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Winterspiele in Peking

Spitzensport im Sicherheitstrakt: Spagat der Olympia-Stars

Yanqing (dpa)

Negativ bleiben - und trotzdem positiv. Die Olympischen Spiele in China sind für die Beteiligten eine ganz spezielle Herausforderung. Das Gros nimmt die strengen Vorschriften aber weitgehend klaglos an.

Von Christoph Lother, Jordan Raza und Thomas Wolfer, dpa

Mitarbeiter eines medizinischen Teams posieren am Olympia-Eiskanal. Foto: Robert Michael/dpa-Zentralbild/dpa

Freundlich seien sie ja, «die weißen Menschen», sagt Franziska Preuß. «Ich finde, sie sind echt bemüht. Bisher hat alles echt gut funktioniert», lobt die Biathletin die vielen Helfer in ihren weißen Schutzanzügen, die bei den Winterspielen in China um die Sportler herumwuseln.

«Man sieht ja eigentlich keinen echten Menschen, sondern nur unter Plastik und FFP2-Masken», sagt Preuß. Dahinter kann man hier und da aber durchaus ein Lächeln erkennen. Das Gros der Beteiligten macht gute Miene zu den schwierigen Spielen.

Striktes Regelwerk im olympischen Dorf

Das Leben der Spitzensportler in den drei olympischen Dörfern in Peking, Yanqing und Zhangjiakou ist angesichts der strengen Corona- und Hygiene-Vorschriften eines im Sicherheitstrakt. Die Athletinnen und Athleten freuen sich nicht über das strikte Regelwerk, nehmen es aber weitgehend klaglos an. Für die Organisation und Umsetzung der Maßnahmen gibt es sogar viel Lob. Ob aus voller Überzeugung oder ein Stück weit auch zum Selbstschutz, ist nicht immer klar und letztlich wohl auch unterschiedlich. Fest steht aber: Die Stars richten ihren Fokus auf das, was sie wirklich beeinflussen können, ihren Wettkampf. Für viele von ihnen ist es immerhin der wichtigste ihrer Karriere.

Teilweise hausen sie in Einzelzimmern, teilweise in kleinen Wohngemeinschaften. Die Skirennfahrer Romed Baumann und Andreas Sander teilen sich etwa eine Unterkunft, auch Biathletin Preuß und ihre Teamkollegin Vanessa Voigt. Die Zimmer sind in der Regel groß und komfortabel. «Das Bett ist höhenverstellbar, das ist cool», sagt Snowboarderin Annika Morgan. Als Freizeitbeschäftigung bieten sich unter anderem Tischtennis, Air-Hockey oder Tischfußball an.

Zumindest die Alpin-Asse müssen im gigantischen Ski-Gebiet am Xiaohaituo Mountain in Yanqing nur kurze Wege zurücklegen. Von den Pisten können sie mit der Gondel zurück ins Dorf fahren oder sogar auf ihren Skiern fast bis vor die Tür gleiten. Die große Mehrheit der Olympia-Teilnehmer wird aber mit Shuttlebussen hin- und herchauffiert. Alles ist genau getaktet, die Kommunikation mit dem Personal an den Haltestellen wegen mitunter überschaubarer Englischkenntnisse aber eine Hürde. «Wenn es Fragen gibt, ist es oft schwierig», sagt Snowboarder Leon Gütl. «Wenn etwas Unerwartetes passiert, gibt es ein kleines Chaos.» Noch könne er darüber lachen.

Klagen über die Eis-Qualität

Noch an die Eisbedingungen gewöhnen müssen sich die Eishockey-Spieler. Kapitän Moritz Müller klagte nach dem ersten Training über die Qualität des Eises in der Trainingshalle. «Die Eisbedingungen heute waren nicht gut. Es war sehr nass. Die Scheiben sind eigentlich nur nach links und rechts gesprungen», sagte der 35 Jahre alte Verteidiger der Kölner Haie. «Das sind die Bedingungen, mit denen alle zurecht kommen müssen. Aber ich sage nur, wie es ist.»

Die Verpflegung ist mitunter gewöhnungsbedürftig, die Auswahl dafür aber üppig. «Wenn sie eine Palette voller Tintenfische anbieten», geht Snowboarderin Morgan beim Frühstück nicht gerade das Herz auf. Da greift sie selbst in der Morgenstunde lieber zum Schweinsbraten. Aber es gibt auch genug andere Alternativen. Dazu zu den üblichen Essensräumen auch Fast-Food-Läden, in denen man dinieren kann. Und das fast rund um die Uhr. «Da wir die Rennen abends haben, musst du deinen Tagesrhythmus ja ein bisschen darauf einstellen, von daher ist das angenehm», sagt Rodler Felix Loch.

Sorgen vor Corona-Infektion

Die Angst vor einer Corona-Infektion begleitet die Sportler freilich aber auf Schritt und Tritt. Sie sei jeden Tag froh, wenn sie keinen Anruf bekomme, sagt die deutsche Fahnenträgerin Claudia Pechstein mit Blick auf die täglichen Tests. Bei denen negativ, ansonsten aber positiv gestimmt zu bleiben - das ist der große Spagat, den die Teilnehmer dieser Spiele zu bewerkstelligen haben. Und natürlich sind sie laut Eisschnellläuferin Pechstein, die zum achten Mal bei Olympia dabei ist, deswegen noch «spezieller als die anderen». Immerhin: Die Abläufe kosten die Olympioniken nicht allzu viel Zeit. «Das einzige, was manchmal aufhält, ist die Dopingkontrolle», sagt Skifahrer Sander. Und die hat ausnahmsweise mal nichts mit Corona zu tun.

Ob die Chinesen, die sie trifft, wirklich glücklich sind, dass die Spiele stattfinden und dazu noch unter diesen Umständen, kann Pechstein schwer einschätzen. «Oder sie haben es gesagt bekommen, weiß ich nicht, kann auch sein. Aber ich denke mal, dass sie es auch ernst meinen, wenn sie so etwas sagen», so die 49-Jährige. Klar sei, dass sie «einen verdammt super Job machen». So schwer es auch ist.

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