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Paderborns Mittelfeldspieler kämpft trotz anhaltender Schmerzen um den Anschluss

Vasiliadis: „Ich muss jetzt liefern“

Paderborn (WB)

Sebastian Vasiliadis gehört zum festen Inventar. Er ist einer der Eckpfeiler im Team. Wenn der defensive Mittelfeldspieler fit ist, dann spielt er auch. Genau so wurde dieses ungeschriebene Gesetz beim SC Paderborn 07 umgesetzt. Die Liga war dabei egal, die Konkurrenzsituation auch. In dieser Saison hat sich für den 23-Jährigen allerdings Entscheidendes geändert

Matthias Reichstein

Fragender Blick in Richtung Trainer Steffen Baumgart: Sebastian Vasiliadis ist noch nicht schmerzfrei, kämpft aber um seinen Platz im Team. Foto: Wilfried Hiegemann

Vasiliadis ist nach zwei Verletzungen nur noch zweite Wahl. Auch am Samstag (13 Uhr, Sky), wenn der SCP beim Karlsruher SC antritt.

Bankdrücker statt Stammkraft, vom Leistungsträger zum Reservisten: Der noch immer angeschlagene Deutsch-Grieche nimmt es sportlich. Das Team funktioniere und habe ordentlich gepunktet, er dagegen wochenlang wenig bis gar nicht trainiert: „Unsere Mannschaft steht völlig zurecht in der Spitzengruppe. Dass ich im Moment nicht in der Startelf stehe, ist deshalb keine Überraschung.“

Und doch ist es zumindest eine spezielle Situation. Der zweikampfstarke Kilometerfresser war monatelang so eine Art Paderborner Lebensversicherung. Wenn Vasiliadis vor der Abwehr konsequent abräumte, nahm er der Defensive viel Druck. „Vasi ist und bleibt ein besonderer Spieler“, unterstreicht auch sein Trainer Steffen Baumgart den Wert seines Schützlings. Und doch entschied er sich zuletzt gegen den Ex-Aalener: „Wenn ich sehe, was meine Mannschaft aktuell bringt, stellt sich die Gegenfrage: Wenn soll ich aus der Startelf nehmen? Ich sehe im Moment keinen.“

Das sagte Baumgart vor dem Heimspiel gegen den FC St. Pauli (2:0), und daran hat sich eine Woche später nichts geändert: Ron Schallenberg, Svante Ingelsson und Julian Justvan sind im Zentrum gesetzt, neben Vasiliadis schauen auch Marc Terrazzino, Aristote Nkaka und der aktuell verletzte Max Thalhammer zu. Selten war der Konkurrenzkampf gerade im Mittelfeld so scharf und der Weg zurück ins Team so weit. Denn Vasiliadis ist nach seiner Verletzungspause nicht bei 100 Prozent und sagt selbst: „Ich habe noch Schmerzen.“ Erst bremste ihn eine Prellung im Sprunggelenk, als auch noch heftige Rückenschmerzen folgten, nahm ihn Baumgart für fast 14 Tage komplett aus dem Trainingsbetrieb. Das ist vier Wochen her, doch erst gegen Sankt Pauli stand der „Krieger“ vor der Viererkette wenigstens für neun Minuten auf dem Platz. Das war zumindest ein Anfang. Beim KSC wünscht sich Vasiliadis allerdings schon mehr Spielzeit, um zeitnah wieder ein wichtiger Teil der Paderborner Erfolgsgeschichte zu werden.

Wie in der Saison 2018/2019. Damals kam Vasiliadis aus Aalen und entwickelte sich relativ schnell zu einer starken Säule im Aufstiegsgebilde. Vergleiche zum Zweitligateam von vor zwei Jahren hält auch er für zulässig: „Man sieht in Ansätzen, dass wir wieder dahinkommen können. Damals waren wir allerdings schon sehr viel kaltschnäuziger vor dem Tor. Aber wir werden besser.“ Und dann? Wieder zurück in die 1. Liga? „Bundesliga will jeder spielen. Das noch einmal mit dem SCP zu erleben, wäre traumhaft“, sagt Vasiliadis, schränkt aber auch ein: „Im Moment sehe ich uns da nicht. Wenn wir aber jeden Spieltag liefern, sollte das für einen einstelligen Tabellenplatz reichen.“

Wobei das Saisonergebnis auch über die sportliche Zukunft von Vasiliadis entscheiden könnte. Nach insgesamt drei Jahren läuft sein Vertragbeim SCP in sieben Monaten aus. Dass er bereits in diesem Sommer unbedingt weg wollte, um weiter in der 1. Liga zu spielen, ist ein offenes Geheimnis. Vasiliadis selbst will sich dazu öffentlich nicht mehr äußern – auch, weil sich die Parameter für ihn in Paderborn etwas verschoben haben: „Ich muss jetzt liefern, aufholen und mit Leistung meinen Platz in der Startelf zurückerkämpfen. Danach können wir uns über andere Dinge unterhalten.“

Zeit genug hat er. Die Saison steckt Ende November noch immer in ihrer Anfangsphase, denn coronabedingt steht erst der neunte Spieltag auf dem Programm. Nach zuletzt sechs ungeschlagenen Spielen in Folge warnt Vasiliadis aber eindringlich vor dem KSC: „Das ist eine abgezockte Truppe, ganz unangenehm zu spielen.“ Ungemütlich kann auch Sebastian Vasiliadis werden. Aber eher auf dem Rasen. Nach mittlerweile 64 Einsätzen in der 1. und 2. Liga gehört er zu den routinierten Profis im SCP-Kader. Doch Erfahrung allein reicht nicht, Vasiliadis muss wieder völlig gesund und damit schmerzfrei werden. Nur nah an 100 Prozent reichen nicht, dafür ist die Konkurrenz in Paderborn zu groß.

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