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Sommerspiele in Tokio

Putin entzückt: Russlands Olympia-Plan geht auf

Tokio (dpa)

Trotz der Dopingsünden der Vergangenheit sind mehr als 330 russische Sportler bei Olympia zugelassen - und sammeln fleißig Medaillen. Kritik an der Starterlaubnis lassen Athleten und Funktionäre abperlen.

Von Christian Hollmann, Andreas Schirmer und Lars Nicolaysen, dpa

Offiziell gibt es gar keine russische Mannschaft bei den Sommerspielen in Japan. Foto: Michael Kappeler/dpa

Wladimir Putin ist entzückt. Fast täglich schickt der Kremlchef glühende Botschaften mit Glückwünschen an die russischen Olympioniken in Tokio.

Die Medaillen-Produktion läuft ganz nach Plan - und das, obwohl es offiziell doch gar keine russische Mannschaft bei den Sommerspielen in Japan gibt. Die Folgen der Sanktionen für staatlich orchestriertes Doping aber sind in Tokio nur bedingt zu erkennen. Selbstbewusst treten Russlands 335 Athleten in ihren Trainingsanzügen in den Landesfarben im olympischen Dorf und den Arenen auf, der angestrebte dritte Platz im Medaillenspiegel ist in Reichweite.

Die hartnäckige Kritik an der hauptsächlich auf Symbolik reduzierten Strafe für die großflächigen Doping-Manipulationen und der Erlaubnis zur Olympia-Teilnahme weist der Kreml scharf zurück. «Ja, wir sind hier bei den Olympischen Spielen. Absolut zu Recht. Ob das jemandem gefällt oder nicht», ließ das Russische Olympische Komitee (ROC) verlauten. Neue Doping-Gerüchte seien «englischsprachige Propaganda» und das Hervorholen einer «alten Leier».

Cas entschärft Sanktionen

Eigentlich hatte die Welt-Anti-Doping-Agentur Wada Russlands Team Ende 2019 für vier Jahre von den wichtigsten Sportereignissen der Welt ausgeschlossen. Im vergangenen Dezember aber halbierten die Sportrichter des Cas die Sperre und entschärften die Sanktionen. In Tokio und bei den Winterspielen in Peking im Februar 2022 dürfen russische Sportler nur als Athleten des ROC auftreten. Anstatt der russischen Hymne erklingt das Klavierkonzert Nummer 1 von Peter Tschaikowsky, als Fahne wird die olympische Flagge gehisst. Das sei so etwa, als müssten Russlands Vertreter bei den Spielen lediglich «einen falschen Schnurrbart tragen», schrieb der «Toronto Star».

Die Dopingjäger zeigten sich in Tokio enttäuscht über die aufgeweichte Strafe für Russland. «Wenn man sich anschaut, worum wir gebeten haben, ist es nicht das, was wir bekommen haben, besonders, wenn man über die Uniform spricht», sagte Wada-Generaldirektor Olivier Niggli.

«Selbst die Fahne sein»

So mancher russische Sportler sieht das anders. «Beleidigend» seien die verhängten Maßnahmen, befand Rugby-Spielführerin Alena Tiron. «Aber wenn die Flagge nicht erlaubt ist, werden wir selbst die Fahne sein. Wir wissen, für welches Land wir stehen», sagte die 27-Jährige.

Ohnehin tun sich die Organisatoren bisweilen schwer mit den Vorgaben zum ROC-Team. Des Öfteren wird bei Durchsagen in den Arenen doch von Russlands Mannschaft gesprochen. Auf die Frage, ob die Strafen gegen Russland ausreichend sind, antwortete US-Schwimmer Ryan Murphy in Tokio vielsagend: «Wenn ich so etwas gefragt werde, habe ich 15 verschiedene Gedanken. Und 13 davon würden mich in ziemlich große Probleme bringen.» Zuvor hatte der Rückenschwimmer über die 200 Meter hinter dem Russen Jewgeni Rylow Rang zwei belegt.

Rylow selbst ließ sich nicht aus der Reserve locken. «Ich bin getestet. Ich habe alle Formulare ausgefüllt. Ich bin für sauberen Sport», sagte der Olympiasieger. Genau dieses Verhalten hatten russische Offizielle den Athleten in einer Handreichung vor den Spielen empfohlen. «Unsere Leute sollen Medaillen gewinnen, vorzugsweise goldene - und all dem keine Aufmerksamkeit schenken», sagte auch Kremlsprecher Dmitri Peskow.

Laut ROC liegen alle Kritiker falsch

IOC-Präsident Thomas Bach sieht das ROC-Team bei seinem Auftritt in Tokio «in vollem Respekt für die Sanktionen, die durch die Wada ausgesprochen worden sind», wie der 67-Jährige der Deutschen Presse-Agentur sagte. «Sie haben sich allen Qualifikationen und den entsprechenden Tests unterworfen, wie auch alle anderen Athleten, die hier teilnehmen. Deswegen haben sie auch den Anspruch, entsprechend behandelt zu werden», meint der Chef des Internationalen Olympischen Komitees.

Für ROC-Präsident Stanislaw Posdnjakow liegen alle Kritiker an der Zulassung für Tokio grundfalsch. Die russischen Athleten hätten «nicht nur mit Worten, sondern auch mit ihren Taten und Ergebnissen bewiesen», dass sie ohne Doping wettbewerbsfähig seien. Und Kremlsprecher Peskow hält ausländische Konkurrenten mit gegenteiliger Meinung schlicht für schlechte Verlierer: «Wir verzeihen denen, die schwächer sind. Gott ist ihr Richter - und unser Helfer.»

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