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Olympische Winterspiele

Corona und China: Die schwierigen «Cs» für ARD und ZDF

Peking (dpa)

ARD und ZDF müssen sich bei den Winterspielen den schwierigen Rahmenbedingungen anpassen. Die chinesischen Veranstalter nutzen Corona-Auflagen auch, um eine kritische Berichterstattung zu erschweren.

Von Claas Hennig und Michael Rossmann, dpa

Ein Bus für Menschen, die mit den Olympischen Winterspielen in Peking zu tun haben, fährt in das Athletendorf ein. Foto: -/kyodo/dpa

Für ARD-Teamchef Christoph Netzel sind die Olympischen Winterspiele in Peking die bislang «kompliziertesten Spiele überhaupt».

ZDF-Sportchef Thomas Fuhrmann sieht vor der Eröffnungszeremonie am Freitag in der chinesischen Hauptstadt «nicht nur eine Herausforderung, sondern einen ganzen Berg von Herausforderungen».

Nicht nur die öffentlich-rechtlichen Sender mussten sich vor den Spielen in Corona-Zeiten in China logistisch, organisatorisch und journalistisch außergewöhnlichen Aufgaben stellen. «Corona und China - die zwei Cs sind in der Kombination bei der Planung und der Vorbereitung extrem schwierig gewesen», sagt Netzel, der ARD-Teamchef vom Bayerischen Rundfunk.

Olympia-Studio in Mainz statt in China

ARD und ZDF sind mit kleineren Teams als gewohnt in Peking und an den anderen Wettkampforten, unterstützt von ihren Auslandskorrespondentinnen und -korrespondenten in China. Erstmals befindet sich bei diesen Spielen das ARD/ZDF-Olympia-Studio nicht im Austragungsort, sondern im gemeinsamen National Broadcast Center am ZDF-Standort Mainz.

«Wir versuchen, so authentisch wie möglich aus China zu berichten. Unser Team vor Ort ist aber erheblich kleiner», sagt Fuhrmann. Aber ohne Reporter dort gehe es nicht. «Es ist journalistisch notwendig, Kollegen dahin zu schicken. Für die Ergebnisberichterstattung und für die Hintergründe.»

Erst vor einem halben Jahr hatten in Tokio die ersten Olympischen Spiele unter Pandemie-Bedingungen stattgefunden. Doch Peking ist etwas ganz anderes. «Das ist nicht vergleichbar mit den Produktionsbedingungen, unter denen wir jetzt in China arbeiten müssen», sagt Fuhrmann, der in Tokio vor Ort war und auch nach Peking reist.

Sender vor Herausforderungen

Vor allem die Berichterstattung, die über das rein Sportliche hinausgeht, wird in China schwierig. Im 2021-Ranking der Pressefreiheit der Organisation «Reporter ohne Grenzen» rangiert China an 177. Stelle - von 180 Nationen. Die Menschenrechtsverletzungen, die Überwachung, Drohungen gegen Taiwan und das Auftreten in Hongkong machen die aufstrebende Weltmacht zu einem höchst problematischen Gastgeber für Olympia.

«Das ZDF wird in seiner Berichterstattung entsprechend ausführlich auch die politische Situation in China und die Auswirkungen der Olympischen Spiele beleuchten», umschrieb ZDF-Chefredakteur Peter Frey den Anspruch der Senders. Diese Programmphilosophie vertrete auch die ARD, betont Netzel.

Die Erfüllung dieses Anspruchs wird nicht einfach. Die strikten Corona-Auflagen und die No-Covid-Strategie scheinen für die chinesischen Organisatoren und Machthaber ein willkommenes Rechtfertigungs-Mittel, die angereisten Medienvertreter aus aller Welt im Auge zu behalten. «Wir verlassen uns auf die Zusage des IOC, frei berichten zu können, einen freien Zugang zum Internet, an die Sportstätten und zu den Sportlern zu haben», sagt Fuhrmann.

Die Journalisten dürfen sich nicht frei im Land bewegen. Sie bleiben wie die Sportler und andere bei Olympia zugelassenen Personen in einer Blase. Wer diese verlässt, muss für 21 Tage in Quarantäne. Auch die fest in China arbeitenden Auslandskorrespondenten dürfen, wenn sie in die Blase gehen, diese nicht ohne Drei-Wochen-Quarantäne wieder verlassen.

Journalisten und Athleten in einer Bubble

«Da machen wir uns nichts vor: Mit dem, was wir an Vorgaben haben, können wir uns nicht frei bewegen», sagt Netzel. «Durch die sogenannte Arbeitsquarantäne dürfen wir uns nur zwischen Hotel und Arbeitsplatz, etwa zu den Wettkampfstätten bewegen.»

Laut Netzel haben ARD und ZDF gemeinsam gerade einmal vier Fahrzeuge erhalten. «Die Fahrzeuge werden uns noch mit Fahrern zu Verfügung gestellt, damit wir auch ja nicht bei einer falschen Ausfahrt rausfahren», meint er. «Das ist natürlich ebenfalls eine klare Einschränkung unserer Bewegungsfreiheit, gerade hinsichtlich der Berichterstattung jenseits des Sports.»

Da heiße es, «auf anderem Wege zu recherchieren, auf andere Art und Weise Informationen zu bekommen», sagt der ARD-Mann. «Aber Themen, die außerhalb der olympischen Blase kritisch betrachtet und journalistisch eingeordnet werden, sind in der Recherche und der Umsetzung extrem schwierig.» Deshalb seien schon im Vorfeld Themen wie Menschenrechtsverletzungen und Rahmenbedingungen der Spiele vorbereitet worden.

Doch bei ARD und ZDF soll es nach der Eröffnung der Spiele am kommenden Freitag bei allen kritischen Blicken auf den schwierigen Gastgeber auch um den Sport gehen. «Olympia ist die große Bühne der Athletinnen und Athleten, und es ist auch die Zeit der großen Emotionen, auf die sich die vielen Wintersportfans bei uns freuen dürfen», sagt Netzel.

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