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Sport und Geschäft

Die Florida-Reisen von Springreiter Thieme

Ocala (dpa)

Nach dem bislang erfolgreichsten Jahr seiner Karriere startet André Thieme wieder einmal in Florida in die Saison. Die USA-Reise ist für den Europameister nicht nur sportlich von besonderer Bedeutung.

Von Claas Hennig, dpa

Der deutsche Springreiter Andre Thieme reitet auf DSP Chakaria. Foto: Friso Gentsch/dpa

Der Flug in die Sonne weg vom winterlich-trüben Deutschland hat für André Thieme Tradition. Seit über 20 Jahren reist der Springreiter aus Mecklenburg-Vorpommern jedes Jahr für mehrere Wochen nach Florida.

Seit vergangenen Samstag ist er wieder im Sunshine State. Doch mit Urlaub hat das wenig zu tun. Der Aufenthalt ist für den 46-Jährigen aus Plau am See vor allem Arbeit - sportlich wie geschäftlich.

Zum einen startet er bei den beiden wochenlangen Winter-Turnierserien in Ocala und im 380 Kilometer südlich gelegenen Wellington, bei denen bis Anfang April Woche für Woche hochdotierte Springen ausgeschrieben sind. Andererseits nutzt er die Zeit zur intensiven Kundenpflege und -betreuung. Schließlich ist er nicht nur Reiter, sondern auch Pferdehändler. «Meine gesamte Kundschaft ist in Amerika», erzählt Thieme.

Florida-Reise für Thieme Tradition

Die Beziehungen in die USA pflegt er schon lange. 1998 wurde der dreimalige Derby-Sieger vom damaligen Nachwuchs-Bundestrainer Kurt Gravemeier an Tim Grubb empfohlen. «Ich hatte eh vor, in die USA zu gehen. Ich wollte meinen Horizont erweitern und meine Sprachkenntnisse verbessern», sagt Thieme. «Da passte das.»

Anderthalb Jahre arbeitete er bei dem 2010 gestorbenen britisch-amerikanischen Weltklassereiter. Im Frühjahr und Sommer waren Grubb und Thieme in Long Island bei New York, im Herbst und Winter ging es nach Florida zu den Turnieren. «Ich habe während dieser Zeit sehr viele Freunde kennengelernt, die bis heute meine wichtigsten Geschäftspartner sind», sagt Thieme.

Sportlich hat er sich bei den Turnieren in Ocala und Wellington längst einen Namen gemacht. «Ich habe in Amerika einen gewissen Stellenwert durch die Siege in den Millionen-Dollar-Grand-Prix. Deswegen haben die mich schon immer gern gesehen», sagt er. Dass er im vergangenen September Europameister geworden ist, spielt in den USA dagegen keine Rolle. «Die wissen ohnehin, dass ich komme.»

Stute Chakaria in den USA dabei

Vor seiner Anreise am vergangenen Wochenende schickte er sechs Pferde über den Atlantik, darunter seine EM-Erfolgsstute Chakaria. Zwei Mitarbeitende sind neben Thieme mit in Florida. Über 100.000 Euro muss er als Reisebudget einplanen. «Wenn es sportlich gut läuft, kann das lukrativ sein. Und wenn dann auch noch ein Pferd verkauft wird, dann ist es das wert», sagt Thieme über die Investition.

Den sportlichen Wert einer Florida-Reise haben auch andere deutsche Reiter erkannt. Der in Belgien lebende Daniel Deußer, Philipp Weishaupt aus Riesenbeck und der Marburger Richard Vogel sind ebenfalls da.

Im vergangenen Jahr hatten sich Thieme und Chakaria mit ihren starken Ergebnissen in den USA für einen Platz im Olympia- und EM-Team von Bundestrainer Otto Becker ins Gespräch gebracht. Zumal die Freiluftturniere in Europa nicht wegen Corona, sondern wegen eines für Pferde gefährlichen Herpesvirus ausfielen.

«Letztes Jahr musste ich kämpfen für mein Ziel», sagt Thieme. «Da war auch wesentlich mehr Druck in Florida.» In diesem Jahr ist das anders. Spätestens mit dem EM-Titel und -Silber mit dem Team hat er bei Becker einen Bonus. «Er hat im letzten Jahr Erfahrung gesammelt. Er ist jetzt einen Schritt weiter», sagt der Trainer. Thieme hat sich für 2022 zwei Ziele gesetzt: das CHIO in Aachen und die WM in Herning. Becker rechnet mit ihm.

Doch erst einmal ist Thieme für zehn Wochen in Florida. Und ein wenig wird der USA-Trip doch noch zum Familienurlaub: Sein 14-jähriger Sohn macht für die Schule ein zweiwöchiges Betriebspraktikum und anschließend Ferien. Thiemes Frau will mit der Tochter rüberkommen, um Sonne, Temperaturen um die 25 Grad, im Freien essen, Strand und Meer zu genießen. Eine Ablenkung von Corona. Thieme: «Ein bisschen Normalität werden wir in den nächsten Wochen haben.»

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