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Fußball-EM

Frankreich: «Drei Musketiere» auf der Suche nach Harmonie

Bukarest (dpa)

Nach dem WM-Titel 2018 will Frankreich unbedingt auch Europameister werden. Als großes Pfund soll ein hochbegabtes Sturm-Trio helfen. Doch ausgerechnet das funktioniert bisher nicht wie gewünscht.

Von Holger Schmidt, dpa

Hat sich noch nicht gefunden bei der EM: Frankreichs Sturm-Trio Karim Benzema (l) Antoine Griezmann (M) und Kylian Mbappe (r). Foto: Federico Gambarini/dpa

Als sich vor der EM im Weltmeister-Land Frankreich Euphorie wegen der «Drei Musketiere» breitmachte, erinnerte manch einer mahnend an die WM 2002. Damals reiste Frankreich als Welt- und Europameister mit einem Giganten-Sturm zur WM.

In Thierry Henry (England), David Trezeguet (Italien) und Djibril Cissé (Frankreich) bildeten Torschützenkönige den Angriff. Am Ende schieden die Franzosen ohne ein Tor in der Vorrunde aus.

Dagegen ist das Wehklagen über das heutige Traum-Trio Kylian Mbappé (Paris St. Germain), Karim Benzema (Real Madrid) und Antoine Griezmann (FC Barcelona) eines auf hohem Niveau. Vordergründig ist sogar alles okay: Die Franzosen haben die schwerste Vorrundengruppe ungeschlagen als Erster überstanden und außer dem Eigentor von Mats Hummels wurden alle Treffer von diesem Trio erzielt. Doch das ist längst nicht die ganze Wahrheit. Und so ist vor dem Start in die K.o.-Runde am Montag in Bukarest gegen die Schweiz (21.00 Uhr/ZDF und Magenta TV) durchaus Unruhe ausgebrochen. Vor allem in Bezug auf den immer noch torlosen Mbappé.

Drei, die sich noch finden müssen

«Man muss fragen, wie der Angriff, um den uns der ganze Kontinent beneidet, zu dem wird, den Europa fürchtet», schrieb das Fachblatt «L'Equipe»: «Zweifelsohne: Die drei suchen sich noch. Aber sie finden sich nicht. Jedenfalls nicht genug.» Der 98er-Weltmeister und Ex-Stürmer Stéphane Guivarc‘h erklärte als Experte des Blattes: «Mit den dreien da vorne sind wir etwas unzufrieden. Aber ich denke, sie werden noch Fahrt aufnehmen.»

Das werden sie müssen, wollen die Franzosen den Titel holen. Im Raum steht vor allem die Frage, ob Didier Deschamps, ähnlich zu Joachim Löw im Fall von Thomas Müller, Benzema nicht zu spät zurückgeholt hat. Nach mehr als fünfjähriger Verbannung stieß der 33-Jährige erst zur Vorbereitung zum Team. Deschamps hatte ihn, allen disziplinarischen Gründen aus der Vergangenheit zum Trotz, als fehlendes Puzzle-Teil für ein titelreifes Sturm-Trio ausgemacht.

Benzema selbst habe sich durchaus bewährt, schrieb «L'Equipe»: «Aber zu einem hohen Preis. Weil er die Statik und das Gleichgewicht im Spiel verändert hat.» Die kurze Zeit zum Einspielen hatte Benzema im Vorfeld nicht als Problem erachtet. «Topspieler müssen keine 100 Spiele zusammen bestreiten», sagte er: «Die beiden sind technisch so gut, dass es einfach sein wird, mit ihnen zu harmonieren.»

Genau letzteres ist bisher das Problem. Griezmann spielte in der gesamten Vorrunde ganze sechs Bälle auf Benzema. Mbappé sogar nur fünf auf Griezmann. In drei Spielen. Bisher sind es drei Solisten, die noch nicht zusammengefunden haben. Das Musketier-Motto «Einer für alle, alle für einen» gilt noch nicht.

Respekt vor dem besten Sturm der EM

Der Respekt der Schweizer vor dem Trio, und vor allem Mbappé, ist trotzdem riesig. «Das ist der beste Sturm dieser EM», sagte der Ex-Wolfsburger Ricardo Rodriguez. Und Defensivspieler Silvan Widmer bezeichnete Mbappé als «einen Schnellzug mit unglaublich Speed».

Man könnte auch positive Statistiken über den 22-Jährigen raussuchen. Mit 17 Dribblings hat Mbappé die meisten der Vorrunde hingelegt. Er war an drei von vier Toren beteiligt. Aber im Gegensatz zu Griezmann (ein Tor) und Benzema (zwei) hat der wertvollste Spieler der Welt eben noch nicht getroffen.

«Für sein Ego ist das sehr frustrierend», sagte der frühere Nationalstürmer und Bayern-Profi Jean-Pierre Papin: «Aber ich mache mir überhaupt keine Sorgen um ihn.» Auch für den 2002 beteiligten Cissé ist der erste Mbappé-Treffer nur eine Frage der Zeit. «Dass er als Einziger noch nicht getroffen hat, wird ein Adrenalin-Kick für ihn sein. Er hat sicher nur auf einen besonderen Moment gewartet.»

So ähnlich sieht es Griezmann. Als Benzema vor dem letzten Gruppenspiel wegen seiner Torlosigkeit in der Kritik stand, sagte der Torschützenkönig der EM 2016: «Wenn der Wasserhahn erst einmal offen ist, wird es fließen.» Beim 2:2 gegen Portugal traf Benzema doppelt.

Die voraussichtlichen Aufstellungen:

FRANKREICH: 1 Lloris - 2 Pavard, 4 Varane, 3 Kimpembe, 21 Hernandez - 6 Pogba, 13 Kanté, 14 Rabiot - 7 Griezmann - 19 Benzema, 10 Mbappé

SCHWEIZ: 1 Sommer - 4 Elvedi, 5 Akanji, 13 Ricardo Rodriguez - 3 Widmer, 8 Freuler, 10 G. Xhaka, 14 Zuber - 23 Shaqiri - 9 Seferovic, 7 Embolo

Schiedsrichter: Fernando Andres Rapallini (Argentinien)

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