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Neunmal in Folge nicht einmal im Kader und in Hannover plötzlich wieder in der Paderborner Startelf

Vasiliadis spielt und schweigt

Hannover/Paderbor...

Zum Matchwinner hat es zwar dann doch nicht gereicht, doch aus Sicht des SC Paderborn war er am Freitag beim 0:0 in Hannover ohne Zweifel so etwas wie der Mann des Abends: Sebastian Vasiliadis.

Peter Klute

Auch von zwei Hannoveranern nicht zu stoppen: Sebastian Vasiliadis behauptet sich gegen Niklas Hult (links) und Timo Hübers. Foto: Hauke-Christian Dittrich/dpa

Zum ersten Mal seit dem 2:2 am 16. Dezember gegen Eintracht Braunschweig stand der 23-Jährige wieder in der Startelf und beendete damit eine lange Leidenszeit.

Erst verletzt, dann auch aufgrund von fehlender Identifikation mehr oder weniger aussortiert: Die letzten Monate waren sicher die schwierigsten in der bisherigen Karriere des Deutsch-Griechen. 2018 vom Drittligisten VfR Aalen gekommen, fasste er in Paderborn schnell Fuß, wurde Stammspieler und stieg mit dem SCP in die 1. Liga auf. Ein Traum, den sich Vasiliadis auch nach dem Abstieg im vergangenen Sommer bewahren wollte. Aufsteiger Arminia Bielefeld war interessiert, so hätte Vasiliadis den Klassenerhalt doch noch schaffen können. Aber Paderborns Ablöse war dem Nachbarn zu hoch.

„Vasi“ schmollte und wurde im zentralen Mittelfeld von Eigengewächs Ron Schallenberg verdrängt. Auch die Neuzugänge Svante Ingelsson und Maxi Thalhammer überflügelten ihn. „Es geht nicht um Vasi. Es geht darum, wen soll ich rausnehmen?“, antwortete Trainer Steffen Baumgart auf entsprechende Fragen mit einer Gegenfrage. Nein, es gab keinen Grund zu wechseln.

Dass es Baumgart nun dennoch tat, nachdem Vasiliadis wettbewerbsübergreifend satte neunmal nicht einmal im Kader gestanden hatte, überraschte. Vor allem seine Begründung verdeutlicht, dass es wohl in erster Linie doch an der Nummer 39 selbst lag, dass er so lange auf dem Abstellgleis gestanden hat. „Vasi ist nicht nur ein Teil der Mannschaft, er ist ein sehr wichtiger Teil. Nach längerer Zeit hat er sich im Training sehr gut präsentiert. Physisch und charakterlich“, sagte Baumgart. Heißt: Das war vorher nicht so. „Er war vor einem halben Jahr noch mein bester Spieler, aber wenn jemand wechseln möchte und unzufrieden wird, wenn das nicht klappt, ist das gerade für einen jungen Spieler nicht einfach“, sagte Baumgart dazu nur.

Das finale Dilemma begann mit einem Unfall am Morgen vor dem Spiel in Osnabrück am 19. Dezember, als Vasiliadis vor der Abfahrt auf dem Parkplatz am Trainingszentrum zwei Autos rammte. Er wurde aus dem Kader gestrichen, damit er den Kopf freibekomme, hieß es. Doch der Kopf wurde nicht frei. Der Wechsel entlang der A 33 im Sommer wurde besiegelt, auch wenn er bis heute nicht offiziell verkündet wurde. Aus dem von Arminia und dem Spieler erhofften Winter-Transfer wurde aber nichts.

Seitdem die Fakten (endlich) auf dem Tisch liegen, sieht Baumgart einen „gelösten“ Sebastian Vasiliadis. Es war dennoch erstaunlich, dass der Rotschopf in der Kältekammer von Hannover bis zu seiner Auswechslung in der 65. Minute so spielte, als wäre er nie weg gewesen. Auf der Zehn war er im 4-2-3-1 der Auffälligste in Reihen der Gäste. „Seine Leistung hat mir sehr gut gefallen, er hatte vorne und hinten viele gute Aktionen“, lobte Baumgart. Beinahe hätte Vasiliadis das Spiel in Hälfte eins sogar entschieden, mit seiner eigenen Chance und einer genialen Vorarbeit für Dennis Srbeny. „Da konnten wir den tiefen Laufweg von Vasiliadis nicht kontrollieren“, kritisierte 96-Coach Kenan Kocak das Abwehrverhalten seiner Mannschaft. Da fehlte zweimal nicht viel und der SCP hätte geführt.

Vasiliadis durfte aber auch mal wieder richtig zufrieden sein. Darüber reden wollte er trotzdem nicht. „Vasi möchte sich bis auf Weiteres zurückhalten und sich auf seine sportliche Leistung konzentrieren“, teilte der Verein auf Anfrage mit. Dafür sprach noch einmal sein Trainer. Der hatte immer schon betont, dass Vasiliadis für den SCP in der Rückrunde noch wichtig werden könne und sagte jetzt: „Wir freuen uns, dass er zu alter Stärke zurückfindet.“ So ist davon auszugehen, dass dem neunten Saisoneinsatz bis Mai noch einige folgen werden. „Wenn er so auftritt, warum soll ich ihn rausnehmen?“, fragte Baumgart. Das kommt einem irgendwie bekannt vor. Und dann wird sich Vasiliadis womöglich auch wieder öffentlich äußern.

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