immerhin knapp acht Millionen Euro, aber setzten auf viel Erfahrung und schraubten den Altersschnitt im Kader auf knapp 30 Jahre hoch (beim SCP und in Köln liegt der bei 25). Przondziono: „Hut ab vor der Entwicklung in Berlin, aber das ist nicht unser Weg, der passt überhaupt nicht zu unserer Spielidee.“

SC Paderborn auf eigenes Geld angewiesen

Jung, schnell, unterklassig, gut ausgebildet, aber unterschätzt und deshalb ablösefrei – das sind einige Kriterien, nach denen der SCP seine Profis auswählt und versucht, sich mit Spielern zu messen, die zu den besten in der Welt zählen. Das alles hört sich sehr nachhaltig an und ist es in der Konsequenz auch – allerdings nicht so ganz freiwillig. „Ich kenne niemanden, der uns ein paar Millionen für Transfers zur Verfügung stellen würde. Deshalb müssen wir alles aus Eigenmitteln finanzieren. Das können wir aber nur bis zu einem gewissen Level, denn sonst laufen wir Gefahr, da zu landen, wo wir vor einigen Jahren schon mal waren“, sagt Paderborns Geschäftsführer Sport und wird dann deutlich: „Zwölf Monate Bundesliga gespielt, Luftschlösser gebaut, fast pleitegegangen und am Ende nichts erreicht.“ Das ist schon jetzt anders. Acht aktuelle Nationalspieler sind ein Beleg für Qualität im Kader. Alle Verträge gelten auch für die 2. Liga, so dass im Abstiegsfall kein begabter Kicker ablösefrei gehen könnte.

Przondziono versucht Paderborn so als Profistandort für die nächsten Jahre zu sichern und schaut dabei auch schon bis 2021 und 2022. Und das völlig ligaunabhängig. Denn das Thema Erstklassigkeit ist für den Ex-Profi noch längst nicht entschieden. Ein Punkt Rückstand auf Werder Bremen, fünf Zähler bis Fortuna Düsseldorf – zumindest Rang 16 und damit die Relegation hält er für ein realistisches Ziel. Doch dann müsste sein Verein endlich mehr und konstant punkten. Drei Niederlagen in Folge gab es zuletzt, die heutige Heimaufgabe gegen Köln steht daher schon unter der Überschrift „Pflichtsieg“. So weit würde Przondziono allerdings nie gehen. Auch das Gerede von „falschen Siegen“ mag er nicht. Sein Ansatz ist dieser: „Wir hätten die Hälfte der Spiele, die wir verloren haben, auch gewinnen können. Das ist unser Problem.“

Sperre im Kopf?

Dazu kommt, dass der SCP nicht die eine Baustelle hat oder es den einen Spieler gibt, der die Fehler macht. Zu Saisonbeginn wurde noch die Abwehr belächelt, der Angriff bejubelt. Aktuell bereitet die Torquote (noch) größere Sorgen. „Irgendwie haben die Jungs im Moment eine Sperre im Kopf”, mutmaßt der Manager und meint: „Ein Heimsieg könnte helfen.“ Die nächste Chance gibt es heute, gegen den Mitaufsteiger aus Köln.

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