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Remis gegen Schweden

Reizfigur Morata - Spaniens «Torlosigkeit ist ein Alptraum»

Sevilla (dpa)

Der Unmut der spanischen Fans zielt besonders auf Alvaro Morata. Trainer Luis Enrique will das aber erst gar nicht weiter hochkochen lassen. Er wünscht sich Unterstützung.

Von Jens Marx, dpa

Pariert: Schweden-Keeper Robin Olsen klärt gegen Spaniens Alvaro Morata. Foto: Julio Munoz/EPA Pool via AP/dpa

Luis Enrique verteidigte standhaft Reizfigur Alvaro Morata. Die erneuten Pfiffe im eigenen Land gegen den glück-, vor allem aber wieder torlosen Angreifer der spanischen Fußball-Nationalmannschaft gefallen dem 51 Jahre alten Coach ganz und gar nicht.

«Wir alle wünschen uns, dass die Fans ihn unterstützen», betonte Enrique. Morata wurde am Montagabend aber zu so etwas wie dem Sinnbild eines Fußballspiels mit nahezu grotesken Pass- und Ballbesitzwerten, das mit einer Nullnummer gegen Schweden endete und Spanien im Duell der Enttäuschten am kommenden Samstag (21.00 Uhr/ARD und Magenta TV) mit Polen schon gehörig unter Druck setzt.

«Da muss noch einiges kommen, wenn sie die Gruppenphase überstehen wollen», befand der deutsche Ex-Weltmeister Per Mertesacker als TV-Experte des ZDF. «Spanien hat ein Problem», urteilte die Zeitung «El Mundo». «Die Torlosigkeit ist ein Alptraum», meinte das «Diario de Sevilla» am Tag danach, der auch wettermäßig irgendwie zur Stimmung nach dem 0:0 in der andalusischen Metropole passte: Leicht abgekühlt und grauer dichter Wolkenhimmel.

Auch schon im letzten Testspiel vor der EM war die «Seleccion» beim 0:0 gegen Europameister Portugal leer ausgegangen. Auch in dieser Partie hatte es Unmutsbekundungen gegen Morata gegeben. Er verstehe die Pfiffe nicht, betonte RB Leipzigs Dani Olmo, er war der Gefährlichste im Angriff der Spanier.

Mit Morata hatte er wie auch Ferran Torres, beim 6:0 im November in der Nations League gegen Deutschland noch von den Spaniern umjubelter Dreifach-Torschütze, eines gemeinsam: Auch Olmo brachte den Ball, den die Mannschaft von Enrique Dreiviertel der Partie in ihrem Besitz hatte, einfach nicht ins Netz. «Spanien spielt, kontrolliert und dominiert, aber findet das Tor nicht», meinte «Marca». «Belagerung ohne Treffer», schrieb «As» auf der Titelseite.

Zum einen weil Robin Olsen im Tor der Schweden einen Glanztag erwischt hatte, zum anderen weil ganz vorn aber auch die Entschlossenheit, die Konzentration und womöglich auch der manchmal notwendige Egoismus eines Superstürmers fehlte.

Mit der skandinavischen Catenaccio-Interpretation zwangen die Schweden Spanien zudem immer wieder, den Ball quer zu spielen. 852 angekommene Pässe zählten die Statistiker der UEFA bei den Spaniern. Die Schweden kamen auf 103. 17 Torabschlussversuche notierte Spanien (5 aufs Tor, 8 nicht aufs Tor, 4 geblockt). Vier schafften die Schweden, keiner davon ging aufs Tor. Was daran lag, dass der ehemalige HSV-Spieler Markus Berg die beste Gelegenheit vor dem nahezu leeren Tor versemmelte.

«Wir werden das Spiel wie immer analysieren. Diesmal ist es aber klar», erklärte Enrique: «Wir haben das Spiel komplett kontrolliert. Wir haben so viele Chancen wie möglich kreiert. Was falsch gelaufen ist: Wir haben die Chancen nicht genutzt. Das hat ja jeder gesehen.»

Ebenso, dass jener seit einiger Zeit von einigen Fans kritisch beäugte Morata die beste Chance in der ersten Hälfte nicht nutzte. Enrique lobte den vom spanischen Meister Atlético Madrid an Juventus Turin ausgeliehenen 28-Jährigen aber demonstrativ als «großartigen Spieler».

Doch klar ist auch: nach zwei Nullnummern wächst der Druck insbesondere auf die Sturmabteilung. Oder auch auf Spieler, die einfach mal mit fußballerischer Urgewalt und wilder Entschlossenheit den Ball ins Tor bringen. «Es ist klar, dass hier Sergio Ramos fehlt», urteilte die «Marca». Auf den Rekordnationalspieler, der immer wieder auch in wichtigen Partien mit nach vorn gegangen war und als Abwehrchef Tore erzielt hatte, hat Enrique in seinem Kader verzichtet. Nachvollziehbarerweise allerdings: Selbst bei Real Madrid war die Vereinsikone nach Verletzungen nicht mehr gesetzt.

Gegen Polen muss nun ein Sieg her, sonst könnte es für die Spanier schon richtig eng werden, auch wenn Enrique einen Plan B und C hat. «Wir wollen die Gruppe immer noch gewinnen, wenn das nicht klappt, wollen wir zu den vier besten Drittplatzierten gehören.» Im letztgenannten Fall müsste er als Trainer eines Mitfavoriten vermutlich auch sich selbst standhaft verteidigen.

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