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Frauenfußball

Bitteres EM-Ende für Alexandra Popp: Finale als Zuschauerin

London (dpa)

Als Kapitänin sollte Alexandra Popp ihr Team im EM-Finale auf den Rasen führen - und am besten auch zum Sieg. Doch daraus wurde nichts. Für die Wolfsburgerin war es eine besonders bittere Niederlage.

Von Ulrike John und Philip Dethlefs, dpa

Alexandra Popp (r) tröstet Tabea Waßmuth nach dem verlorenen Finale. Foto: Sebastian Christoph Gollnow/dpa

Die Traumreise von Kapitänin Alexandra Popp bei der Fußball-EM endete verletzt auf einem Sitzplatz auf der unteren Tribüne - statt auf dem Rasen von Wembley.

Den Pokal durfte die deutsche Torjägerin auch nicht mehr hochhalten, als das hochspannende Finalspektakel vor 87.192 Zuschauern zu Gunsten von England entschieden war. Mit sechs Toren hatte die 31-Jährige ihr Team ins Finale geführt. Bei der Titelvergabe und beim 1:2 (1:1, 0:0) nach Verlängerung durfte sie nur zuschauen.

Nur acht Minuten vor dem Anpfiff hatte der DFB vermeldet, dass Popp wegen muskulärer Probleme passen muss und Lea Schüller in die Startelf rückt. Mit traurigem Gesicht verfolgte die Wolfsburgerin das Geschehen. Schon da war klar: Damit gehört die Auszeichnung als Torschützenkönigin Englands Beth Mead, die wie Popp sechs Turniertore, aber mehr Vorlagen aufweist. Wobei Popp diesen Titel ganz weit hinter einem möglichen EM-Triumph angestellt hatte.

Popp als Gesicht der Mannschaft

Das Gesicht ihrer Mannschaft war Popp spätestens nach ihren beiden Halbfinal-Toren gegen Frankreich - und wurde es endgültig, als sie zwei Tage vor dem Traumfinale mit einem aufgeklebten Schnauzer zur Pressekonferenz erschien. Das Foto ging viral.

Bis dahin war für «Poppi» oder «Alex», wie sie meist genannt wird, jedes Spiel eine Erfolgsgeschichte: Joker und ein spätes Tor im ersten Spiel gegen Dänemark, dann Ersatz für Lea Schüller (Corona-Quarantäne) und fünf weitere Treffer bis zum bitteren Finale. Im Endspiel nahm Bundesliga-Torschützenkönigin Schüller vom FC Bayern, die am Sonntag auch noch Deutschlands Fußballerin des Jahres wurde, Popps Platz ein - sie rieb sich in ihren 67 Spielminuten auf, traf aber nicht.

Am Tag vor dem großen Finale in London hatte Martina Voss-Tecklenburg nochmal eine mehrminütige Lobrede auf ihre Führungsspielerin gehalten: «Alex ist ein absoluter Teamplayer», sagte die Bundestrainerin. Sie erinnerte dabei nicht an die Tore Popps, sondern an ein Detail aus dem Halbfinal-Sieg gegen Frankreich: «Meine Lieblingsszene ist die 85. Minute, als sie ein 60-Meter-Sprint zurückmacht und an der Ecke vom 16er den Ball klaut. Das zeigt genau den Wert und die Einstellung, die jede andere Spielerin hier auch hat.»

Popp in Wolfsburg meist im Mittelfeld

Voss-Tecklenburg hatte Popp in den vergangenen Monaten wieder auf ihre ursprüngliche Position in die Sturmspitze zurückversetzt, was nicht von heute auf morgen ging. Beim VfL Wolfsburg spielte die Olympiasiegerin von 2016 schon länger im Mittelfeld, vielseitig einsetzbar war sie schon immer. Und so wurde Popp in England plötzlich zum «Kopfballmonster» (Voss-Tecklenburg).

Noch viel mehr gehören zur Geschichte der Alexandra Popp - wie auch an diesem denkwürdigen Abend im Fußball-Tempel Londons - ihre Verletzungen. Die EM-Turniere 2013 und 2017 verpasste sie deshalb. Nach einem Knorpelschaden im vergangenen Jahr war lange nicht klar, ob sie überhaupt wieder in die DFB-Auswahl zurückkehrt. Im Januar musste sie sich nochmal einem Eingriff unterziehen, in der Vorbereitung in Herzogenaurach war sie auch noch wegen eines positiven Corona-Tests zwischendurch raus. Und schaffte es trotzdem zur EM. Mit bitterem Ende.

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