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Paderborns Manager Fabian Wohlgemuth will Sebastian Schonlau und Christopher Antwi-Adjei unbedingt halten

„Wir haben das aktuell Mögliche ausgereizt“

Paderborn (WB)

Top-30 in Deutschland – zu diesem elitären Kreis zählt sich der SC Paderborn 07. Nach Lage der Dinge ist der Klassenerhalt 2021 nicht gefährdet. „Wenn wir uns aber jedes Jahr, egal in welcher Liga, mit unserem Etat im unteren Drittel einordnen, können wir nicht auf Dauer den Erfolg garantieren“, warnte Trainer Steffen Baumgart.

Matthias Reichstein

Paderborns Manager Fabian Wohlgemuth hat viel zu tun. Foto: Jörn Hannemann

Paderborns ehrgeiziger Coach will jedoch nicht nur um den Ligaverbleib kämpfen, sondern eine Mannschaft aufbauen, die in naher Zukunft wieder um den Aufstieg mitspielen kann. Beim „digitalen SCP-Stammtisch“ in der vergangenen Woche (WB vom 19. Februar) forderte er den Verein sogar öffentlich dazu auf, alles zu tun, um Spieler wie Sebastian Schonlau, Christopher Antwi-Adjei oder Chris Führich zu halten.

Wen er da genau in der Verantwortung sieht, sagte Baumgart nicht. Wen er aber ausdrücklich nicht meinte, war Manager Fabian Wohlgemuth: „Auch ihm sind die Hände gebunden. Was an Geld nicht da ist, kann er auch nicht ausgeben.“

Der Tabellenplatz ist zu einem sehr großen Teil vom Geldeinsatz abhängig. Nichts anderes sagt Baumgart – und hier liegt das Problem. Sicher ist beim SCP nur, dass der Verein mit Beginn der neuen Saison zu den 36 Erst- und Zweitligisten zählt, die insgesamt 200 Millionen Euro weniger TV-Honorar bekommen. Bei den Ostwestfalen werden die Einnahmen daher allein in diesem Sektor von etwa 14 auf zwölf Millionen Euro sinken. Ob der SCP wieder mit Erlösen aus dem wichtigen Ticketing kalkulieren kann, ist unklar.

Präsidium und Aufsichtsrat müssen also neue Geldquellen erschließen. Wie schwierig das ist, zeigte die Ausgliederung der SCP-Profiabteilung in eine Kapitalgesellschaft (KGaA). Das war Ende Mai 2018 und der damalige Vizepräsident Dr. Rudolf Christa erhoffte sich davon bis zu zehn Millionen Euro „fresh money“ für den damaligen Drittligisten. Das ging gründlich schief.

„Was passiert mit der Mannschaft? Wie stellt sich der Verein für die Zukunft auf?“ Der 49-jährige Baumgart hatte vergangene Woche mit seinen Fragen eine Debatte angestoßen, die auch in den Führungsgremien des Vereins wahrgenommen wurde. „Wir müssen und wollen neue Geldgeber finden, oder bestehende Verträge erweitern“, sagte Präsident Elmar Volkmann dieser Zeitung und stimmte indirekt dem Trainer zu: „Die Automatik, weniger TV-Geld gleich geringerer Etat, kann nicht aufgehen. Da müssen wir schon sehr viel kreativer werden.“

Aktuell will der 74-Jährige aber zunächst die Vertragsgespräche zwischen Wohlgemuth und Baumgart abwarten. Erst wenn beide Seiten zumindest zu einem Zwischenergebnis kommen, würde er weiteren Handlungsbedarf sehen. Wobei Volkmann auch über andere Verhandlungen sprach: „Coronabedingt stehen wir wirtschaftlich unter besonderem Druck. Deshalb sind wir weit über die Grenzen des Hochstifts hinaus auf der Suche nach weiteren Sponsoren oder Investoren.“

Wohlgemuth muss bis zum 15. März die Lizenzierungsunterlagen bei der DFL einreichen. Grundsätzlich soll jeder sportlich qualifizierte Klub die Lizenz erhalten. Dennoch wird wieder die Wirtschaftlichkeit geprüft. Ob der Zehn-Millionen-Etat für die Zweitliga-Profis angesichts der finanziellen Probleme erneut gekürzt werden muss, wollte der Manager nicht sagen. Das wird aber ein Thema für das Treffen mit dem Trainer sein. Wie der neue Kader. Routinier Uwe Hünemeier soll noch ein Jahr bleiben, bei Sebastian Schonlau und Christopher Antwi-Adjei liegen die Zahlen auf dem Tisch. Wohlgemuth äußerte sich so: „Wir haben beiden Angebote unterbreitet, die die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit unseres Klubs maximal fordern. Es ist immer eine Frage der Abwägung, aber hier haben wir auch auf der finanziellen Seite das aktuell Mögliche ausgereizt.“

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