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Letztes Gruppenspiel

Kroatien droht Aus - Schottland will «Geschichte schreiben»

Glasgow (dpa)

Der «Schock» um den positiven Corona-Test von Schottlands Jungstar überlagert die Vorbereitung auf das brisante Gruppenfinale. Vizeweltmeister Kroatien will das jähe Vorrunden-Aus unbedingt verhindern.

Von Christian Kunz und Kathrin Lauer, dpa

Luka Modric droht mit Vize-Weltmeister Kroatien das frühe EM-Aus. Foto: Petr David Josek/AP Pool/dpa

Vizeweltmeister Kroatien geht das Alles-oder-Nichts-Spiel nach einem Corona-Fall des Gegners «besorgt» an.

Schottland will seine Fans trotz des Wirbels um seinen Jungstar Billy Gilmour mit einem unvergesslichen Moment in seiner Fußball-Historie beschenken. «Ich hoffe, jeder verlässt das Stadion mit einem großen Lächeln», sagte Braveheart-Trainer Steve Clarke, der die Corona-Sorgen um Gilmour ausblenden wollte. «Das war ein Schock für uns alle», sagte Kapitän Andy Robertson vom FC Liverpool.

Nur ein Sieg hilft den beiden Kontrahenten im spannungsgeladenen Gruppenfinale im legendären Hampden Park weiter. «Vor der EM wussten wir, dass das dritte Spiel das entscheidende wird. Es ist die letzte Chance. Die wollen wir ergreifen», sagte Kroatiens Trainer Zlatko Dalic - und machte sich nach dem positiven Corona-Fall bei den Schotten reichlich Gedanken. «Wir sind besorgt, aber leider müssen wir dieses Spiel spielen», sagte Dalic in Glasgow. Er wies darauf hin, dass die Bedingungen nicht für alle Teams dieselben seien. Die Kroaten hegen die Sorge, bei einem eigenen positiven Fall als Team in Quarantäne zu müssen.

«Als ginge es um unser Leben»

Doch das darf für sie vor dem entscheidenden Gruppenspiel am Dienstag (21.00 Uhr/MagentaTV) keine übergeordnete Rolle spielen. «Jetzt müssen wir auf dem Platz so auftreten, als ginge es um unser Leben, die drei Punkte holen und dann hoffen, dass es reicht», forderte der künftige Leipziger Verteidiger Josko Gvardiol.

Gilmour, das predigten alle Schotten, müsse für das heiße Duell ersetzt werden. «Das ist die Chance für jemand anderen, in die Mannschaft zu kommen», stellte Clarke gewohnt nüchtern fest. Am Ziel der nach dem 0:0 in England euphorisierten Schotten ändert das nichts. «Wir wissen, dass wir mit einem Sieg Geschichte schreiben können», sagte Torhüter David Marshall.

Der große Druck liegt sowieso beim Favoriten. Drei Jahre nach dem atemberaubenden und erst im Finale von Frankreich gestoppten WM-Auftritt soll ein Erfolg eine Initialzündung für die Europameisterschaft auslösen. «Mein ganzes Leben und meine ganze Karriere waren bisher ein einziger Kampf, aber ich bin nie davongelaufen», sagte Dalic.

Kroaten wollen «wahres Gesicht» zeigen

Die Anhänger wollen nach dem 0:1 gegen England und einer schwachen ersten Hälfte beim 1:1 gegen Tschechien wieder einen Sieg der Feurigen sehen - am liebsten eine Rückkehr zur WM-Form. «Wir müssen uns auf unser Spiel, unser Team und den Sieg konzentrieren», sagte Flügelspieler Ivan Perisic, als er auf den positiven Corona-Fall von Gilmour angesprochen wurde. «In der Vergangenheit haben wir immer unser wahres Gesicht gezeigt, wenn wir es mussten.»

Die Tartan Army hat im Gegensatz zum Favoriten nichts zu verlieren. «Das ist eine einmalige Gelegenheit für uns», pries Keeper Marshall. Gepusht von viel Lob nach dem Remis bei Titelkandidat England wollen die Schotten mit der berühmten Leidenschaft auch das Aus für Champions-League-Sieger Gilmour, der für zehn Tage in häusliche Quarantäne muss, wegstecken. Weitere Kontakte wurden zunächst nicht festgestellt. Trainer Steve Clarke plant demnach mit einer Auswahl aus 25 Spielern, die für den geplanten Coup zur Verfügung stehen: Die Briten haben bei zwei EM- und acht WM-Teilnahmen noch nie die erste Runde überstanden. Glückt's jetzt?

Nach nur einem Punkt aus zwei Gruppenspielen hoffen beide Nationalteams auf den eigenen Sieg und passende Ergebnisse der Konkurrenz. Das sichere Weiterkommen auf Rang zwei gelingt Kroatien nur bei einem eigenen Sieg gegen Schottland und einer Niederlage im zeitgleichen Spiel von Tschechien gegen England, nach der die Kroaten die bessere Tordifferenz als Tschechien haben. Für Schottland bedeuten ein Unentschieden oder eine Niederlage gegen Kroatien das Aus. Bei einem Sieg müssten die Schotten hoffen, dass es zu einem Platz unter den besten vier Gruppendritten reicht.

Das Problem: Beim EM-Comeback nach 25 Jahren muss dafür das erste EM-Tor nach einem Vierteljahrhundert her. Im Jahr 1996 glückte nur Ally McCoist im letzten Gruppenspiel beim 1:0 gegen die Schweiz ein Törchen. «Hoffentlich machen wir ein oder zwei Tore, denn sonst geht's nach Hause», sagte Co-Trainer Steven Reid.

Die voraussichtlichen Aufstellungen

KROATIEN: 1 Livakovic - 2 Vrsaljko, 6 Lovren, 21 Vida, 25 Gvardiol - 10 Modric, 11 Brozovic, 8 Kovacic - 26 Ivanusec, 4 Perisic - 20 Petkovic

SCHOTTLAND: 1 Marshall - 4 McTominay, 5 Hanley, 6 Tierney - 2 O'Donnell, 17 Armstrong, 8 McGregor, 7 McGinn, 3 Robertson - 9 Dykes, 10 Adams

Schiedsrichter: Fernando Andres Rapallini (Argentinien)

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