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Halbfinal-Einzug

Emotionale Reise: Dänemark träumt vom zweiten EM-Triumph

Baku (dpa)

Dänemarks Fußballer leben weiter ihren Traum. Bei der Europameisterschaft ziehen sie ins Halbfinale ein. Im Viertelfinale war ein Patrik Schick bei Gegner Tschechien zu wenig.

Von Florian Lütticke und Martin Kloth, dpa

Dänemarks Spieler feiern nach dem Spiel mit einigen Fans den Einzug ins EM-Halbfinale. Foto: Naomi Baker/Pool Getty/dpa

Kasper Hjulmand jubelte mit einem rot-weißen Schlapphut auf dem Kopf den Fans zu, der überragende Thomas Delaney hüpfte mit nacktem Oberkörper eingehüllt in eine Fahne auf und ab. Entkräftet, aber überglücklich feierten die dänischen EM-Helden auf ihrer Reise die nächste große Party.

Auch Minuten nach dem Schlusspfiff zum 2:1 (2:0) gegen Tschechien machte das Team die Welle und ließ sich für den Einzug ins Halbfinale feiern. Dank einer starken ersten Halbzeit gewann die Auswahl von Hjulmand das Viertelfinale zweier Außenseiter in Baku vor 16.306 Zuschauern und steht erstmals seit dem EM-Triumph 1992 wieder unter den besten Vier. «Das war unser Ziel von Beginn an: Wir wollten nach Wembley», sagte Borussia Dortmunds Delaney, der als Spieler des Spiels ausgezeichnet wurde. «Plötzlich sind wir da, das ist schwer zu glauben.»

Angetrieben von gut 1000 mitgereisten Fans, die auch eine Botschaft an Christian Eriksen richteten, erzielten Delaney (5. Minute) per Kopf und Kasper Dolberg (42.) nach Traumflanke von Joakim Maehle die Tore für Dänemark. Die Skandinavier treffen nun am Mittwoch in London auf England und dürfen vom zweiten EM-Triumph nach 29 Jahren träumen. «Wir haben Geschichte geschrieben, es ist so lange her, dass Dänemark im Halbfinale war», schwärmte Jens Stryger Larsen.

Für die Tschechen war auch das fünfte Turniertor von Bayer Leverkusens Patrik Schick (49.), durch den dieser den EM-Landesrekord von Milan Baros egalisierte, zu wenig. Nach dem bitteren Ende einer starken EM saß Schick zusammengekauert und alleine auf der Bank. «Das ist Fußball, es geht um Fehler, wir sind raus. Wenn wir zurückschauen, verdienen wir großen Respekt», sagte er. «Es haben nicht viele Menschen an uns geglaubt, wir haben gezeigt, dass wir mit den ganz Großen mithalten können. Ich bin stolz auf dieses Team.»

Traum vom zweiten EM-Triumph

In der schwülen Abendhitze von Baku waren die dänischen Fans auf den Tribünen in der Überzahl. Viele hatte sich den Tag über schon im Park Khagani Garden der Hauptstadt Aserbaidschans warmgefeiert. Der Verband hatte 50 der treuesten Anhänger das Flugticket und die Eintrittskarte für das Viertelfinale spendiert, mehr als 1000 Fans nahmen die weite Reise ans Kaspische Meer auf sich. «Wir sind froh über unsere Fans, sie sind verrückt. Sie wissen, wie viel es uns bedeutet, dass sie hier hergekommen sind und uns unterstützt haben», sagte Hjulmand. «Das ist einer der Gründe, warum wir so viel Energie haben.»

Die emotionale Bindung zwischen Anhängern und Mannschaft war während des Turniers durch das Drama um Eriksen, der im ersten Spiel fast gestorben wäre, noch enger geworden. In einem Block mit dänischen Fans hing ein Plakat mit der Aufschrift: «FOR CHRIS10AN». Vor dem Spiel wurde auf dem Rasen wie bei vorigen Partien ein Trikot mit dessen Nummer 10 ausgebreitet. «Ich denke jeden Tag an Christian», sagte Coach Hjulmand nach dem Spiel. «Ich bin froh, dass er überlebt hat. Wir haben in hier hin mitgenommen und werden ihn auch mit nach Wembley nehmen.»

In der Neuauflage des EM-Viertelfinals von 2004, das Tschechien seinerzeit mit 3:0 gewonnen hatte, übernahmen die Dänen früh die Initiative, ließen den Ball laufen und erzielten bereits nach fünf Minuten und der ersten, allerdings umstrittenen Ecke das 1:0. Delaney kam nach der Hereingabe von Stryger Larsen frei zum Kopfball und versenkte den Ball als Aufsetzer unhaltbar im Tor der Tschechen.

Tschechen drängen vergeblich auf Ausgleich

Insgesamt kam Tschechien nach dem Rückstand besser ins Spiel, allerdings war Schick zu Beginn noch abgemeldet. Die Dänen verlegten sich auf Konter - so fiel auch das 2:0. Der Ex-Bremer Jannik Vestergaard spielte einen Steilpass auf Maehle, der mit dem Außenrist spektakulär von links in den Strafraum flankte. Dort brauchte Dolberg nur noch den Fuß hinzuhalten. «Ich habe ihn gefragt, ob er ihn wirklich mit dem Außenrist gespielt hat», berichtete Delaney ungläubig über die Vorlage von Maehle. «Mann, er spielt so gut.»

Die Tschechen drängten nach der Pause auf den Anschlusstreffer. Nachdem Schmeichel noch großartig einen Schuss von Antonin Barak (47.) parierte, war er kurz darauf gegen den Abschluss von Schick zum 1:2 (49.) machtlos, als dieser eine Hereingabe von Vladimir Coufal platziert ins Tor schoss. In der mit zunehmender Spielzeit zerfahrener werdenden Partie hatte der eingewechselte Poulsen in 78. Minute die Chance zur Vorentscheidung, doch Vaclik parierte bravourös. In der Schlussphase verstärkten die Tschechen ihre Ausgleichsanstrengungen, auch Darida durfte aufs Feld. Doch auch die letzten verzweifelten Angriffsversuche bleiben erfolglos - die dänische Party auf der Tribüne konnte starten.

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