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French Open

Coco Gauff inspiriert auch abseits des Platzes

Paris (dpa)

Vor drei Jahren stürmte Coco Gauff mit 15 Jahren in Wimbledon ins Rampenlicht. Jetzt steht sie bei den French Open im Finale. Doch nicht nur das macht die Amerikanerin zu einer besonderen Person.

Von Lars Reinefeld, dpa

Coco Gauff trifft im Finale der French Open auf Iga Swiatek. Foto: Michel Euler/AP/dpa

Coco Gauff glänzt in diesen Tagen bei den French Open gleich in dreifacher Hinsicht. Im Einzel, wo sie erstmals bei einem Grand-Slam-Turnier im Finale steht und an diesem Samstag (15.00 Uhr/Eurosport) die Weltranglisten-Erste Iga Swiatek aus Polen herausfordert.

Im Doppel, wo sie am Freitag zusammen mit ihrer Landsfrau Jessica Pegulla ebenfalls das Endspiel erreicht hat. Und in den anschließenden Interviewrunden, in denen sie erfrischend wie kaum ein anderer Tennisprofi aus ihrem Leben erzählt und ihre exponierte Stellung auch für wichtige Botschaften nutzt.

Zeichen gegen Waffengewalt

Nach ihrem Halbfinal-Sieg gegen die Italienerin Martina Trevisan wies die gerade einmal 18 Jahre alte Amerikanerin am Donnerstagabend auf die großen Probleme mit Waffengewalt in ihrer Heimat hin. «Frieden! Beendet Waffengewalt», schrieb sie in Paris auf die Linse der TV-Kamera. «Für mich ist es wichtig, die Plattform, die ich habe, zu nutzen. Vor allem hier in Europa. Wir brauchen definitiv einen Wandel und eine Reform in diesem Aspekt.»

Erst vor kurzem waren in den USA in einer Grundschule im texanischen Uvalde 19 Kinder und zwei Lehrer erschossen worden. Basketball-Trainer Steve Kerr von NBA-Finalist Golden State Warriors hatte darauf mit einer viel beachteten, emotionalen Rede reagiert. «Wann werden wir etwas tun?», schrie Kerr vor einem Playoff-Spiel in Dallas. US-Präsident Joe Biden forderte am Donnerstagabend (Ortszeit) erneut eine Verschärfung der Waffengesetze.

«Freunde von mir haben das Parkland Shooting vor ein paar Jahren miterlebt. Ich war damals 13 oder 14, und es ist seitdem immer noch nichts passiert», berichtete Gauff über das Schulmassaker vor vier Jahren mit 17 Toten. Ihr Vater habe ihr von klein auf gesagt, sie könne mit ihrem Schläger die Welt verändern. «Und er meinte damit nicht, einfach nur Tennis zu spielen. Er meinte damit, über Dinge wie diese zu sprechen.»

Viel Druck für Teenagerin

Es sind bemerkenswerte Sätze für eine 18-Jährige, die jüngst erst ihren Highschool-Abschluss gemacht hat. Doch Gauff hat trotz ihres Alters bereits einiges mitgemacht. Es ist erst drei Jahre her, dass sie als damals 15-Jährige in Wimbledon ins Viertelfinale stürmte und auf dem Weg dorthin im Duell der Generationen Venus Williams schlug. Von dort an stand Gauff im Rampenlicht, wurden Titel bei den Grand-Slam-Turnieren von ihr erwartet, obwohl sie eigentlich noch bei den Juniorinnen mitspielen konnte.

Gauff hat der Druck anfangs zugesetzt, sie verlor etwas von ihrer jugendlichen Unbekümmertheit und Leichtigkeit. Doch inzwischen hat sie einen Weg gefunden, damit umzugehen. Sie ist unter dem Brennglas der Öffentlichkeit zu einer beeindruckenden Persönlichkeit gereift - und zu einer besonderen Tennisspielerin. In Paris ist sie die jüngste Finalistin seit Kim Clijsters vor 21 Jahren. «Ich genieße einfach das Turnier, ich genieße das Leben», sagte Gauff. «Am Ende ist es nur ein Tennismatch.»

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