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23. Spieltag

Die nächste bittere Hertha-Pleite - 1:6 gegen RB Leipzig

Berlin (dpa)

Es sah lange nach einem Mutmacher-Spiel für Hertha aus - nach einer guten Stunde nahm die Partie gegen RB Leipzig eine andere Wendung. Eine, die Hertha sehr weh tut.

Von Jens Marx und David Langenbein, dpa

Der Leipziger Christopher Nkunku (r) trifft zum 1:2 vom Elfmeterpunkt. Foto: Andreas Gora/dpa

Hertha-Manager Fredi Bobic verfolgte die letzten Minuten des Debakels mit versteinerter Miene, Trainer Tayfun Korkut stand fassungslos in der Coaching Zone. Für die Berliner wird die Not immer größer: Corona-Ausbruch, Rote Karte und eine deftige Heimpleite.

Zum Abschluss des 23. Spieltags haben die Berliner gegen Champions-League-Aspirant RB Leipzig im Olympiastadion trotz großen Einsatzes und viel Leidenschaft mit 1:6 (0:1) verloren. Es war die höchste Heimniederlage der Berliner in dieser Saison.

«Wir sind brutal enttäuscht. Das Ergebnis ist Wahnsinn. Wenn man sich das Spiel anschaut, haben wir zwei verschiedene Spiele gesehen. Bis zum 2:1 und nach dem 2:1», sagte Bobic bei DAZN und fügte mit Blick auf die vielen Corona-Fälle hinzu: «Wir waren nicht weit weg, dass wir eine Beantragung machen müssen, dass wir das Spiel nicht spielen.» Aber man werde nicht jammern, so Bobic, der lobende Worte für Trainer Korkut übrig hatte: «Er macht das so, wie man sich das in der Situation vorstellt. Null Aktionismus, ein ganz klarer Plan. Er jammert nicht, wenn Spieler ausfallen.»

Nkunku mit Doppelpack

In einer lange Zeit umkämpften Partie vor 10.000 Fans erzielte Benjamin Henrichs in der 20. Minute durch einen abgefälschten Schuss die Leipziger Führung, Stevan Jovetic (48.) glich nach der Pause aus. Danach schlug Leipzigs Torjäger Christopher Nkunku mit einem Drei-Minuten-Doppelpack (64., Foulelfmeter und 67.) gegen mittlerweile in Unterzahl spielende Herthaner zu. Marc-Oliver Kempf hatte die Rote Karte gesehen (62.). Dani Olmo (74.), Amadou Haidara (82.) und Yussuf Poulsen (88.) schraubten das Ergebnis in die Höhe und sorgten für große Enttäuschung bei den Hertha-Fans.

«Ich kann den Frust verstehen. Es war ein ganz bitterer Verlauf. Es ist schwierig, Worte zu finden. 1:6 ist viel zu hoch. Wir waren gut drin. Dass wir so vom Platz gehen, ist extrem bitter», sagte Berlins Marco Richter und fügte hinzu: «Wir geben das Spiel nach der Roten Karte komplett aus der Hand. Dann haben wir uns abschießen lassen, was nicht passieren darf.» So fand auch Leipzigs Trainer Tedesco das Ergebnis zu hoch: «Ich habe das Spiel nicht so leicht erlebt, wie es ausgesehen hat.»

Die durch weitere sechs Corona-Fälle geschwächte Mannschaft von Trainer Tayfun Korkut wartet damit weiter auf den ersten Sieg in diesem Jahr und liegt nur noch einen Platz und einen Punkt vor dem Relegationsrang. Die Gäste aus Leipzig behaupteten mit dem sechsten Sieg gegen Hertha im Olympiastadion im sechsten Duell den vierten Tabellenrang. Lange aber ohne Glanz in der Hauptstadt zu versprühen gegen eine zunächst auf Torsicherung bedachte Hertha-Mannschaft.

Corona-Ausbruch bei der Hertha

Korkut musste in seiner Personalnot in der Abwehr wieder umbauen, Hertha spielte mit dem insgesamt achten unterschiedlichen Innenverteidiger-Paar bei einer Viererkette in dieser Saison. Und auch die Spieler davor zogen sich zunächst weit zurück, um die Leipziger bei Balleroberung nicht zu ihrem schnellen Spiel kommen zu lassen. Was passieren kann, wenn der Ball bei den Leipzigern ins Rollen kommt, zeigte sich dennoch in der neunten Minute. Nordi Mukiele zielte aber zu ungenau. Er war einer von insgesamt sieben Spielern, die neu in die Startaufstellung von RB im Vergleich zur rund 72 Stunden zuvor beim 2:2 gegen Real Sociedad gerückt waren.

Genauso wie Poulsen, der etwas später im Berliner Strafraum gleich mehrer Herthaner auf sich zog, und dann dem ebenfalls neu ins Team gerückten Henrichs auflegte. Der dreimalige Nationalspieler konnte ziemlich unbedrängt abziehen, Torwart Alexander Schwolow klärte mit dem Beinen, ließ den Ball aber so abprallen, dass Henrichs - noch immer ziemlich frei - es nochmal probieren konnte. Abgefälscht von Linus Gechter landete der Ball im Tor.

Kempf mit der Notbremse

Als Spektakelzünder diente der Treffer aber nicht, auch wenn die Leipziger weitere Möglichkeiten hatten. Fouls unterbrachen den etwas zähen Spielfluss zusätzlich. Die Herthaner, die neben insgesamt acht Corona-Fällen unter ihren Profis offensichtlich auch noch weitere aktuelle sieben im Betreuerstab zu beklagen haben, kamen hier und da auch gefährlich vors Leipziger Tor. Ein Kopfball von Ishak Belfodil ging aber vorbei, Jovetic scheiterte mit einem Freistoß an RB-Keeper Peter Gulacsi (36.), Richter köpfte drüber.

Besser machte es Jovetic kurz nach der Pause, nachdem Korkut im Kabinengang noch letzte Anweisungen gegeben hatte. Im Mittelfeld verlor Leipzigs Amadou Haidara den Ball und praktisch aus der eigenen Hälfte startete Jovetic. Keiner griff an, Jovetic zog ab und der Schuss wurde auch noch noch von Josko Gvardiol abgefälscht. Und nun drückte Hertha, vor allem Jovetic sorgte für Gefahr und verpasste nur knapp die Führung (54.). Die gelang auf der Gegenseite Nkunku aber per Elfmeter nach einem klaren Foul im Strafraum von Kempf an Nkunku selbst. Kurz danach besiegelte der treffsichere Franzose die zwölfte Saisonniederlage, ehe auch noch Olmo und Haidara jubeln durfte.

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