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Sommerspiele in Tokio

Aus der Traum: Handballer bleiben ohne Olympia-Medaille

Tokio (dpa)

Die deutschen Handballer wollten in Tokio eine Olympia-Medaille. Doch im Viertelfinale gegen starke Ägypter ist Endstation. Das Fazit fällt schonungslos aus.

Von Eric Dobias und Thomas Eßer, dpa

Die deutschen Handballer um Kai Häfner (l) und Timo Kastening sind im Viertelfinale gegen Ägypten ausgeschieden. Foto: Jan Woitas/dpa-Zentralbild/dpa

Mit versteinerten Mienen schlichen Deutschlands Handballer nach der krachend gescheiterten olympischen Gold-Mission vom Parkett.

Die DHB-Auswahl unterlag im Viertelfinale gegen Ägypten mit 26:31 (12:16) und kehrt nach dem enttäuschenden Auftritt ohne Medaille von den Sommerspielen in Tokio zurück. Statt Halbfinale heißt es am Mittwoch Heimflug. «Das ist natürlich bitter. Wir hatten es heute nicht verdient weiterzukommen und haben unser Ziel nicht erreicht», sagte Bundestrainer Alfred Gislason.

Als es darauf ankam, konnten seine Schützlinge ihr Potenzial nicht abrufen. Entsprechend groß war nach dem Abpfiff der Frust. «Die Enttäuschung ist riesig. Das wird noch lange nachwirken», sagte Kapitän Uwe Gensheimer. Spielmacher Philipp Weber sprach ohne Umschweife von einem «beschissenen Gefühl».

Bob Hanning, der schon 2013 das Gold-Ziel ausgerufen hatte, fühlte aus der Heimat mit den Spielern. «Das sollte eigentlich das krönende Ende dieser Generation sein», sagte der im Herbst aus dem Amt scheidende DHB-Vizepräsident. Zugleich stellte er fest: «Wenn man danach aber die Entwicklung der Mannschaft sieht, muss man einfach sagen, dass wir jetzt verdient im Viertelfinale ausgeschieden sind.»

«Gegen eine ägyptische Wand gelaufen»

Bester Werfer für das Team von Gislason, den der Verband im Februar 2020 für die Medaillen-Mission verpflichtet hatte, war Julius Kühn mit sechs Toren. Doch die reichten nicht. «Wir sind heute gegen eine ägyptische Wand gelaufen», resümierte Torwart-Oldie Johannes Bitter. Für den 38-Jährigen, der schon 2008 in Peking dabei war und damals mit dem DHB-Team in der Vorrunde scheiterte, war es ein bitterer Abschied von Olympia.

Statt der deutschen Mannschaft, die 2016 in Rio noch Bronze gewonnen hatte, spielt Ägypten am Donnerstag gegen Rekord-Weltmeister Frankreich um den Einzug ins Endspiel. Das zweite Vorschlussrundenduell bestreitet Olympiasieger und Weltmeister Dänemark gegen Europameister Spanien. «Abwehr, Angriff, Torhüter, Galligkeit: Wir sind nie auf Normalniveau gekommen», sagte Rechtsaußen Timo Kastening bei einer harschen Selbstkritik und räumte geknickt ein: «Als Sportler schmerzt es immer, aus einem Turnier zu fliegen. Dass es verdient war, schmerzt noch mehr.»

Beim 29:27 im letzten Olympia-Test vor gut drei Wochen hatte das DHB-Team die Ägypter noch klar dominiert. Doch von dieser Überlegenheit war im K.o.-Duell im Yoyogi National Stadium nichts mehr zu sehen. Die deutsche Mannschaft fand im Angriff gegen die offensive Abwehr des Afrika-Champions überhaupt keine Mittel und in der Defensive keinen Zugriff auf die agilen und explosiven Ägypter.

Angriffsbemühungen ohne Erfolg

Schon nach neun Minuten lag das DHB-Team beim 1:5 mit vier Toren in Rückstand, der bis zur Pause konstant blieb. Auch die Hereinnahme von Youngster Juri Knorr, der beim 29:25 im entscheidenden Gruppenspiel gegen Brasilien mit sechs Toren geglänzt hatte, zahlte sich nicht aus. «Die Ägypter wollten es mehr, waren entschlossener und hatten mehr Mut», sagte Knorr und zog ein ernüchterndes Olympia-Fazit: «Was von dem Turnier bleibt ist die Erfahrung, dass wir jetzt noch nicht bereit waren.»

Das zeigte sich deutlich auf dem Parkett, wo die deutschen Angriffsbemühungen phasenweise hilflos wirkten. Die Ägypter dagegen ließen nie nach und hielten das DHB-Team stets auf Distanz. Auch ein Torwart-Wechsel - für Andreas Wolff rückte Bitter kurz vor dem Wechsel zwischen die Pfosten - zeigte kaum Wirkung. Zehn Minuten vor Schluss lag Deutschland beim 21:25 immer noch mit vier Toren hinten.

In der Schlussphase baute Ägypten die Führung sogar noch aus, was Gislason an der Seitenlinie mit grimmiger Miene und vor der Brust verschränkten Armen verfolgte. «Wir wollen Erfolg haben, aber wir haben keine Zeit, daran zu arbeiten», monierte der 61 Jahre alte Isländer nach dem Tiefschlag und kündigte an: «Wir müssen jetzt erst einmal dieses Turnier analysieren.»

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