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Kontrollverlust

Zverev nicht allein - Ausraster im Tennis häufen sich

Miami (dpa)

So mancher Tennisprofis hat die Nerven nicht im Griff. Profis ticken gegenüber den Schiedsrichtern aus, schleudern ihre Schläger weg. Jetzt werden härtere Sanktionen gefordert.

Von Kristina Puck, dpa

Alexander Zverev zertrümmert aus Frust seinen Schläger. Foto: Tertius Pickard/AP/dpa

Der ehemalige Weltklasse-Tennisspieler Andy Roddick macht sich einen kleinen Spaß daraus. Dass zuletzt immer wieder Tennisprofis komplett austickten, nahm der Amerikaner zum Anlass, eine kurze Anleitung zu drehen.

Wie man einen Schläger schmeißt und einen Ball wegschlägt, ohne in Schwierigkeiten zu geraten, erklärt der 39-Jährige dem Video. Seine kleine Lektion hat einen bedenklichen Hintergrund. Ausraster werden zum Dauerthema.

Die Tennisstars als Vorbilder? Beim Benehmen oft nicht. Wenn es um Siege, Weltranglistenpunkte und Preisgeld geht, gerät so mancher Wutausbruch außer Kontrolle. Im Frust gefährdeten Profis zuletzt sogar Schiedsrichter und Ballkinder. Nach der Attacke von Olympiasieger Alexander Zverev gegen den Schiedsrichter-Stuhl in Acapulco ließen die nächsten Vorfälle nicht lange auf sich warten.

Angesichts seiner Sperre auf Bewährung muss sich der Hamburger trotz früher Niederlagen in Indian Wells und Miami ordentlich benehmen, will er die Zwangspause nicht riskieren. Konkurrenten tun dem Image der Sportart auch bei den Masters-Turnieren in den USA nichts Gutes.

Kyrgios - ein Paradebeispiel

Im Achtelfinale von Miami ärgerte sich etwa Nick Kyrgios über das Funkgerät von Schiedsrichter Carlos Bernardes und wetterte so vehement, dass er bei der Niederlage gegen den Italiener Jannik Sinner erst eine Punkt- und dann eine Spielstrafe kassierte. Selbst mit Abstand in den sozialen Netzwerken legte der Australier gegen den anerkannten Unparteiischen nach. Der Brasilianer sei nicht gut genug für wichtige Matches, schimpfte der 26-Jährige: «Holt neue Leute.»

Zertrümmerte Tennisschläger und Schimpftiraden gegen Schiedsrichter sind nichts Neues in der Tennis-Szene. Schon vor Jahrzehnten übernahm etwa der US-Amerikaner John McEnroe die Rolle eines Bösewichts. Sein legendärer Ausspruch: «Das kann nicht Ihr Ernst sein» («You cannot be serious»). 2020 sorgte der serbische Tennisstar Novak Djokovic bei den US Open für einen Skandal, als er eine Linienrichterin mit einem weggeschossenen Ball unabsichtlich traf und disqualifiziert wurde.

Momentan aber wird auffallend oft diskutiert, ob und wie Tennisprofis Grenzen überschreiten und wie milde sie davonkommen. Schiedsrichter bekommen viel ab. Bei den Australian Open etwa fragte der russische US-Open-Sieger Daniil Medwedew den Referee, ob er dumm sei und beschimpfte ihn als «kleine Katze». Der Kanadier Denis Shapovalov warf dem Unparteiischen vor, korrupt zu sein.

Zverevs Ausraster in Acapulco

Zverev leistete sich in Acapulco einen Ausraster, den er im Nachhinein selbst als «inakzeptabel» bezeichnete. Mehrfach schlug er nach der Niederlage in einem unbedeutenden Doppel mit seinem Schläger auf den Schiedsrichterstuhl ein, auf dem der Unparteiische noch saß. Die Folgen? Der Hamburger wurde fürs Einzel disqualifiziert. Die Profiorganisation ATP brummte dem Topspieler, der sportlich ein Aushängeschild sein kann, eine Geldstrafe und eine achtwöchige Sperre nur auf Bewährung auf. Zu wenig, findet mancher.

Die langjährige Nummer eins bei den Damen, Serena Williams, witterte eine Doppelmoral. Der frühere Weltranglisten-Erste Mats Wilander sagte bei Eurosport: «Man sanktioniert jemanden, der sich so verhält, mit einer dreimonatigen oder sechsmonatigen Sperre. Man erlaubt ihm in so einem Fall doch nicht, die wichtigsten Turniere im Kalender zu spielen.» Auch Australian-Open-Champion Rafael Nadal sprach sich für härtere Strafen aus, weil es den Sport und die Referees schütze.

Ballkinder in Angst

Es ist Jahre her, dass Kyrgios für acht Wochen gesperrt wurde. Die Sperre wurde damals auf drei Wochen reduziert, als er einer sportpsychologischen Behandlung zustimmte. Für sein umstrittenes Verhalten ist er bekannt. In Indian Wells warf er seinen Schläger so heftig auf den Boden, dass dieser im hohen Bogen über den Platz flog. Ein Balljunge duckte sich weg. Aus Angst, getroffen zu werden. Kyrgios bestritt jegliche Absicht. In Miami schleuderte US-Profi Jenson Brooksby seinen Schläger nach hinten, der Balljunge musste zur Seite springen und wurde leicht getroffen. Wurde er disqualifiziert? Nein. Er erhielt eine Punktstrafe und gewann.

Es waren auch diese Fälle, die zum kleinen Lehr-Filmchen von Roddick führten. Man schieße einen Ball weit in die Luft, um niemanden ernsthaft zu gefährden, schlägt er vor. Den Schläger werfe man mit der Schlagfläche flach nach unten auf den Boden, damit er auf der Stelle bleibe. Vorbildlich wäre auch das nicht.

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