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Winterspiele in Peking

Kirchners Traum von Gold für Biathlon-Staffel

Zhangjiakou (dpa)

Vier Medaillen-Chancen haben die deutschen Biathleten in China noch. Die größten warten am Dienstag und Mittwoch in den Staffelrennen. Der Trainer Kirchner träumt vom noch nicht erreichten Erfolg.

Von Thomas Wolfer, dpa

DSV-Bundestrainer Kirchner möchte mit den Biathlon-Staffeln der Männer und der Frauen Medaillen gewinnen. Foto: Hendrik Schmidt/dpa-Zentralbild/dpa

Mark Kirchner weiß, wie es sich mit dieser besonderen Goldmedaille um den Hals anfühlt. 1992 und 1994 feierte der heutige Biathlon-Bundestrainer als Aktiver selbst den Olympiasieg mit der Staffel - und würde das zu gerne erneut erleben.

«Das Ziel wäre für mich als Trainer diese Staffel-Goldmedaille», sagte der Thüringer. Am Dienstag (7.30 Uhr MEZ/ZDF und Eurosport) sind seine Männer bei den Winterspielen in China im Quartett gefordert, gehören im starken Feld aber nicht zu den Favoriten. Norwegen, Russland, Frankreich, Schweden: Der Kreis der Anwärter auf den Triumph ist ziemlich groß.

Im letzten Olympia-Rennen seiner Karriere tritt Startläufer Erik Lesser gemeinsam mit Roman Rees, Benedikt Doll und Philipp Nawrath an. «Es ist für unser Team der wichtigste Wettbewerb», sagte Lesser. Und es wird besonders hart. Wegen extremer Kälte wurde der Start von 17.00 auf 14.30 Uhr Ortszeit vorgezogen. Temperaturen von minus 15 Grad und weniger werden erwartet, deswegen muss es früher losgehen. Man hoffe, durch die kurzfristige Vorverlegung das Rennen unter «fairen und sicheren Bedingungen für unsere Athleten» abhalten zu können und eine Absage zu vermeiden, hieß es vom Weltverband IBU.

«Ich habe mit der Mannschaft in den letzten Jahren seit 2010 alles mögliche gewonnen - aber Staffel-Olympiasieg, das wäre schon noch was, was mich auf meiner Agenda endgültig zufrieden stellen würde in meiner Arbeit als Trainer», sagte der 51-Jährige bereits vor dem Abflug nach Asien. Jede Menge Weltmeister hat Kirchner geformt und intensiv gefördert, die Staffel holte 2015 unter seiner Führung auch schon den WM-Titel. Nach Staffel-Silber 2014 in Sotschi und Bronze 2018 in Pyeongchang fehlt nur noch die olympische Krönung.

Letzter Staffel-Olympiasieg 2006

Die Rücktritte von langjährigen Leistungsträgern wie Arnd Peiffer und Simon Schempp im Vorjahr erschweren die Mission. Bei den Weltcups in Antholz und Ruhpolding reichte es zuletzt immerhin zweimal fürs Podest, den letzten Sieg gab es im März 2021 in Tschechien. Realistisch betrachtet käme der erste deutsche Staffel-Olympiasieg seit 2006 einer Sensation gleich. Zumindest eine Medaille wäre in Zhangjiakou aber wichtig, um die Stimmung im Team wieder zu heben.

Nach sieben von elf Wettbewerben ist Gold durch Denise Herrmann das bislang einzige Edelmetall in China. Es bleiben nur noch die Staffeln und die Massenstarts um das schlechteste deutsche Abschneiden bei Winterspielen zu verhindern. Nur eine Medaille hatten die Biathleten seit der Wiedervereinigung noch nie gewonnen, zweimal Silber vor acht Jahren in Russland ist die bislang mit Abstand schwächste Bilanz.

«Nicht an Biathlon denken. Das ist eigentlich das Wichtigste», gab Benedikt Doll als Plan aus, um vor der Staffel wieder den Kopf frei zu bekommen. Am Sonntag war Deutschlands bester Skijäger nur 32. in der Verfolgung geworden. Die Rennen davor, bei denen er das Podest jeweils recht knapp verpasst hatte, hatten enorm viel Kraft gekostet. Nun wolle sich der 31-Jährige «noch mal Lust drauf machen, wieder Vollgas zu geben», sagte der Schwarzwälder: «Das werde ich auf jeden Fall nutzen, um mich wieder zu motivieren.»

Langläuferinnen als Vorbilder

Die Frauen-Staffel, die am Mittwoch (10.00 Uhr) gefordert ist und sogar noch einen Tag mehr Pause hat, ließ sich derweil von den Langläuferinnen inspirieren, die im Team am Samstag sensationell zu Silber gelaufen waren. «Die Mädels strahlen jetzt total positive Energie aus. Man merkt, wie glücklich die sind», sagte Franziska Preuß: «Sowas wollen wir natürlich auch erleben.»

Auch bei den Damen ist die Konkurrenz enorm, vor allem Norwegen, Frankreich und Schweden dürften schwer zu bezwingen sein. Seit 2010 gab es keine Olympia-Medaille für die DSV-Biathletinnen, die das in den Bergen nordwestliche von Peking unbedingt ändern wollen. «Wir werden das Messer wetzen und hoffen, dass wir die anderen etwas ärgern», sagte Olympiasiegerin Herrmann. Preuß ergänzte: «Wir hoffen, dass wir einen guten Tag erwischen und dann was zu feiern haben.»

Die Aufstellung des Frauen-Teams wird am Dienstag bekanntgegeben, dürfte aber keine große Überraschung sein. Herrmann, Preuß, Vanessa Voigt und Vanessa Hinz bestritten bislang alle Wettkämpfe. Für einen Einsatz von Ersatzläuferin Anna Weidel spricht derzeit nichts.

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