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Paderborns Manager-Wechsel überraschte auch Mannschaft und Geschäftsführung

Viele Fragen bleiben offen

Paderborn (WB). Am Tag danach wurde es emotional. Gegen Mittag verabschiedete sich Paderborns gefeuerter Manager Martin Przondziono von Mannschaft und Trainerteam, stieg danach in sein Auto und fuhr zur Familie. „Ich gehe mit höchstem Respekt vor dieser Mannschaft. Sie hat mit unglaublich viel Hingabe gespielt, dieses Ende ist für mich nicht einfach“, sagte der 50-Jährige.

Matthias Reichstein

Ein nachdenklicher Martin Przondziono: Nach nur zehn Monaten als Manager im Amt, ist seine Zeit beim SCP schon vorbei. Foto: Oliver Schwabe

Der Nachfolger von Markus Krösche als Geschäftsführer Sport ist beim SC Paderborn nach nur zehn Monaten schon wieder Geschichte. Bei der Ursachenforschung konnte Przondziono auch 24 Stunden später nichts Substanzielles beisteuern: „Ich weiß es nicht. Ich kenne auch nur die Pressemitteilung.“

Der dürren Begründung „unterschiedliche Auffassungen in der sportlichen Weiterentwicklung“ wollte am Dienstag zunächst niemand aus dem zehnköpfigen Wirtschaftsrat noch etwas hinzufügen. „Das war kein Schnellschuss. Unsere Entscheidung stand am Ende eines langen Prozesses“, verriet Präsident Elmar Volkmann am Nachmittag dem TV-Sender „Sky“.

Einstimmiges Votum

Gegenüber dem WESTFALEN-BLATT durchbrach Dr. Carsten Linnemann ebenfalls ein wenig später die „Mauer des Schweigens“: „Es gibt gute Gründe, aber wir brauchen jetzt Ruhe im Verein.“ Der CDU-Bundestagsabgeordnete ist als SCP-Vizepräsident auch Mitglied des Wirtschaftsrates, der sich einstimmig (!) gegen eine Weiterbeschäftigung Przondzionos ausgesprochen hatte. Dieses deutliche Votum, das den SCP mehr als eine halbe Million Euro (Przondzionos Vertrag läuft noch bis 2022) kosten dürfte, muss allerdings schon vor Tagen gefällt worden sein. Denn mit der Absetzung regelten die Klubbosse in Person von Fabian Wohlgemuth auch direkt die Nachfolge.

Dennoch bleiben viele Fragen offen. Das nach außen sehr undurchsichtig wirkende Paderborner Personal-Puzzle wurde auch von den direkt Beteiligten nicht bemerkt. Der Kader des Bundesliga-Schlusslichts war erst am Montagabend telefonisch informiert worden, am Dienstagvormittag trat dann Volkmann persönlich vor die Mannschaft. Der 73-Jährige soll auch hier den Rausschmiss nicht näher erläutert haben, Kapitän Christian Strohdiek wollte die Trennung aber ohnehin nicht näher kommentieren: „Das steht mir nicht zu, ich werde auch nicht die Arbeit von unserem Sport-Geschäftsführer bewerten. Ich kann aber sagen, dass Martin Przondziono alles dafür getan hat, um für das Team da zu sein.“

Gute Noten von Hornberger

Gute Noten gab es von Przondzionos Geschäftsführer-Kollegen Martin Hornberger. Auch der 58-Jährige war von der Entwicklung überrascht worden, bedankte sich für die „vertrauensvolle sowie angenehme Zusammenarbeit“ und verwies bei Nachfragen auf den Wirtschaftsrat: „Ich bin über die Entscheidung informiert worden, nicht über die Hintergründe.“ Przondzionos Vorgänger Markus Krösche (RB Leipzig) reihte sich ebenso in die Gilde der Ahnungslosen ein („Ich war baff“), den vielen Äußerungen wollte Chefcoach Steffen Baumgart auch mit einem Tag Abstand nicht viel mehr hinzufügen: „Ich habe mit Martin vernünftig zusammengearbeitet, jetzt müssen wir mit der neuen Situation umgehen und werden sehen, wie es weitergeht.“

Auf jeden Fall mit Fabian Wohlgemuth. Der 41-Jährige war nach siebenjähriger Tätigkeit als Leiter des Nachwuchsleistungszentrums beim VfL Wolfsburg bis zum Oktober 2019 bei Holstein Kiel für die sportliche Entwicklung zuständig und wurde dann entlassen. In seiner Kieler Zeit sind sich Manager und SCP-Trainer auch mal begegnet. „Dass wir uns kennen, wäre aber zuviel gesagt“, meinte Baumgart. Die beiden Herren wollen Versäumtes nun schnell nachholen. Wohlgemuth, der als sehr gut vernetzt gilt, hielt sich mit Äußerungen noch zurück: „Ich freue mich, in Paderborn zu sein. Aber ich bin erst ab 1. Mai im Amt, bis dahin gibt es keine Kommentare.“

Przondzionos Personalpolitik im Überblick

Zugänge: Gerrit Holtmann (ausgeliehen vom FSV Mainz 05), Laurent Jans (ausgeliehen vom FC Metz), Abdehamid Sabiri (Huddersfield Town), Dennis Srebny (Norwich City), Samuel Fridjonsson (Valerenga Oslo), Anthony Kenneth Evans (FC Everton), Dennis Jastrzembski (ausgeliehen von Hertha BSC), Co-Trainer Maniyel Nergiz (SC Verl)

Abgänge: Phillip Tietz (SV Wehen Wiesbaden), Mohammed Kamara (Vertrag aufgelöst), Sergio Gucciardo (ausgeliehen an SV Lippstadt), Felix Drinkuth (ausgeliehen an Hallescher FC), Philippos Selkos (Panionios Athen), Tobias Schwede (SV Wehen Wiesbaden), Cauly Oliveira Souza (Ludogorez Rasgrad), Marcel Hilßner (ausgeliehen an Hallescher FC), Johannes Dörfler (ausgeliehen an FSV Zwickau), Babacar Gueye (Karlsruher SC), Michael Ratajczak (Hannover 96)

Verträge verlängert: Steffen Baumgart (bis 2021), Dominik Bilogrevic (bis 2021), Adrian Oeynhausen (bis 2022 plus Option für weiteres Jahr), Jesse Tugbenyo (bis 2021 plus Option für weiteres Jahr)

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