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Serie A

Zwei Deutsche bauen ältesten Club Italiens um

Genua (dpa) -

Der CFC Genua ist der älteste Fußballverein Italiens. Zwei Deutsche sollen den abstiegsbedrohten Club fit für die Zukunft machen: Coach Blessin und Sportchef Spors.

Von Manuel Schwarz, dpa

Genuas Trainer Alexander Blessin lässt sich von den Fans feiern. Foto: Luca Zennaro/ANSA via ZUMA Press/dpa

Trainer Alexander Blessin steht vor der Fankurve des CFC Genua und lässt sich von den verzückten Tifosi feiern wie nach einem Titelgewinn. Sportchef Johannes Spors gratuliert dahinter jedem einzelnen seiner Spieler zum emotionalen Erfolg.

Zwei Deutsche haben Genua in Euphorie versetzt - und Tausende Fans stimmen nach dem 1:0 über den FC Turin den Italo-Pop-Klassiker «Gente di mare» an.

Nein, von Titeln ist das Team aus der norditalienischen Hafenstadt ganz weit entfernt; in dieser Saison wäre schon der Klassenerhalt in der Serie A eine Überraschung. Spätestens nach dem zu zehnt erkämpften Sieg über Turin am vorigen Wochenende aber glauben sie in Genua an das Wunder. Und das hat mit den Deutschen zu tun, die den ältesten Fußballverein des Landes fit machen sollen für die Zukunft - dabei hatte einer im Alter von Mitte 20 noch Lehramt studiert.

Die Deutschen sollen für eine «klare Struktur» sorgen

«Nothing is impossibile», sagt Blessin in einer Mischung aus Englisch und Italienisch. Der 48-Jährige und der erst 39 Jahre alte Sportchef haben sich in den italienischen Fußball-Annalen verewigt als erster deutscher Chefcoach und erster deutscher Sportdirektor in der Serie A. Die Verpflichtungen waren mutige Entscheidungen, sind die zwei Baden-Württemberger doch eher unerfahren im Profi-Geschäft.

«Mein Auftrag ist in erster Linie, für eine klare Struktur zu sorgen, für Kommunikation zu sorgen, dass alle in eine Richtung gehen und wir es schaffen, den Verein zu transformieren und zu modernisieren», sagt Spors der Deutschen Presse-Agentur. Der gebürtige Heidelberger war Anfang Dezember als Generaldirektor verpflichtet worden.

Bis dahin hatte er bei Vitesse Arnheim in den Niederlanden den ersten Job als Teamverantwortlicher, zuvor war er Scout in Hoffenheim, Leipzig und beim Hamburger SV. In Genua warf er den weltbekannten, aber erfolglosen Andrej Schewtschenko als Trainer raus und holte Blessin vom KV Ostende in Belgien - weil das Engagement von Bruno Labbadia am Ende doch nicht zustande kam.

«Genoa glaubt wieder»

Der in den Jugendabteilungen von RB Leipzig ausgebildete Blessin überzeugte schnell und ist auf der Genua-Bank noch ungeschlagen. Nach sieben Unentschieden zum Start - darunter beachtliche 0:0 bei José Mourinhos AS Rom, Champions-League-Teilnehmer Atalanta Bergamo und daheim gegen Meister Inter Mailand - klappte es nun mit dem Sieg. Im Abstiegskampf hat Genua nur noch drei Punkte Rückstand auf die Rettung - Ende Februar waren es noch acht Zähler gewesen. «Genoa glaubt wieder», schrieb die «Gazzetta dello Sport» dazu.

Trotz des neuen Optimismus muss sich Spors aber auch auf die Serie B vorbereiten, wie er im Podcast «kicker meets DAZN» erzählte. Doch auch im Fall eines Abstiegs werde der Neuaufbau mit Spors und Blessin weitergehen. Die Investmentfirma 777 Partners, die den Genoa Cricket and Football Club im Herbst kaufte, will «aus dem ältesten Verein Italiens einen modernen, innovativen, digitalen machen», sagt Spors.

Ziel ist der Klassenerhalt

Erste Maßnahmen in diese Richtung hat der Manager schon getroffen: Im Winter wurden 13 vor allem ältere Spieler abgegeben und dafür neun junge Profis geholt - darunter Nadiem Amiri von Bayer Leverkusen. Mit einer klaren Spielphilosophie, kompaktem und aggressivem Auftreten, beherztem Gegenpressing und viel Intensität winkt die Rettung für den Verein, der um 1900 der erste große italienische Club überhaupt war.

Während Blessin das Team auf die letzten acht Spiele einschwört («Wir sind hungrig, die nächsten Punkte zu klauen!»), baut Spors den Verein neu auf. Der Manager, der selbst erst während des Lehramt-Studiums über ein Uni-Projekt zum Profifußball gekommen war, holte Sebastian Arenz als Chefscout und damit einen weiteren Deutschen in den Club. «Made in Germany» als Erfolgsfaktor? Spors Planungen gehen bis 2025.

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