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Pferdesport

Cassandra Orschel beendet Männer-Dominanz bei Spring-Derby

Hamburg (dpa)

Damit hat niemand gerechnet - am wenigstens sie selber. Cassandra Orschel ist die erste Frau seit 1975, die beim deutschen Spring-Derby in ihrer Heimatstadt Hamburg siegt.

Von Claas Hennig, dpa

Holte sich beim Spring-Derby in Hamburg den Sieg: Cassandra Orschel auf Dacara. Foto: Stefan Lafrentz/dpa

Cassandra Orschel konnte ihre Tränen nicht mehr zurückhalten, als der historische Moment feststand. Als erste Reiterin seit 47 Jahren gewann sie völlig überraschend das deutsche Spring-Derby - und das beim Heimspiel.

Ausgerechnet sie als Hamburgerin beendete mit ihrer Stute Dacara bei der 91. Auflage des Klassikers die fast fünf Jahrzehnte anhaltende männliche Dominanz - und wurde dafür von den 20.000 Zuschauern gefeiert.

«Ich kann es gar nicht in Worte beschreiben, weil es ein unbeschreibliches Gefühl ist. Ich freue mich so sehr», sagte die 29-Jährige im TV-Sender ZDF. «Dieses Publikum hier, diese Kulisse - das ist der Wahnsinn. Gerade als Hamburgerin. Ich habe damit niemals gerechnet.» Und fügte hinzu: «Danke, Hamburg».

Die seit einigen Jahren für Polen startende, aber weiter in Hamburg beheimatete Orschel sicherte sich als erst fünfte Frau in der 102-jährigen Geschichte des Turniers in Hamburg-Klein Flottbek den Sieg. Als bislang letzte Reiterin hatte 1975 die Britin Caroline Bradley auf dem traditionsreichen Parcours das Blaue Band geholt.

Orschel im Stechen als einzige fehlerfrei

Orschel hatte ebenso wie drei weitere Paare nach jeweils einem Abwurf auf dem 1250 Meter langen schwersten Kurs der Welt das Stechen erreicht. Auf dem durch den Regen der vergangenen Tage aufgeweichten Boden gelang es niemanden, ohne Fehler über berühmte Hindernisse wie den Wall, Pulvermanns Grab oder den Buschoxer zu kommen. Damit blieb es bei 159 Nullrunden auf dem seit 1920 nahezu identischen Parcours.

Im Stechen war Orschel auf Dacara als einzige fehlerfrei. «Als erste ins Stechen zu gehen, das sind immer gemischte Gefühle», meinte sie. «Ich wusste, da kommen noch superstarke Reiter mit viel Erfahrung. Es hieß null bleiben, den Rhythmus zu halten dadrin.» Das Glück sei diesmal auf ihrer Seite gewesen.

Zweiter wurde in dem mit 120.000 Euro dotierten Springen Frederic Tillmann aus Grevenbroich nach einem Abwurf im Stechen mit Comanche. Platz drei belegte der Europameister und dreimalige Derby-Sieger André Thieme aus Plau am See auf Contadur mit acht Fehlerpunkten. Die frühere Vielseitigkeits-Weltmeisterin Sandra Auffarth aus Ganderkesee hatte mit La Vista ebenso zu zwei Abwürfe, war aber langsamer als Thieme.

Ahlmann setzt deutsche Serie fort

Am Tag zuvor hatte Christian Ahlmann die deutsche Erfolgsserie in der diesjährigen Global Champions Tour fortgesetzt. Der Springreiter aus Marl ließ der Konkurrenz im Stechen des mit 300.000 Euro dotierten Großen Preises auf Dominator keine Chance - und war restlos begeistert von seinem zwölf Jahre alten Hengst.

«Im Großen Preis ist er hammer gesprungen. Das sind die besonderen Pferde, die man braucht, um mal da oben zu stehen», sagte der 47-Jährige. «Er ist ein Traumpferd. Ich habe schon oft geniale Gefühle auf ihm gehabt. Das ist unser erster richtig großer Sieg.»

Nach den Erfolgen von Ludger Beerbaum in Doha und Mexiko-Stadt und Katrin Eckermann in Miami sorgte Ahlmann für den vierten deutschen Sieg bei der diesjährigen Auflage der Millionenserie. Er übernahm auch die Führung in der Gesamtwertung nach sechs von 15 Prüfungen.

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